Polizei

Liecke macht Personalmangel für Angriff verantwortlich

Angreifer, der zwölf Polizisten verletzt, war im sozialpsychiatrischen Dienst in Betreuung. Gesundheitsstadtrat Liecke: Eskalation war vermeidbar

Falko Liecke, Gesundheitsstadtrat von Neukölln.

Falko Liecke, Gesundheitsstadtrat von Neukölln.

Foto: Sergej Glanze / Berliner Morgenpost

Berlin. Die Nachricht schockierte vergangene Woche Neukölln: Ein 34-jähriger Mann sprühte mit einem Feuerlöscher mehrfach auf Polizisten und verletzte dabei zwölf Beamte. Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) meint nun: Diese Eskalation wäre vermeidbar gewesen.

Denn der Angreifer war durchaus kein Unbekannter im Bezirk, seit einiger Zeit wird er im bezirklichen sozialpsychiatrischen Dienst (SpD) betreut. Zur Deeskalation der Situation hätte der SpD ausrücken und den verwirrten Mann beruhigen sollen, meint Liecke nun. „Wegen Personalmangel war aber nur der Anrufbeantworter geschaltet und die Einsatzkräfte waren auf sich gestellt.“

Neukölln ab Ende des Jahres ohne Amtsärzte

Der SpD in Neukölln sei mittlerweile nicht mehr voll handlungsfähig, so Liecke. Davor warte der Neuköllner Gesundheitsstadtrat bereits Anfang des Monats in einem Interview mit der Berliner Morgenpost. Denn in Neukölln fehlen Amtsärzte, ab September wird der Bezirk keinen eigenen Amtsarzt mehr haben. Davon betroffen ist auch der SpD in Neukölln.

Bei der aktuellen Personalausstattung habe die Begutachtung von stationär aufgenommenen Patienten im Klinikum Neukölln derzeit Vorrang, so Liecke, da es dort um die Beurteilung der Erforderlichkeit von Maßnahmen der Freiheitsentziehung gehe. „Der öffentlichen Gesundheitsdienst arbeitet im besten Fall unauffällig. Aber wenn er nicht funktioniert, bricht unsere Stadt nach und nach auseinander“, sagt Liecke.

Amtsärzte werden zu schlecht bezahlt

Ursache für den anhaltenden Personalmangel im öffentlichen Gesundheitsdienst in Neukölln, aber auch in ganz Berlin, sei die vergleichsweise schlechte Bezahlung von Ärzten, erklärt Liecke. „Wir bezahlen einfach zu schlecht.“ Mit knapp über 4000 Euro im Monat verdient ein Amtsarzt zwischen 1000 und 1500 Euro weniger als ein Klinikarzt. In ganz Berlin werden ab 2022 nur noch vier Bezirke einen Amtsarzt haben.

Erst kürzlich, so berichtete es der Gesundheitsstadtrat Anfang Juni im Interview, hätte er einen Bewerber aus Schleswig-Holstein gehabt, den er mit Kusshand eingestellt hätte. Der aber lehnte ab – obwohl er als Chef des Gesundheitsamtes Neukölln einen riesen Karrieresprung gemacht hätte. Dennoch: „Er hätte bei uns 20.000 Euro weniger verdient im Jahr – da ist die Absage völlig verständlich“, sagt Liecke.

Feuerlöschschaum auf Polizisten gesprüht: Beamte verletzt

Was war vergangene Woche bei dem Polizeieinsatz in Neukölln geschehen? Die Beamten hatten sich vergangene Woche gewaltsam Zutritt zur Wohnung des Mannes in der Karl-Marx-Straße verschafft, weil ein Unglücksfall vermutet wurde. Im Laden unter der Wohnung lief Wasser durch die Zimmerdecke, der Inhaber rief deshalb die Polizei.

Klopfen und Klingeln seien erfolglos geblieben, hieß es von Seiten der Polizei. Der 34-Jährige hatte offenbar ein psychisches Problem. Nach einem Fluchtversuch über den Balkon und anschließender Verfolgungsjagd über die Hermannstraße, an deren Ende der Mann festgenommen werden konnte, kam er auf eine psychiatrische Station in einer Klinik.