Umbau

Deutschlands erstes Multikulti-Möbelhaus eröffnet in Berlin

Im Neuköllner Einrichtungscenter "Ertmen" werden Möbel für den deutschen und orientalischen Geschmack verkauft.

Noch ist es eine Baustelle, aber Yakup Özsoy baut an der Grenzallee sein eigenes Möbelhaus. Es eröffnet im Oktober. Der Umbau hat 5 Million Euro gekostet

Noch ist es eine Baustelle, aber Yakup Özsoy baut an der Grenzallee sein eigenes Möbelhaus. Es eröffnet im Oktober. Der Umbau hat 5 Million Euro gekostet

Foto: Daniel Schaler

Noch ist das große Möbelhaus an der Grenzallee 34 in Neukölln eine Baustelle. Aus den Wänden hängen Kabel, der Boden muss noch verlegt werden, die Treppe in den ersten Stock braucht noch einen Teppich. Doch schon Ende Oktober sollen hier von vielen verschiedenen Herstellern die Möbel ausgestellt werden. "Wir liegen gut in der Zeit. Zur Eröffnung am 20. Oktober werden wir sicher fertig", sagt der Besitzer und Geschäftsführer, Yakup Özsoy.

Die Ausstellungsfläche ist 6.000 Quadratmeter groß. Zuletzt war hier bis 2017 "SB Möbel Boss" untergebracht. Dann kaufte Özsoy das Gebäude. Für 5 Million Euro wird es seitdem umgebaut. Und Özsoy schwebt ein ganz neues Konzept vor: Ein Multikulti-Möbelhaus. "Araber, Türken, aber auch Deutsche sollen hier für ihren Stil Möbel finden", erklärt Özsoy. Er leitet seit Jahren zwei Möbelcenter in Neukölln und Steglitz, die speziell auf den türkisch-arabischen Markt zugeschnitten sind. Dabei ist ihm aufgefallen: Längst kaufen seine Kunden dort nicht mehr nur ausschließlich kitschige weiß-goldene Polstersessel, sondern verlangen immer häufiger auch nach Möbeln im europäischen Stil. "Der Stil mischt sich", so Özsoy Beobachtung. In seinem Einrichtungshaus an der Grenzallee sollen daher alle Nationalitäten passende Möbel finden. Sein Konzept ist nach eigenen Angaben bisher einzigartig in Deutschland.

Ähnlich wie in einem Einkaufszentrum bieten auch im Ertmen unterschiedliche Marken ihre Einrichtungsgegenstände an. "Shop-in-Shop" nennt sich dieses Konzept. Die verschiedenen Geschäfte sind dabei mit eigenem Fachpersonal ausgestattet und nach verschiedenen Wohnwelten sortiert. "Wir wollten eine ganze Möbel-Stadt errichten", erzählt Özsoy. Im Eingangsbereich wird es ein Café und einen Kinderbereich geben. Zwischen den einzelnen Ausstellungräumen werden kleine Parks mit Bänken, Pflanzen und Straßenlaternen angelegt. "Hier können die Besucher dann kurz entspannen", sagt Özsoy. Ertmen wird das größte Möbelhaus in Neukölln sein.

Familienunternehmen mit Tradition

Die Ausstellungsfläche erstreckt sich insgesamt auf zwei Etagen. In der unteren werden vor allem Küchen und Betten ausgestellt. In der oberen Etage, die schon fast fertig gebaut und eingerichtet ist, kann man Schränke, Sofas und Sessel oder Kinderzimmer-Accessoires kaufen. Eine Straße in Pflasterstein-Optik führt durch die Ausstellung. Die einzelnen Bereiche sind in Räume unterteilt, die wiederum wie Hauswände aussehen - mit Fenstern, durch die man in die Ausstellungsräume hinein sehen kann.

Zu kaufen gibt es von Küchen über Betten, Sofas und Sessel auch ganze Einrichtungsensembles, zum Beispiel für Kinderzimmer. Ähnlich wie man es von anderen großen Möbelhäusern kennt, können kleinere Accessoires direkt gekauft und mitgenommen werden. Größere Möbel hingegen werden geliefert.

Übrigens hat auch der Name "Ertmen" eine besondere Bedeutung: er leitet sich aus dem türkischen “öğretmen” ab und bedeutet soviel wie Lehrer. "Mein Großvater baute in den 1930er-Jahren in seinem Dorf in der Türkei eine Schule, an der er selber als Lehrer gearbeitet hat", erzählt Özsoy. "Damit leistete er seinem Dorf einen großen Dienst. Seither ist Ertmen der Spitzname unserer Familie. Und ich wollte meinem Möbelhaus einen Namen mit Bedeutung und persönlicher Geschichte geben."

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