Das idyllische Schloss Bellevue steht noch unverändert da im April 2026: perfekt gepflegter, englischer Rasen, kegelförmige Buchsbäume und ein paar Bundespolizei-Beamte, die die Eingänge bewachen. Doch hinter den Kulissen herrscht geschäftiges Treiben. Denn das Bundespräsidialamt bereitet seinen Umzug im Sommer 2026 vor. Eigentlich hätte dieser schon im März 2026 stattfinden sollen.

Aber das Ausweichgebäude ist noch nicht fertig. Und es gibt viel zu tun. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ranghöchster Staatsmann in Deutschland, umzieht, ist es nicht damit getan, dass die Bundesstandarte, persönliches Hoheitszeichen des deutschen Staatsoberhauptes, woanders gehisst wird und er seine Aktentasche woanders hinstellt. Denn zu Steinmeier gehören nicht nur 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch an die Tiere im Schlosspark muss gedacht werden, wie jetzt bekannt wurde.
Bellevue: Was genau saniert werden muss
Die Kosten für die Sanierung und Modernisierung des Schlosses Bellevue werden auf mindestens 601 Millionen Euro geschätzt. Davon entfallen allein 146 Millionen Euro auf die Sanierung des Schlosses selbst und 120 Millionen Euro auf das angrenzende Verwaltungsgebäude. Weil es erfahrungsgemäß meist teurer wird, beträgt die Risiko-Reserve beträgt laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) noch einmal fast 200 Millionen Euro.
Wie lange es dauert? Vorsichtig geschätzt acht Jahre, heißt es. Aber man weiß ja, was so ein Zeitrahmen bei Großprojekten wie dem Flughafen BER oder der Generalsanierung der Deutschen Bahn bedeutet. Da vergehen schnell mal weitere vier bis acht Jahre, bis alles fertig ist.
Was soll also konkret gemacht werden? Die Frischekur für Bellevue umfasst nicht nur die Sanierung der 1300 Meter langen Schloss-Umfassung, sondern auch die Außenanlagen und Infrastruktur. Geheizt werden soll in Zukunft mit Erdwärme. Das undichte Dach muss dringend erneuert werden.

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Die Bundespolizei, die noch immer mit analogen Kameras arbeitet, bekommt ein neues, zeitgemäßes Wach- und Kontrollgebäude. Denn für den Bundespräsidenten gilt permanent die höchste Gefahrenstufe (Sicherheitsstufe 1). Nur Staatsgäste, die in einen Krieg verwickelt sind, wie Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj besitzen noch eine höhere Gefährdungsstufe 0, wegen möglichen Attentatsversuchen. Hinzu kommt nun auch noch das „Biotop- und Naturschutzmanagement“ für Frösche und Kröten, wie das Magazin „Spiegel“ aktuell berichtet.

Wegen der Geothermie und anderer Baustellenplanungen muss im idyllischen Park von Bellevue der Boden aufgerissen werden. Für Amphibien wird es dabei ungemütlich. Frösche und Kröten sollen in einem anderen Teich laichen. Nach Angaben des „Spiegels“ mussten Biologen ein „16-seitiges Umsetzungskonzept“ für sie erstellen, und haben „um den Teich eine Barriere errichtet und beiderseits des Walls 24 Eimer vergraben, in die die wandernden Frösche fallen“.
Umzug ist nun jeden Werktag ab 7 Uhr früh, dann leeren sie die Eimer, notieren die Wetterdaten und tragen die Frösche und Molche in den Teich nebenan. Bislang sollen auf diese Weise 118 Molche und 39 Frösche gefangen worden sein.
Präsidenten-Garten: Biotop mit vielen Nischen
Auch wenn die Amphibien möglicherweise gestresst sind, erhalten sie quasi eine größere Wohnung: Der alte Teich neben dem Präsidialamt misst 350 Quadratmeter, der neue hinter dem Schloss 850. Damit die Molche sich wohlfühlen, will Landschaftsplanerin Elke Kramer-Kindermann sogar eine Unterwasservegetation anlegen, an der sie ihren Laich ablegen können.

Das Museum für Naturkunde Berlin hat die Biodiversität im zehn Hektar großen Park von Schloss Bellevue vor über zehn Jahren untersucht: Der englische Rasen vor dem Haus beherbergt zwar keine große Artenvielfalt. Doch hinter dem Schloss registrierten die Forscher immerhin zwei Fledermausarten, 63 Käferarten und 61 Schmetterlingsarten. Außerdem fanden sie eine Wanze, die noch nie zuvor in Berlin oder Brandenburg gesehen worden war: den „Gefleckten Dickbauch“ (Loricula bipunctata). Das Tier ist nur 2,5 Millimeter groß und gehört zu einer von 27 Wanzenarten im Präsidenten-Garten.
Steinmeier über Amtssitz am Spreebogen: „Das Bunte gefällt nicht allen“
Der neue, vorübergehende Amtssitz des Bundespräsidenten befindet sich mitten in Berlin, direkt an der Spree, in der Elisabeth-Abegg-Straße in Berlin-Moabit. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) lässt den Büroneubau für rund 205 Millionen Euro auf einem bundeseigenen Grundstück seit 2023 errichten.

Das Bunte gefalle nicht allen, sagte Frank-Walter Steinmeier dem „Spiegel“. Man könne in einem Neubau nicht die Atmosphäre eines Schlosses reproduzieren. Der moderne Ausweichbau für den Bundespräsidenten und seine 220 Mitarbeiter hätte eigentlich bereits Ende vergangenen Jahres übergeben werden sollen. Doch wegen des strengen Winters war der Neubau auch im März noch nicht fertig geworden.





