„Ich gehe hier nicht mehr lang. Das ist widerlich!“, klagt eine Passantin. Sie ist kurz stehen geblieben, um mit dem Leiter des Gesundheitsamts im Bezirk Mitte zu sprechen. Der steht am frühen Donnerstagnachmittag vor dem Herzzentrum der Charité in Berlin-Wedding. Hierhin hat das Gesundheitsamt und Mittes Bezirksstadtrat für Gesundheit, Christoph Keller (Linke), geladen. Der Stadtrat war dann allerdings krank und nicht vor Ort.

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Im Vorfeld hieß es, man wolle den Tag des Gesundheitsamts nutzen, um Informationsmaterialien und Beratungsangebote rund um das Thema Rattenbekämpfung zu verteilen. Dem Ruf des Stadtrats und des Amts folgten rund zwei Dutzend Menschen, die meisten allerdings selbst Mitarbeiter des Amts. Bürgerinnen und Bürger mit Informationsbedarf musste man etwas suchen.
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Ratten in Berlin: Müll auf der Torstraße zieht Nager an
Zwei, die den Weg in den Wedding auf sich nahmen, waren Maren Mühleck und Eckhard Hasler von der Initiative Lebendige Torstraße. Ein Verbund von Anwohnern, der sich im Zuge der geplanten Umgestaltung der Torstraße zusammengefunden hat. Die beiden treibt das Thema Rattenbefall um. Im Zuge ihres Engagements sei aufgefallen, wie befallen das Viertel rund um die Torstraße sei.
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In einer mehrere Hundert Meter langen Hecke zwischen Tucholskystraße und Metropolitan School haben die Anwohnerinnen und Anwohner der Torstraße etliche Rattenlöcher entdeckt. „Die Hecke ist eigentlich ein wertvolles Biotop“, sagt Hasler. Sie biete mehreren Vogelarten ein Zuhause. Allerdings sei sie komplett vermüllt. „Die Ratten finden dort super Nahrung.“ Laut Mühleck und Hasler versagen die Behörden bislang bei der Bekämpfung der Tiere. Die Hecke haben die Anwohner schließlich selbst vom Müll befreit.

Gift hilft kaum gegen den Rattenbefall.
Eckhard Hasler, Initiative Lebendinge Torstraße
„Die übliche Vorgehensweise der Behörden ist, Gift auszulegen. Das gefährdet aber die Vögel und hilft kaum gegen den Rattenbefall“, sagt Hasler. Das habe man an der Torstraße lang genug beobachten können. Die beiden wünschen sich eine bessere Strategie und wirksamere Maßnahmen. „Der Umbau der Torstraße ist auch eine Chance, baulich etwas gegen das Rattenproblem zu tun“, sagt Mühleck. So könne man etwa die Wege, die die Tiere gehen, nachverfolgen und Rattenlöcher verschließen. „Einfach zu sagen, werft weniger Müll weg, das reicht nicht.“
Gesundheitsamt: Strategie zur Rattenbekämpfung fehlt
Konfrontiert man den Leiter des Gesundheitsamts, Lukas Murajda, mit den Sorgen der Bürger, trifft man nur teilweise auf Verständnis. Das Gift werde schließlich in geringen Mengen ausgebracht. Er zeigt auf eine kleine Metallbox neben einem Baum. „Ein Vogel kommt da nicht ran“, sagt er. Murajada sieht den größten Hebel woanders. So müsse man etwa stärker gegen die Vermüllung vorgehen. An den Hotspots sollte außerdem auf Mülleimer gesetzt werden, an die die Ratten nicht herankommen. Da sei die BSR gefragt. „Wir können die Ratten nicht selbst bekämpfen.“ Zuständig seien Grundstückseigentümer oder bei öffentlichen Plätzen etwa das Straßen- und Grünflächenamt.
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Und noch jemanden sieht er in der Verantwortung: Menschen, die Tauben füttern. Künftig wolle man auch mit Vereinen und Aktivisten in Kontakt kommen, um falsche Taubenfütterung zu stoppen. Das Ziel: Die Rattenpopulation im Bezirk Mitte in zwei Jahren um mindestens ein Drittel reduzieren. Nach einer echten Strategie, wie sich das etwa die Anwohner der Torstraße wünschen, klingt das bisher nicht.







