Umstrittener Neubau

Neuköllner Stadtplaner lehnen Karstadt-Neubau ab

Internes Dokument zeigt: Bezirksamt Neukölln bewertete Karstadt-Neubau am Hermannplatz deutlich negativer als bisher bekannt.

Der Karstadt am Hermannplatz soll umgebaut werden. Das führt zu Diskussionen zwischen den Bezirken Neukölln und Kreuzberg.

Der Karstadt am Hermannplatz soll umgebaut werden. Das führt zu Diskussionen zwischen den Bezirken Neukölln und Kreuzberg.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Wie bewertet das Bezirksamt Neukölln den geplanten Karstadt-Neubau am Hermannplatz? Bisher stellte sich Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) immer hinter das Großprojekt. Und seine Fraktion schrieb Mitte September auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Wir stellen uns als SPD Neukölln klar hinter die Umbaupläne des Karstadt am Hermannplatz.“

Doch nun liegt der Berliner Morgenpost ein internes Dokument aus dem Bezirksamt Neukölln vor, das einen möglichen Neubau deutlich kritischer betrachtet. Noch im Juli schätzte der Fachbereich Stadtplanung Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken ab. Und kam zu einem deutlich weniger positiven Ergebnis als Hikel.

Stadtplanung bewertet Chancen und Schwächen des Neubaus

Auf der Plus-Seite steht demnach eine imposante Architektur-Ikone als berlinweit herausragendes und auch touristisch interessantes Neubauprojekt. Ebenfalls positiv bewerten die Stadtplaner im Neuköllner Bezirksamt die geplante Markthalle, die große Dachterrasse sowie neue Flächen, die für Gemeinwohl orientierte Aufgaben, wie Bibliothek oder interkulturelles Ärztezentrum, reserviert sein sollen. Dadurch könnte es eine Aufwertung für den Bezirk geben – und daraus schließlich ein positiveres Gesamtimage entstehen, für den Hermannplatz an sich, aber auch für ganz Neukölln.

Die Negativ-Liste hingegen liest sich deutlich länger. Da beispielsweise das Parkhaus abgerissen werden soll, befürchten die Stadtplaner ein mögliches Parkchaos rund um den Neubau. Außerdem sprechen sie von einer „maßstabssprengende Kubatur“, die überdominant, protzig-massiv und wie ein Fremdkörper wirken könne. Die Sorge: In Folge könne eine Sogwirkung entstehen, die für die Karl-Marx-Straße und die ansässigen Gewerbe eine Standortbenachteiligung nach sich ziehen könnte.

Als zusammenfassendes Fazit halten die Stadtplaner schließlich fest: „Es spricht somit vieles dafür, Kubatur und Nutzung wie bisher zu erhalten.“

Kontra-Argumente aus Neukölln und Kreuzberg ähneln sich

Das ist vor allem deshalb interessant, da der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), seine Absage zum geplanten Neubau ganz ähnlich begründete wie der Fachbereich Stadtplanung in Neukölln – und dafür von Hikel scharf kritisiert wurde. Schmidt teilte unter anderem mit, dass ein „Monumentalbau“ weder nach Kreuzberg noch nach Neukölln passe. Ein Neubau sei, „trotz aller Faszination für das historische Gebäude, in der heutigen Situation überzogen und unangemessen.“

Hikel teilte damals mit: „Ich finde diese Form der pauschalen Ablehnung des Projektes zum jetzigen Zeitpunkt bedauerlich.“ Und heute? Müsste, so Hikel, durch einen „weiteren Vertiefungsprozess“ das Projekt weiter angepasst werden an den Hermannplatz, um so Risiken möglichst zu verringern und zu vermeiden.

Signa sagt allen Beteiligten Mitsprache zu

Durch eine Revitalisierung des Gebäudes würde der Hermannplatz eine Zentrumsfunktion wiedererlangen, ist sich der Bezirksbürgermeister von Neukölln sicher. Merkt aber auch an: „Gleichzeitig muss auch der Hermannplatz selbst angepasst werden. Der Umbau der Immobilie muss also mit der künftigen Platzgestaltung gedacht werden.“ Dazu befände man sich in intensiven Gesprächen mit Signa, dem Eigentümer von Karstadt.

Hikel kann sich einen kleinen Seitenhieb auf Schmidt nicht verkneifen: „Da Signa allen Akteuren eine frühzeitige Beteiligung zugesagt hat, ist es umso unverständlicher, weshalb Friedrichshain-Kreuzberg voreilig eine Absage erteilt hat.“

Sterben der Warenhäuser in der Karl-Marx-Straße

Und weiter: „Nachdem das Sterben der Warenhäuser in der Karl-Marx-Straße in den 90er Jahren zu einem wirtschaftlichen Abstieg geführt hat, den wir jetzt durch einen aufwendigen Umbau versuchen umzukehren, sollten wir in Absprache mit den Plänen von Signa versuchen frühzeitig zu verhindern, dass sich dies am Hermannplatz wiederholt.“

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