Am Sonnabend ist das Volksbad vor der Volksbühne seit 12 Uhr geöffnet und brechend voll. Während sich Badegäste im kühlen Nass erfrischen, gehen die Debatten auf den sozialen Medien zum geplatzten Badetag für schwarze Kinder und Jugendliche weiter. Der Verein Each One Teach One (EOTO) sollte das Pop-up-Becken vor der Volksbühne, das „Volksbad“, am Freitag von 12 bis 18 Uhr nutzen. Dafür bekam er angeblich rassistische Droh-Mails und Gewaltandrohungen. Am Ende sagte die Volksbühne ab.

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„Grund dafür sind Sicherheitsbedenken, nachdem das Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden ist“, so Intendant Matthias Lilienthal. Die CDU-Bezirksverordnete Aileen Weibeler aus Pankow filmte sich für Instagram und kritisierte, dass sie als Weiße nicht ins Becken darf, was bei ihr ein „diskriminierendes Gefühl“ auslöste. Das Video der Juristin erhielt bis jetzt über 9000 aufgebrachte Kommentare.

Volksbad ohne Banner
Die Volksbühne Berlin am Tag nach der Absage. Das „Fickt-euch“-Banner wurde entfernt. Der Badebetrieb geht am Sonnabend regulär weiter.© BM | Iris May

Die zuständige Ombudsstelle für das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) stellte klar, dass zeitlich begrenzte Schutzräume („Safer Spaces“) für strukturell benachteiligte Gruppen rechtlich zulässig sind und keine illegale Diskriminierung darstellen. Der umstrittene Politik-Influencer und Journalist Tarek Baé äußert sich besonders aufgebracht über die Absage der Aktion und die Reaktionen von AfD und dem Portal Nius auf Facebook.

Auch hier äußern sich mehr als 1000 Menschen mehr oder weniger emotional. So wie David Meiß: „By the way hat keiner um einen Badetag für rein Schwarze gebeten und jeden aus der Community, den ich kenne, und das sind mit Sicherheit mehr als du, fand die Idee von vornherein lächerlich. So etwas können sich nur Menschen mit White-Saviour-Komplex (dt. Weißer-Retter-Komplex) ausdenken.“

Solidarität mit schwarzen Menschen
„Solidarität mit schwarzen Menschen“ steht auf dem Kartonstück an der Volksbad-Abgrenzung. Darüber ein Softeis-Poster. Das „Fuck-you-Banner“ wurde entfernt. © BM | Iris May

Nur noch dezente Hinweise statt Banner

Statt des provokativen „Fickt-euch“-Banners sind am Volksbad am Sonnabend nur noch das offizielle Statement des Vereins EOTO und kleinere Botschaften zu lesen. Neben vielen kleineren „Fuck Putin“-Botschaften am Volksbad-Zaun ist ein Pappschild angebracht, auf dem zu lesen ist: „Solidarität mit schwarzen Menschen“. Die Botschaft von EOTO zur Absage des Freizeitangebots für schwarze Kinder, Jugendliche und Familien ist in den Worten des Grünen-Politikers Werner Graf zu lesen: 

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„Es ist ein Skandal, dass eine Veranstaltung für schwarze Kinder, Jugendliche und Familien aus Sicherheitsgründen abgesagt werden muss. Das ist für unsere gesamte Stadt beschämend und das Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit steht. Der Erfolg einer gezielten Kampagne von spalterischen Meinungsportalen und rechtskonservativen Medien gegen eine Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern ist für eine demokratische Stadtgesellschaft unerträglich.“