Neukölln

Männer belästigen israelische Reporterin und zünden Böller

Mehrere Jugendliche bedrängten die Journalistin, die auf Hebräisch einen Aufsager für das Fernsehen machte. Dann flog ein Böller.

Journalistin Antonia Yamin postete den Vorfall bei Twitter

Journalistin Antonia Yamin postete den Vorfall bei Twitter

Foto: https://twitter.com/antonia_yamin

Berlin. Eine israelische Journalistin ist in Neukölln von einer Gruppe Jugendlicher bedrängt worden. Antonia Yamin, TV-Reporterin und Europa-Korrespondentin des israelischen Senders KANN, machte auf Hebräisch gerade einen Aufsager vor der Kamera, als sich eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund von hinten näherte, die Aufnahme störte und Gesten in Richtung der laufenden Kamera machte. Die Journalistin forderte die Jugendlichen auf Deutsch auf, sie in Ruhe zu lassen. Daraufhin zündete einer der jungen Männer einen Böller und warf ihn vor der Journalistin auf den Boden.

Yamin veröffentlichte eine 23 Sekunden lange Aufnahme des Vorfalls vom Sonntag bei Twitter. Dieses Video wurde bis zum Montagabend knapp 84.000-mal aufgerufen.

Auf die Frage, ob die Belästigung einen antisemitischen Hintergrund habe, sagte Antonia Yamin der „Bild“: „Ich weiß nicht, ob sie gehört haben, wie ich Hebräisch gesprochen habe.“ Unklar sei auch, ob die Jugendlichen das Logo des israelischen Senders erkannt haben. Yamin musste nach eigenen Angaben zwischen zwei Interviews einen Aufsager zum Brexit-Abkommen machen. Das wollte sie offenbar auf ihrem Weg zum nächsten Termin in Neukölln machen. Sie schrieb nach den Vorfällen in englischer Sprache auf Twitter: "Wie man sehen kann ist es nicht möglich in Neukölln auf hebräisch zu berichten, ohne gestört zu werden und ohne, dass Leute einen mit Feuerwerk bewerfen."

„Das Landeskriminalamt (LKA) prüft aktuell, ob eine strafbare Handlung vorliegt“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Dem entsprechend wird dann auch ermittelt.“ Die Ermittlungen gehen in alle Richtungen. Von versuchter Körperverletzung wegen des Böllerwurfes bis hin zu einer möglichen antisemitischen Attacke. Man werde auf jeden Fall auch mit der Reporterin Kontakt aufnehmen. Ob eine Anzeige vorliegt, ist unklar.

Die Pressesprecherin der israelischen Botschaft in Berlin, Shir Gideon, teilte auf Twitter mit: „Wir verurteilen diese aggressive Tat und vertrauen, dass Hintergründe ermittelt und Täter bestraft werden. Beunruhigend, wenn in Teilen Berlins Problem ist, als Israeli oder Jude erkannt zu werden.“

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