Reihe

Neuköllner Buchhändler gegen Rechts

Mit der Veranstaltungsreihe "Kopf aus dem Sand" setzen Buchhändler ein Zeichen gegen Rechtspopulismus.

Symbolbild

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Foto: pa

Berlin. Seit drei Jahren engagieren sich Neuköllner Buchhändler gegen Rechtspopulismus. Und auch in diesem Jahr findet wieder eine Veranstaltungsreihe statt. "Kopf aus dem Sand" heißt sie. "In der Redewendung steckt der Strauß den Kopf in den Sand und glaubt sich sicher. Die Wirklichkeit zu ignorieren, kann aber fatale Folgen haben", teilten die teilnehmenden Buchhandlungen in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Insgesamt sieben Veranstaltungen an verschiedenen Orten finden noch bis Ende Oktober statt. Buchvorstellungen, eine Vernissage, Filmvorführungen, Diskussionsrunden, Lesungen - das Veranstaltungsprogramm ist vielfältig. Und soll ein Zeichen setzen gegen Rechtpopulismus. "Wir stecken den Kopf aus dem Sand! Nur so können wir die politische Lage verstehen. Nur so können wir unsere Werte von einem demokratischen Miteinander und allgemeingültigen Menschenrechten verteidigen", teilte die Buchhändler-Initiative mit.

Der Zeitplan:

Am Sonntag, 7. Oktober, ist die Doku „Zentralflughafen – THF“ von Karim Ainouz zu sehen. Beginn ist um 18 Uhr im „Il Kino“, Nansenstraße 22. In den Hangars am ehemaligen Flughafen sind Flüchtlinge untergebracht. Gleichzeitig wird das Flughafenfeld als Naherholungsort genutzt. Ainouz beleuchtet diesen Gegesatz.

In der Buchkönigin, Hobrechtstraße 65, wird es am Dienstag, 9. Oktober, 19.30 Uhr, das Thema „Rechte Verlage – Nischenprodukte oder Bestseller?“ diskutiert. Fragen wie "Wann spricht man von rechten Verlagen, wer sind die Akteure und wie sind sie aufgestellt?" werden diskutiert.

Sein Buch „Schwarz, Rot, Pop“ präsentiert Thorsten Hindrichs am Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr, im Laden „Die gute Seite“, Richardplatz 16. Er blickt darin auf deutsche Musiker, die rechtspopulistische Musik machen.

Die Lesung „Kein Schlusswort“ findet Dienstag, 16. Oktober, um 20 Uhr im Buchhafen, Okerstraße 1, statt. Herausgeberin Antonia von der Behrens ist Rechtsanwältin und war Nebenklägervertreterin im NSU-Prozess.

„Schonzeit vorbei“ ist der Titel von Juna Grossmanns Buch. Die jüdische Deutsche berichtet über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus und vom Wachsen einer Angst, die sie vor einigen Jahren noch nicht kannte. Sie ist am Sonnabend, 20. Oktober, um 20 Uhr zu Gast in der Buchhandlung Leporello, Krokussraße 91.

„Die Biographische Buchhandlung“, Richardstraße 104, lädt Donnerstag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr zu einer Biographischen Lesung ein. Annelies Laschitzka ist mit ihrem Buch „Sich treu bleiben und heiter sein …“ zu Gast. Am selben Ort findet auch die Abschlussveranstaltung statt am Sonnabend, 27. Oktober, um 19.30 Uhr. Unter der Überschrift „Was wir unter Haltung verstehen“ diskutieren die Buchhändler mit engagierten Neuköllnern über ihre Erfahrungen und die künftige Zusammenarbeit.

Hintergrund der Veranstaltungreihe

2016 zog die AfD in das Berliner Abgeordnetenhaus ein - Grund genug für Besitzer von Buchläden sich gegen Rechts zu engagieren. Seitdem hat ihre Initiative für viel Beachtung gesorgt. Vor allem, weil teilnehmende Buchhändler attackiert wurden, Autos wurden angezündet und Schaufenster der Buchhandlungen eingeschmissen.

Hinter den Anschlägen werden Rechtsextreme vermutet, Festnahmen gab es aber bis heute keine. Teilweise wurden sogar die Ermittlungen eingestellt. 50 rechtsextreme Straftaten gab es zwischen 2016 bis Anfang 2018 in Neukölln, teilte die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus mit. Die vom Berliner Senat geförderte Beratungsstelle spricht von 14 Brandanschlägen gegen Autos.

Dazu kommen Farbbeutel- und Steinwürfe gegen Privatwohnungen und Graffiti-Schmierereien mit persönlichen Bedrohungen. Die meisten Taten hätten sich in den Neuköllner Ortsteilen Britz und Rudow ereignet. Zum Täterkreis gehörten demnach 10 bis 15 Neonazis mit guten Ortskenntnissen, die den Ermittlungsbehörden bekannt seien.

Weitere Informationen zur Reihe "Kopf aus dem Sand" finden Sie unter: www.facebook.com/pg/neukoellner.buchlaeden.gegen.rassismus/events/

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