Tausende Berliner haben im morgendlichen Berufsverkehr auf den Bahnhöfen der U7 im südlichen Neukölln vergeblich auf ihre Züge gewartet. Zwischen 4.30 Uhr und 9.20 Uhr fiel der Zugverkehr auf dem Teilstück zwischen Rudow und Britz vollständig aus. Erst nach längerer Wartezeit erfuhren die Betroffenen den Grund: Kupferdiebe hatten auf der Strecke versucht, Kabel zu stehlen und den Zugverkehr dadurch komplett lahmgelegt.

Bis zum Einsetzen des Berufsverkehrs bemühte sich die BVG, den Fahrgästen andere Beförderungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Vorübergehend übernahmen Taxen den Transport der wartenden Menschen, bis das Unternehmen genügend Busse für den Schienenersatzverkehr bereitgestellt hatte.

Die Leitstelle der BVG sei gegen 4 Uhr von einem U-Bahnfahrer über die Beschädigungen alarmiert worden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Montagmorgen. Dessen Zug habe einen Kurzschluss ausgelöst, als er über abgetrennte lose Kabelenden gefahren sei. Zudem seien die Leitungen auf 250 Meter Länge herausgerissen worden. Betroffen von dem Vorfall waren in den frühen Morgenstunden zunächst nur wenige Fahrgäste, bei Einsetzen des Berufsverkehrs stieg deren Anzahl allerdings innerhalb kurzer Zeit rasant.

Nach Erkenntnissen der Verkehrsbetriebe hatten die bislang unbekannten Kabeldiebe in den Tunnelanlagen nahe des U-Bahnhofes Johannisthaler Chaussee zugeschlagen. Es gelang ihnen aber nicht, die Kabel abzutransportieren.

Zu spät zur Arbeit

Wie sie unbemerkt in den Tunnel gelangen konnten, ist derzeit noch unklar. Übermäßig schwierig ist das nach Aussage eines BVG-Mitarbeiters allerdings nicht, auch Farbschmierer sind häufiger in den Tunneln unterwegs. In Folge des Diebstahls musste der Verkehr zwischen den Bahnhöfen Britz-Süd und Rudow vollständig eingestellt werden. Die Auswirkungen der stundenlangen Zugausfälle waren jedoch entlang der gesamten Streckenführung der U7 zwischen Rudow und Rathaus Spandau spürbar. Ab 9.20 Uhr lief der Zugverkehr wieder normal.

Aufgrund des Zugausfalles kamen zahlreiche Fahrgäste verspätet zur Arbeit und zur Schule. Betroffen waren insbesondere Fahrgäste, die auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld waren und um das pünktliche Erreichen ihrer Flieger fürchteten. Auch Radfahrer, die ihre Räder nicht mit in die Ersatzbusse nehmen konnten, bekamen Probleme. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Erst vor einer Woche hatten Kabeldiebe ebenfalls den Bahnverkehr erheblich beeinträchtigt. Betroffen waren in zwei Fällen am vergangenen Montag und am Freitag zuvor S-Bahnstrecken im Norden der Stadt. Die Schäden an den Kabelschächten hatten Signalstörungen ausgelöst und damit für erhebliche Verspätungen im S-Bahnverkehr gesorgt.