Auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte musste am Freitag, 16. Oktober, ein sehr alter Baum gefällt werden. Das teilte Bezirksstadtrat Christopher Schriner (zuständig für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen) mit. Es handelt sich um einen japanischen Schnurbaum, dessen Alter vom Straßen- und Grünflächenamt (SGA) auf 94 Jahre geschätzt wird. Seine majestätische Höhe betrug 24 Meter. Sein Kronendurchmesser: 15 Meter.

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Wegen Fäulnisschäden ist er nicht mehr bruch- und verkehrssicher. Dass der eindrucksvolle Baum weg muss, trifft für viele Berlinerinnen und Berliner einen wunden Punkt. Der Gendarmenmarkt gilt bei vielen ohnehin als schattenlose Steinwüste, und jeder Baum, der dort verschwindet, fällt auf. Besonders wenn er so groß und alt ist. Im Hitzerekord-Sommer wurden am Gendarmenmarkt zwischen 40 und 45 Grad gemessen.

Berliner Gendarmenmarkt: Jahrelange Schäden am Naturdenkmal

Der markante Baum war schon seit einigen Jahren stark geschädigt. Immer wieder brachen größere Äste ab. Das Straßen- und Grünflächenamt versuchte, ihn mit Pflege- und Schutzmaßnahmen zu erhalten.

Baumfällung / Gendarmenmarkt
Baumfällung auf dem Gendarmenmarkt am 16. Oktober 2026 in Berlin.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Fäulnis an Krone und Stammfuß

Bei einer regulären Kontrolle Anfang 2026 fielen erhebliche Mängel auf. Daraufhin ordnete das Amt weitere Untersuchungen zur Standsicherheit an. Am 8. September 2026 kontrollierten Fachleute den Baum erneut mit bloßem Auge und untersuchten das Holz zusätzlich mit einem Resistografen. Das Gerät misst mit einer feinen Bohrnadel den Widerstand im Holz und macht so Hohlräume und Fäulnis sichtbar.

Neupflanzung geplant

Ein beauftragtes Fachunternehmen führt die Fällung durch. Eine Neupflanzung ist vorgesehen, die Details stimmt das Bezirksamt mit der Denkmalschutzbehörde ab. Wann und welcher Baum gepflanzt wird, ist bislang nicht bekannt. Sicher ist nur: Ein neu gepflanzter Baum kann nicht genauso viel Schatten spenden wie ein alter mit großer Baumkrone.

Schnurbaum Gendarmenmarkt historisch
Zeitzeuge aus Holz: Japanischer Schnurbaum im Jahr 1946 am Gendarmenmarkt vor Kriegs-Ruine in der Charlottenstraße 55.© BM | Dokumentationsstelle Denkmalpflege Märkisches Museum Berlin

Der Gendarmenmarkt war übrigens nicht immer so kahl, wie er jetzt ist. In der Kaiserzeit war die jetzige Steinwüste aufgelockert durch Pflanzinseln mit Büschen und Bäumen. Ab 1908 kamen Rasenflächen hinzu. Während des Zweiten Weltkrieges baute man am Gendarmenmarkt sogar Kartoffeln und Mohnfelder zur Gewinnung von Opium an. Während des Zweiten Weltkrieges spielte Schlafmohn eine strategisch lebenswichtige Rolle für die Betäubung und Schmerztherapie verletzter Soldaten.