Als die letzten Stunden des Warenhauses Karstadt an der Müllerstraße im Januar 2024 eingeläutet waren, kamen viele Menschen, um noch einmal Abschied zu nehmen. In den vergangenen fast drei Jahren wurde um eine neue Perspektive für das Einkaufszentrum am Leopoldplatz in Wedding gerungen. Wirklich passiert ist jedoch nicht viel. Lediglich ein Lidl-Supermarkt hat großzügig im Erdgeschoss Platz gefunden. Doch da waren mal große Pläne der Eigentümer für das Haus.

Auch interessant

Und um diese Pläne soll es Donnerstagabend (27.8., 19 Uhr) am einstigen Karstadt gehen. Der Bezirk Mitte hat einen Infoabend angekündigt, bei dem erstmalig auch die Eigentümerin, die Versicherungskammer Bayern, Vertreter schicken wird, um zu berichten, was und wer denn nun in das leer stehende Gebäude einziehen wird.

Karstadt Wedding: Zukunftspläne setzen auf gemischte Nutzung

Auch die beauftragten Architekten werden vor Ort sein. Vor mehreren Jahren war ein Architekturwettbewerb gestartet worden. Doch nach der Pleite der Signa-Gruppe, deren Holding Anteile des Karstadt-Gebäudes besaß, war die Zukunft ungewiss. Die Versicherungskammer Bayern war nach der Signa-Insolvenz alleinige Eigentümerin geworden, äußerte sich aber nur spärlich und mit den immer gleichen Aussagen darüber, ob die bis dato kommunizierten Pläne weiterverfolgt werden. Viele offene Fragen könnten also am Donnerstag beantwortet werden.

Auch interessant

In der Ankündigung des Bezirks heißt es, die Projektentwicklerin plane „eine maximale Wiederverwendung der bestehenden Gebäudestruktur“. Ein großes Warenhaus, wie man es über Jahrzehnte kannte, wird es aber nicht mehr geben. Stattdessen sind „gemischte, gewerbliche Zwecke“ angekündigt worden. Zudem sollen Gewerbe- und Wohneinheiten auf dem Dach entstehen. Vom Bezirk Mitte gefordert war immer auch Platz für soziale Einrichtungen. Auch als Zwischennutzung und um Leerstand zu vermeiden, wollte das Bezirksamt Kultur und soziale Projekte in die weitläufigen Ebenen des Kaufhauses holen.

Karstadt am Leopoldplatz: Eigentümerin blockiert soziale Projekte

Doch darauf lässt sich die Eigentümerin offenbar nicht ein. Soziale Projekte werden, wie es in der Ankündigung des Bezirks heißt, in den Hof verbannt. Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) hatte sich schon einmal empört über diese Idee gezeigt. Nun könnte es tatsächlich so weit kommen. Die Idee von Anwohnern und Bezirksamt, eine Anlaufstelle für obdachlose und suchtkranke Menschen im Haus einzurichten, hatte die Versicherungskammer abgelehnt. Der Lidl im Erdgeschoss sollte nach letztem Stand nur eine Übergangslösung sein. Wie lange er Mieter bleibt, ist derzeit nicht bekannt. Im kommenden Jahr sollten eigentlich schon Umbauarbeiten beginnen. Doch damit ist inzwischen nicht mehr zu rechnen.

Auch interessant

Auch in der Nachbarschaft aus Wedding und Umgebung hat es in der Vergangenheit viel Engagement für das Gebäude gegeben. Das „Karstadt Netzwerk am Leo“ beispielsweise sieht darin viel mehr, als lediglich ein leeres Haus. Sie verstehen das alte Warenhaus als „zentralen, sinnstiftenden Ort“, wie es die Gruppe einst selbst formulierte. Sie haben in einem Positionspapier deutlich gemacht, dass sie Luxuswohnungen ablehnen. Stattdessen solle das Haus offen für alle sein. Etwa durch kulturelle und soziale Projekte.

Karstadt in Berlin: Von der Expansion bis zur Fusion mit Kaufhof

Die Geschichte Karstadts in Berlin beginnt in den 1920er‑Jahren. 1928 erwarb das Unternehmen zunächst Grundstücke am Alexanderplatz. Der Firmensitz wurde anschließend von Hamburg in die Hauptstadt verlagert. 1929 eröffnete dann das Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Neukölln. Es folgten Standorte am Tempelhofer Damm in Tempelhof, am Kurfürstendamm in Charlottenburg und ebenjenes an der Müllerstraße 25 in Wedding. Die beiden Letzteren sind inzwischen geschlossen.

Auch interessant

2018 wurde aus den über Jahrzehnte konkurrierenden Kaufhäusern Galeria Kaufhof und Karstadt ein Unternehmen – Galeria Karstadt Kaufhof. Im Jahr 2024 wurden Karstadt und Kaufhof schließlich aus dem Firmennamen gestrichen. Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2014, hatte der österreichische Unternehmer René Benko Karstadt erworben. Nach der Fusion ging die Mehrheit der Anteile an das neue Unternehmen, Benkos Signa Holding, 50,01 Prozent. Die anderen 49,99 Prozent gingen an HBC.

Doch bereits seit den 2000er-Jahren waren die Filialumsätze zurückgegangen. Eine Entwicklung, die zu mehreren Insolvenzen und Standortschließungen führen sollte. 2024 folgte die jüngste Insolvenzanmeldung, die vom Amtsgericht Essen im August wieder aufgehoben wird. Die Krise ist eng mit den schlechten Geschäften und der eigenen Insolvenz beim Mehrheitseigner Signa verknüpft. Derzeit kann das Unternehmen deutschlandweit dank Krediten zwar weitermachen. Ob das auf Dauer für ein Überleben reicht, ist jedoch ungewiss.