Kaum einer kennt das Kinderhaus Berlin-Mitte, das etwas versteckt unweit des Alexanderplatzes steht. Errichtet wurde es zu DDR-Zeiten. Als gemeinnütziger Verein und Träger für Erziehungshilfe unterstützt und fördert das Kinderhaus seit 1996 Kinder und Jugendliche, die in krisenhaften familiären Situationen Hilfe benötigen und ein neues Zuhause suchen. Gleichzeitig gehört auch die enge Zusammenarbeit mit den Familien zum
pädagogischen Alltag, um gemeinsam tragfähige Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen zu entwickeln.

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Heute leben hier 43 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 21 Jahren in kleinen familienähnlichen Wohngruppen. Seit 1996 ist das Gebäude ein sicherer Hafen für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen biografischen Belastungen und herausfordernden Lebenserfahrungen. „Viele der Kinder mussten in ihrem Leben bereits belastende Erfahrungen durchleben. Umso wichtiger sind positive Erlebnisse, verlässliche Beziehungen und neue Erfahrungen, die den Kindern und Jugendlichen wieder Leichtigkeit, schöne Erinnerungen und Vertrauen in die eigene Zukunft ermöglichen können“, fasst es die stellvertretende Einrichtungsleitung Marcus Nusse zusammen.

Wir treffen uns im Garten hinter dem Kinderhaus, die Vögel zwitschern. Nestschaukel, Klettergerüst und Volleyballfeld laden zum Spielen und Toben ein. Im Sommer ist der angrenzende, öffentliche Wasserspielplatz in der Singerstraße „ein echter Segen“, so der pädagogische Leiter Marcus Nusse. Doch die vordergründige Idylle trügt. Die Lebensgeschichten der Kinder und Jugendlichen sind sehr unterschiedlich und häufig von belastenden Erfahrungen geprägt.

Bei Sommerreisen Probleme vergessen
„Gerade unsere gemeinsamen Ausflüge und Reisen sind oft die Momente, an die sich unsere Kinder und Jugendlichen noch lange erinnern“, sagt Marcus Nusse. „Uns ist wichtig, dass unsere Kinder auch einfach schöne, unbeschwerte und stärkende Erfahrungen machen können. Dinge erleben, die Freude machen und positive Erinnerungen schaffen. Deshalb wollen wir in den Sommerferien mit unseren Kindern Ausflüge und kleine Reisen machen.“ Was ist geplant? „Wir wollen zum Beispiel nach Kappel bei Flensburg mit den Kindern reisen oder an die Müritz, einen See in der Mecklenburgischen Seenplatte. Im Herbst soll es in die Berge gehen.“ Solche Reisen schaffen gemeinsame Erinnerungen, fördern Gemeinschaft, Zuversicht und positive Emotionen und helfen dabei, Erlebtes besser zu verarbeiten, um wieder positiver in die Zukunft blicken zu können.

Weil sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, haben sich in Berlin eine Handvoll Sportfreunde zusammengetan, um Spenden für vernachlässigte Kinder zu sammeln. „Wir nennen uns ‚Serious Saturday‘ und treffen uns einmal pro Woche zum Trainieren im Noir Boutique Gym in Charlottenburg“, berichtet Start-up-Gründer Louis Lazar Timm. Der 26-Jährige lebt mit seiner Oma in einer WG, erreicht über 100.000 Follower und wurde kürzlich auf RBB portraitiert. Wie kam es jetzt zur Spendenaktion für die Kinder? Louis Lazar Timm: „Wir connecten uns über Instagram. „Wir sind Freunde seit mehreren Jahren, die alle gemeinsam auf die Idee gekommen sind das gesamte Projekt umzusetzen.“
„Windback und Späti Booth sind zwei verschiedene Betriebe, die beide Teil von ALL TOGETHER sind. Das Haupt-Spendenziel für die Reisen wurde deutlich schneller erreicht als anfangs gedacht, wofür alle Organisatoren enorm dankbar sind. Alle sind „davon überwältigt und zu tiefst dankbar, dass so viele verschiedene Menschen, welche wir gar nicht persönlich kennen so voller Überzeugung gespendet haben. Es geht uns jedoch um viel mehr als nur das. Wir wollen mit dem gespendeten Geld langfristig Erfolg vor Ort im Kinderhaus Berlin schaffen.“
Was war der Gedanke dahinter? „Na ja, wir wollten zeigen, dass man sein Leben auf die Reihe kriegen kann, regelmäßig seine Muskeln trainieren kann, und trotzdem etwas für die Gemeinschaft tun kann.“ Nach dem Motto: Make Charity cool again? „Genau. So in der Art.“
Spendenaktion „Sommerreise“ der Sportfreunde im Juni
Das Kinderhaus Berlin-Mitte wird maßgeblich durch die Leistungsentgelte der Jugendämter getragen. Darüber hinaus eröffnen zusätzliche Spenden die Möglichkeit, den Kindern noch mehr individuelle Förderung, Gemeinschaft und besondere Augenblicke schenken zu können. Am 6. Juni schloss das Kollektiv „Serious Saturday“ mit einem Event im Kühlhaus Berlin die Spendenaktion ab. Insgesamt kamen inklusive Bareinnahmen knapp 40.000 Euro an Spenden zusammen. Alle Einnahmen gehen zu 100 Prozent an das Kinderhaus.

Direkter Spenden-Link zur Go Fund Me-Kampagne
Trauma: So heilsam sind schöne Erlebnisse
In Berlin leben schätzungsweise zwischen 4400 und 8500 Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen, Wohngruppen und Kinderheimen. Die genaue Zahl variiert statistisch je nach Erfassungszeitraum und Einrichtungstyp. Bundesweit wuchsen zuletzt rund 134.000 junge Menschen in Heimen auf. Die Kinder, die häufig Missbrauchs-, Gewalterfahrungen und Trennungen erleben mussten, sind oft schwer traumatisiert. Sie besitzen zum Teil noch lebende Elternteile, die nicht in der Lage sind, liebevoll für sie zu sorgen. Studien zeigen, dass gezielte schöne Erlebnisse und positive Emotionen die Traumaheilung stark unterstützen. Sie helfen dem Gehirn, die Neuroplastizität zu fördern, neue neuronale Netzwerke aufzubauen und den Dauerstress zu regulieren. Schöne Erlebnisse können Traumata zwar nicht heilen, ergänzen aber die Therapie, indem sie das Nervensystem beruhigen.





