Prävention

Wie Neukölln Kinder von Drogen fernhalten möchte

Mit der Aktion „Fit für die Straße“ werden Schüler über Alkohol und Drogen im Straßenverkehr aufgeklärt.

Damit Kinder nicht zu Komasäufern werden, informiert der Bezirk über Gefahren (Symbolbild).

Damit Kinder nicht zu Komasäufern werden, informiert der Bezirk über Gefahren (Symbolbild).

Foto: Axel Heimken / dpa

1410 Unfälle geschahen im Jahr 2017 in Berlin, bei denen Alkohol und Drogen mit im Spiel waren. 122 Menschen wurden dabei schwer verletzt. Für drei hingegen kam jede Hilfe zu spät, sie starben.

Die Zahlen sind schockierend – und sprechen für sich. Deshalb bietet der Bezirk Neukölln seit 12 Jahren Aktionstage für Schüler an, damit diese über Gefahren von Drogen und Alkohol im Straßenverkehr informiert werden.

In Neukölln findet deshalb vom 26. bis 28. Februar die Präventionsveranstaltung „Fit für die Straße“ statt. Dafür werden die Schüler an ihren Schulen von Experten informiert.

Stadtrat Liecke fordert Null-Toleranz-Politik

Neuköllns Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) sagt: „Die Aufklärung über die Risiken von Drogen und Alkohol im Straßenverkehr muss so früh wie möglich ansetzen. Gemeinsam mit unseren Partnern werben wir für einen verantwortlichen Umgang. Eigentlich ist es ganz einfach: Alkohol und Drogen haben hinter dem Steuer nichts verloren.“

Neben Information und Beratung bieten die Experten an den Schulen sie auch Fahrsimulatoren an. Außerdem wird es Berichte aus der Praxis geben. Darüber hinaus können Schüler in Reaktionstests und Wissensspiele ihre Fähigkeiten testen.

Linke fordert Cannabis nicht so hart zu bestrafen wie Alkohol

Der Aktionstag findet mitten in einer Diskussion statt, die die Linke-Bundestagsfraktion jüngst angestoßen hat. Auf den Straßen Deutschlands werden Menschen, die sehr geringe Mengen Alkohol oder THC im Blut aufweisen, sehr unterschiedlich behandelt. Während bei Alkohol die bewährte 0,5-Promille-Grenze existiert, gibt es für Cannabis keine vergleichbare Regelung“, kritisiert Niema Movassat, drogenpolitischer Sprecher der Linken.

Ginge es nach dem 34-jährigen Bundestagsabgeordneten, dann würde der THC-Wert angehoben werden. Untersuchungen zur Wirkung zeigen, dass 5,0 Nanogramm THC ungefähr dem Wert von 0,5 Promille Alkohol entsprechen.

Bei Alkohol liegt die Toleranz deutlich höher

Wer mit 5,0 Nanogramm THC unterwegs ist, kann sich allerdings ziemlich sicher sein, dass er in naher Zukunft kein Auto mehr fahren darf. Zumindest wird er sich auf eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), besser bekannt als „Idiotentest“, einstellen müssen.

Bis zu 0,5 Promille Alkohol im Blut ist dagegen in der Regel keine Ordnungswidrigkeit – außer man verhält sich derart auffällig, dass man den Straßenverkehr gefährdet, beispielsweise in Schlangenlinien über den Asphalt kurvt. Dann wird es auch schon ab 0,3 Promille problematisch.

Bundesregierung möchte den THC-Grenzwert noch nicht anpassen

Dementsprechend folgte selbst der Deutsche Verkehrsgerichtstag einer Empfehlung der Grenzwertkommission, dass der THC-Grenzwert im Blut künftig bei 3,0 Nanogramm liegen dürfe. Die Bundesregierung bleibt in dieser Sache aber zurückhaltend. Man warte zunächst eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in einem derzeit laufenden Verfahren ab, heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken, die unserer Redaktion vorliegt. Dies wird vermutlich im Frühjahr geschehen.