"Rette deinen Kiez!"

Neuköllner Grüne starten Aktion gegen steigende Mieten

Die Grünen in Neukölln starten die Aktion „Rette Deinen Kiez“. Sie wollen gegen steigende Mieten und Gentrifizierung demonstrieren.

Der Neuköllner Baustadtrat Jochen Biedermann (l.) startet eine Kampagne, um auf steigende Mieten im Kiez aufmerksam zu machen

Der Neuköllner Baustadtrat Jochen Biedermann (l.) startet eine Kampagne, um auf steigende Mieten im Kiez aufmerksam zu machen

Foto: Nina Kugler

Berlin.  Zwei Monate – das ist das Ziel der Grünen in Neukölln, um gegen steigende Mieten, Luxusmodernisierung und Gentrifizierung vorzugehen. Den Auftakt zu der Kampagne „Rette Deinen Kiez“ machte nun eine kleine Demonstration auf dem Alfred-Scholz-Platz an der Karl-Marx-Straße. Die Demonstranten hatten Umzugskartons nebeneinander zu hohen Papp-Türmen gestapelt: einen kleineren und einen größeren. Sie sollten die steigenden Mieten im Kiez versinnbildlichen.

Der kleinere Karton-Turm war nur halb so groß wie der danebenstehende. Denn in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Mieten in Neukölln verdoppelt. 2008 lag der Mietpreis im Durchschnitt laut dem Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) noch bei 5 Euro, heute hingegen muss man pro Quadratmeter bereits 10 Euro berappen.

"Der Mietenwahnsinn macht die Menschen arm"

Jochen Biedermann, Stadtrat für Stadtentwicklung, sagte: „Dieser Mietenwahnsinn macht die Menschen arm, verdrängt langjährige Bewohner und treibt Menschen in die Obdachlosigkeit.“ In Neukölln gibt es bereits sieben Millieuschutzgebiete. Hier sind sogenannte Luxusmodernisierungen eigentlich untersagt. Biedermann berichtet dennoch von einem Fall in einem Schutzgebiet, bei dem ein Vermieter seine Wohnung teuer renoviert hatte, mit Luxusmöbeln einrichtete – und die Zweiraumwohnung nun für mehr als 1500 Euro monatlich vermietet.

Der Stadtrat gesteht ein, dass es keine einfachen und schnellen Lösungen gibt: „Wir können nicht einfach einen Schalter umlegen und das Problem ist gelöst.“ Er fordert – neben Gesetzesänderungen auf Landes- und Bundesebene – daher auch die Mieter und die Zivilgesellschaft zu mehr Engagement auf.

Was kann man tun?

Biedermann fordert Mieter auf, bei Verstößen, zum Beispiel gegen die Mietpreisbremse oder bei auffällig langanhaltendem Leerstand einer Wohnung, aktiv zu werden und dies dem Bezirksamt zu melden. Ebenso sollten Ferienwohnungen, die etwa übers Internet immer wieder vermietet werden und keinen festen Bewohner mehr haben, gemeldet werden.

Unter der Internetadresse www.rette-deinen-kiez.de sind viele Formulare zu finden, die etwa das Melden von Leerstand oder von illegalen Ferienwohnungen, erleichtern sollen.

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