Verkehr

Keine freie Fahrt für Autos

Beim "Parking Day" werden Parkplätze kurzzeitig in öffentliche Parks umgewandelt. Autofreie Plätze in neun Bezirken

Parking Day auf dem Böhmischen Platz in Neukölln: Heute dürfen hier keine Autos fahren.

Parking Day auf dem Böhmischen Platz in Neukölln: Heute dürfen hier keine Autos fahren.

Foto: Nina Kugler

Berlin. Autos? Nein Danke! Am sogenannten "Parking Day", einem internationalen Aktionstag, der jedes Jahr am dritten Freitag im September stattfindet, werden Parkplätze an ausgewählten Orten für einige Stunden zu öffentlichen Plätzen umgewandelt. An der weltweiten Aktion, die ihren Ursprung 2005 in den USA hatte, beteiligt sich seit 2009 auch Berlin. Und seit zwei Jahren nun auch Neukölln. Insgesamt neun Berliner Bezirke sperrten dieses Jahr am dritten Freitag im September ausgewählte Plätze für Autos. In Neukölln fand die zentrale Kundgebung auf dem Böhmischen Platz in Rixdorf statt.

Autos durften hier an diesem Tag nicht parken. Wer sich nicht an das Verbot hielt, wurde kurzerhand abgeschleppt. Und für einige Stunden gehörte der Böhmische Platz dann den Fußgängern. Für Kinder wurden verschiedene Spielplätze und Parcours aufgebaut, Anwohner brutzelten auf ihre Grills Fleisch und Gemüse, an verschiedenen Ständen informierten Vereine, wie beispielsweise der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) oder Fahrradfreundliches Neukölln, über Möglichkeiten, die Stadt ohne Auto zu nutzen.

Lara Eckstein vom ADFC Berlin erklärt, dass Berlin weit rund 2.000 Hektar Fläche für Parkplätze reserviert sind. "Das ist zehn Mal so viel Platz wie es für Spielplätze in der Stadt gibt." Mit dem Parking Day, der von Anwohnern organisiert und von Vereinen wie dem ADFC unterstützt wird, soll gezeigt werde, wie man Parkplätze nutzen könnte, wenn es eben keine Autoparkplätze wären. Und: "Der Tag soll auch zeigen, wie viel Platz an Autos vergeudet wird", sagt Eckstein. Im Schnitt steht ein Auto in Berlin täglich 23 Stunden auf einem Parkplatz.

Auf dem Böhmischen Platz wurden am Parking Day rund 30 Parkplätze für einen Tag geräumt. Der autofreie Platz wurde von Anwohnern genutzt, um zu grillen, Kaffee zu trinken, sich miteinander zu unterhalten und die Kinder sicher spielen zu lassen. Schätzungsweise rund 150 Menschen haben teilgenommen. Bau-Stadtrat Jochen Biedermann (Grüne) freut sich über diesen speziellen Tag und sagt: "Für mich ist der Parking Day am Böhmischen Platz ein kleines Stück Utopie. Die Anwohner zeigen, wie der Kiez ohne abgestellte Autos aussieht, wie viel Platz auf einmal im öffentlichen Raum entsteht und wie viele Ideen, wie viel Nachbarschaft und Begegnung hier stattfinden können." Am Abend findet auf dem Böhmischen Platz dann noch ein Fahrradkino statt: Radfahrer erzeugen selbst Strom für die Filmvorführung, indem sie auf speziellen Fahrädern kräftig in die Pedalen treten. Abwechselnd müssen sechs bis acht Fahrradfahrer ranklotzen, damit alle einen schönen Fimabend genießen können.

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