Bei einem Polizeieinsatz in der Nacht zu Freitag ist ein Mann in Neukölln schwer verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich kurz vor 1 Uhr auf dem Gelände einer Tankstelle an der Fritz-Erler-Allee/Neuköllner Straße. Dabei soll ein 37 Jahre alter Hundebesitzer einen anderen Mann räuberisch erpresst haben.
Bei der anschließenden Suche nach dem Tatverdächtigen soll der nicht angeleinte Hund bedrohlich auf die eingesetzten Polizisten zugelaufen sein, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Daraufhin sollen die Beamten aus Notwehr auf den Hund geschossen haben. Dabei trafen die Beamten den 37-Jährigen, der sich nach Polizeiangaben hinter dem Hund in einem Gebüsch befand.
Rettungskräfte brachten den Schwerverletzten in ein Krankenhaus, wo er notoperiert wurde. Der Hund, der immer noch einen aggressiven Eindruck machte, wurde in der Folge von angeforderten Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit einem Taser außer Gefecht gesetzt und zunächst zum Polizeiabschnitt 56 gebracht.
Die Ermittlungen, wie in allen Fällen der Schussabgabe durch Polizeikräfte auf Personen, hat eine Mordkommission des Landeskriminalamts übernommen.
Piraten kritisieren Informationspolitik der Polizei
Christopher Lauer, innenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion, bemängelte die Informationspolitik der Polizei als unklar und einseitig: „Der ganze Ablauf wird mir überhaupt nicht klar: Wie viel Zeit verging zum Beispiel zwischen dem Schuss und dem Eintreffen des SEK? War der Hund in der Zwischenzeit nicht aggressiv?“ Außerdem habe die Polizei gewusst, dass sich der Mann in dem Gebüsch befand, bevor der Schuss fiel. „Ich verstehe nicht, wieso es keinen Warnschuss gab“, so Lauer.
Erst vor zwei Wochen war ein Mann, der in Hellersdorf Passanten mit einer Fahrradkette bedrohte, von einer Polizistin in den Bauch geschossen und schwer verletzt worden. „Irgendetwas scheint an dem Einsatztraining nicht zu funktionieren“. Lauer forderte Konsequenzen: „Die Polizei muss dringend ihre Einsatztaktik überarbeiten“. Es sei auch ein Versäumnis von Innensenator Frank Henkel (CDU), das nun potenziell Menschenleben fordern könnte.
Anfang Juli war bekannt geworden, dass über 700 von knapp 17 000 Polizisten ihr Schießtraining 2015 nicht absolvieren konnten. Polizisten müssen eigentlich mindestens einmal im Kalenderjahr das Schießen trainieren, sonst dürfen sie ihre Pistole nicht mehr tragen. Von ursprünglich 73 Schießbahnen der Polizei werden aber nur einige genutzt. Etliche Schießstände mussten wegen Schadstoffbelastung geschlossen werden.
BM/dpa





