Vermieter hat gekündigt

„La Bettolab“ kämpft gegen Pears Global Real Estate

Die Firma aus Luxemburg hat dem „La Bettolab“ gekündigt. Doch Betreiber Emanuele Femia kämpft.

Galeriebesitzer Emanuele Femia muss aus seiner Galerie an der Okerstraße in Neukölln raus - zumindest, wenn es nach der Pears Global Real Estate geht.

Galeriebesitzer Emanuele Femia muss aus seiner Galerie an der Okerstraße in Neukölln raus - zumindest, wenn es nach der Pears Global Real Estate geht.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Geht es nach der Hausbesitzerin, sollte das „La Bettolab“ an der Neuköllner Okerstraße längst raus sein, doch Betreiber Emanuele Femia wehrt sich. Die Besitzerin, die Pears Global Real Estate, eine Firma mit Sitz in Luxemburg, steht bereits durch die Kündigung von anderen Gewerbemietern in ganz Berlin in der Kritik, betroffen ist auch die Szenekneipe „Syndikat“. Am 13. Juli wird der Fall vor Gericht verhandelt.

Angefangen hat es im September 2017, als bei Femia plötzlich die Kündigung durch die Eigentümerin im Briefkasten lag, nicht lange nachdem das Haus den Besitzer gewechselt hatte. Der Kündigung war lediglich ein Abmahnschreiben vorangegangen. Es sei zu laut, sagte die Hausverwaltung. Nun sollte Femia das Ladenlokal in zehn Tagen räumen.

Femia startete die Kampagne „Betto bleibt“

Dem kam Femia nicht nach, sondern holte sich Hilfe beim Mieterverein, legte Widerspruch ein und startete die Kampagne „Betto bleibt“. Er sprach mit den Nachbarn und sammelte Unterschriften. „Ich habe damals gemerkt, dass die Leute mich und den Ort mögen“, so Femia. In dieser Zeit habe er viel Solidarität von den Nachbarn aus dem Haus und aus dem Kiez erfahren. „Viele sind vorbeigekommen und haben uns unterstützt“, sagt er. Rund 500 Unterschriften und 30 Unterstützungsschreiben sind zusammengekommen, die sich für den Verbleib des „La Bettolab“ aussprechen.

Nach der zehntägigen Frist passierte erst einmal gar nichts, bis die Pears Global Real Estate im Mai 2018 die Räumungsklage beim Landgericht Berlin einreichte. Über die wird am 13. Juni verhandelt.

Anwalt spricht von konstruierten Vorwürfen

Der Anwalt Peter Raabe, der Femia seit einiger Zeit vertritt, glaubt nicht, dass die Räumungsklage vor Gericht Bestand haben wird: „Weder die Kündigung, noch die Räumungsklage begründen sich auf ausstehende Mieten, es geht ausschließlich darum, dass hier angeblich eine lärmende und störende Touristenkneipe sein soll“, sagt Raabe. Der Vorwurf der Lärmbelästigung wiederum stütze sich ausschließlich auf das Lärmprotokoll einer Nachbarin, das diese im Zeitraum von acht Tagen im Oktober 2017 angefertigt hat. Also erst nachdem die Kündigung eingegangen war – darauf eine Klage zu stützen sei absurd, so Raabe.

Für Femia und seinen Anwalt wirken die Vorwürfe konstruiert. Die Kundschaft bestehe zum Großteil aus Menschen aus der Gegend oder denen, die sich für die Kunst- und Kulturprojekte im „La Bettolab“ interessieren. „Viele der Unterstützungsschreiben stammen von Leuten aus dem Haus, oder dem Haus gegenüber. Das würden die nicht machen, wenn sie keine Nacht ein Auge zumachen könnten“, sagt Raabe.

Laut Femia reagiert Hausverwaltung nicht auf Anfragen

Femia ist sichtbar wütend: „Ich hatte so viel Stress wegen dieser Hausverwaltung und den Eigentümern. Sie haben nichts in den Räumen gemacht, nur die Heizung und den Strom, alles war kaputt und ich musste alles selber machen.“ Auf Anfragen reagiere die Hausverwaltung nicht. „Ich glaube, die Strategie der Eigentümer ist, die Mieter so lange unter Stress zu setzen, bis sie aufgeben und weggehen.“

Vielen anderen Gewerbemietern gehe es im Kiez ähnlich. Viele knickten irgendwann ein und gingen weg, ohne auch nur ein Wort zu sagen, erzählt Femia, sie hielten den Stress einfach nicht aus. „Wir müssen kämpfen, denn der Kiez gehört uns, nicht den Firmen in Luxemburg. Die wissen doch gar nicht, was hier passiert, zehn Prozent der Menschen hier sind vielleicht Touristen, aber der Schillerkiez ist keine Warschauer Straße und das Bettolab ist nicht das Berghain!“

Femia ist überzeugt, dass es der Pears Global Real Estate darum gehe, die Räume teurer zu vermieten oder zu verkaufen. Im Vergleich zu anderen Mietern zahle er weniger. „Die wollen mich einfach raushaben“, sagt er.

Auf Nachfrage bei dem Berliner Büro der Pears Global Real Estate wurde keine Auskunft erteilt, man habe auch keine Pressestelle.

„La Bettolab“ als Ort der Kultur und des Austausches

Femia, der 2010 von Rom nach Berlin kam und als Fotograf, Videokünstler und Lichtdesigner arbeitet, hat das „La Bettolab“ 2015 eröffnet. Für ihn ist es eine experimentelle Galerie und ein Café und gleichzeitig weit mehr – ein Ort für Performances, Ausstellungen, Workshops und ein Ort, an dem sich die Menschen aus dem Kiez treffen und austauschen können. Das Kunstfestival „48 Stunden Neukölln“ war in den vergangenen Jahren immer wieder Gast in den Räumen. Femia ist es wichtig, dass auch Menschen kommen können, die sich keine teuren Getränke leisten können, viele Angebote sind günstig und die Workshops werden auf Spendenbasis angeboten.

Die Kündigung würde das Ende für das „La Bettolab“ in dieser Form bedeuten. Dass er neue Räume für die Galerie findet, kann sich Femia angesichts des angespannten Wohnungsmarktes nicht vorstellen.