Dass man um sein Fahrrad Angst haben muss, ist ja in Berlin ein alter Hut. Es gibt dazu den schönen Satz: „Es ist keine Frage, ob ein Rad in Berlin geklaut wird, nur wann.“ Wie sich jetzt herausstellte, kann man aber auch auf einem Friedhof rein gar nichts mehr stehen lassen. Nicht einmal eine Kirchenglocke oder eine Bronzestatue sind sicher vor Diebstahl, auch nicht wenn so ein Teil bis zu 150 Kilo wiegt und fast 1,83 Meter groß ist. Christiane (63) und Reiner F. (68), zwei Rentner aus Reinickendorf, standen am Dienstag vor dem Strafgericht Moabit. Fünf Jahre lang sollen sie Bronzestatuen von Friedhöfen und aus Parks geklaut haben, ja sogar historische Zäune und eine Kirchenglocke ließen sie nachts heimlich mitgehen.

Das diebische Seniorenpaar hat die Kunstgegenstände an einen oder mehrere Hehler gewinnbringend weiterverkauft. Viele der kunstvollen Engels- und Jesusfiguren werden einfach eingeschmolzen und verschwinden im Metallhandel. Buntmetalldiebstahl auf Friedhöfen ist ein wachsendes Problem, bei dem Grabschmuck wie Bronzevasen, Figuren, Laternen, Kupferplatten oder Grabschalen gestohlen wird. Diebe nutzen oft grobes Werkzeug, um befestigte Gegenstände von den Grabsteinen zu hebeln. Muss man jetzt also nicht nur den Görli gegen den Widerstand der Bevölkerung umzäunen und nachts zuschließen, sondern jede Grünfläche und jeden Friedhof in ganz Berlin beschützen?

Der Sachschaden durch die pietätlosen Diebstähle ist erheblich. Noch schlimmer ist aber der Schock und der Schmerz der Geschädigten: Oft verbinden Trauernde mit dem Grabschmuck emotionale Erinnerungen. In Zeiten wie diesen, wo Reiche immer reicher werden und der Rest immer ärmer, ist Dieben einfach nichts mehr heilig.



