Neubau in Neukölln

Mikro-Apartments: Anwohner wollen teuren Neubau verhindern

An der Braunschweiger Straße in Neukölln entstehen 149 Mikro-Apartments. Bei dem Preis dürften viele potenzielle Käufer abwinken.

So soll es aussehen: das neue Haus an der Braunschweiger Straße in Neukölln mit 149 Micro-Apartments.

So soll es aussehen: das neue Haus an der Braunschweiger Straße in Neukölln mit 149 Micro-Apartments.

Foto: WFS Welthaus Living GmbH & Co. KG

Berlin.  Bis jetzt ist das Grundstück an der Braunschweiger Straße 21 in Neukölln noch eine Brachfläche. Doch schon bald soll hier ein schicker Neubau mit Mikro-Apartments gebaut werden. 149 Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen sollen hier entstehen. Wohnraum, der in Neukölln eigentlich dringend gebraucht wird.

Allerdings kostet eine Ein-Zimmerwohnung mit rund 28 Quadratmetern laut der Makleragentur Nagel Properties, die die Wohnungen verkauft, 170.000 Euro. Die 55 Quadratmeterwohnung kostet hingegen bis zu 355.000 Euro. Viel Geld für wenig Platz.

Anwohner und Nachbarn protestieren gegen Bebauung

Grund genug für Anwohner und Nachbarn, gegen das geplante Neubauprojekt zu protestieren. Eine Gruppe von Aktivisten hat den Bauplatz „besetzt“, hat hier einen kleinen Gemeinschaftsgarten errichtet, „der auch als milieuübergreifen der Treffpunkt für die Nachbarschaft dient“, wie die Gruppe rund um das Kiezforum Rixdorf in einer Mitteilung schreibt.

Und weiter: „Unsere neu gestaltete Brache „DaWoEdekaMaWa“ sollte am Morgen von Montag, den 17. Juni geräumt werden! Dieser erste Versuch konnte erst malabgewehrt werden, es kann aber jederzeit zu einer neuen Räumung kommen.“ Das Bezirksamt Neukölln konnte auf Nachfrage dieser Zeitung einen Baubeginn weder bestätigen noch dementieren.

Die Gruppe der Rixdorfer Aktivisten allerdings fordert den sofortigen Stopp der Bebauungspläne der Microappartments und „dass auf dem Gelände und im Kiez langfristig bezahlbare und marktferne Wohnungen entstehen oder die Fläche als selbstgestalteter Park,Gemeinschaftsgarten und sozialem Treffpunkt erhalten bleibt.“

In ganz Berlin fehlen rund 310.000 bezahlbare Wohnungen – darunter etwa 217.000 Apartments mit weniger als 45 Quadratmetern für Einpersonenhaushalte. Das ergab eine Studie der Humboldt-Universität Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im vergangenen Jahr.

Wohnungen mit Designermöblierung

Die Mikro-Apartments, die in Neukölln gebaut werden – übrigens allesamt Eigentumswohnungen – , haben eine durchschnittliche Grundfläche von 26 bis 55 Quadratmeter. Und die 149 Mini-Wohnungen werden bezugsfertig angeboten. Käufer können laut Nagel Properties „aus erlesenen Musterkollektionen Fußböden, Bäder und Küche“ auswählen – „auf Wunsch mit Designermöblierung“.

Ausstattung schlägt auf den Preis

Das schlägt sich auch auf den Kaufpreis nieder: Eine Ein-Zimmerwohnung mit rund 28 Quadratmetern kostet laut der Makleragentur Nagel Properties, die die Wohnungen verkauft, 170.000 Euro. Die 55 Quadratmeterwohnung kostet hingegen bis zu 355.000 Euro.

Das ergibt einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 6000 Euro. Laut der Internetseite des Immobilienmaklers First Citiz liegt der durchschnittliche Wohnungspreise in Neukölln derzeit bei 4500 Euro pro Quadratmeter.

Anwohner befürchten Gentrifizierung

Die hohen Quadratmeterpreise kommen insbesondere in der Nachbarschaft des Neubaus nicht gut an. Vergangenes Wochenende wurde deshalb ein Anwohner-Picknick auf dem Baugrundstück veranstaltet. Lieber hätten die Anwohner hier einen kleinen Park oder sozialen Wohnraum bekommen. Nun fürchten sie, dass ihr Kiez von Gentrifizierung bedroht sein könnte.

Der Bauträger des Projekts, WFS Welthaus Consult GmbH, schreibt auf seiner Internetseite über den Standort Neukölln: „Positive Prognosen für die Zukunft zeigen steigende Wohn- und Mietkosten in den nächsten Jahren. Mit einer Investition sichern Sie sich einen Platz im Aufschwung des Immobilienmarktes.“

Bezugsfertig sollen die Mikro-Apartments laut Nagel Properties Ende 2020 oder Anfang 2021 sein. Und: Es sind bereits rund 40 Prozent der Wohnungen verkauft.