Ein Gastbeitrag
Der Berliner Raumplaner und Verkehrswende-Aktivist Dr.-Ing. Stefan Lehmkühler ist tot. Er starb nach langer Krankheit im Alter von 61 Jahren. Viele kannten ihn als unermüdlichen Ideengeber für eine menschenfreundlichere Stadt – andere nannten ihn schlicht „Mr. Friedrichstraße“.

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Lehmkühler gehörte zu den prägenden Köpfen der Berliner Verkehrswende-Initiativen der vergangenen Jahre. Bekannt wurde er vor allem durch sein Engagement für eine autofreie Friedrichstraße – eine Idee, die lange als utopisch galt, bis sie im Sommer 2020 Realität wurde. „Wir feiern jeden Meter“, so dachten viele über die ersten Meter der Flaniermeile. Ein großer Teil dieser Veränderung ging auf ihn zurück.
Während seine Vision zur Flaniermeile nun in den Plänen des Regierenden Bürgermeisters zur Friedrichstraße wieder Gestalt annimmt, haben andere Früchte seiner Arbeit dauerhaft Bestand. Denn Lehmkühler war ein Menschenfreund und brachte immer wieder unterschiedlichste Positionen im Bezirk Mitte an einen Tisch zusammen. Die Mühlendammbrücke hätte heute andere Dimensionen ohne sein beharrliches Vermitteln.
Der studierte Ingenieur verband Aktivismus mit technischem Sachverstand. Als Ingenieur unterlegte er seine Visionen mit Berechnungen, Skizzen und konkreten Entwürfen. Für die Leipziger Straße entwickelte er ein brauchbares Konzept mit breiten Gehwegen, Begrünung sowie genügend Platz für geschützte Radwege, Kfz und Straßenbahn. Typisch für ihn war, politische Debatten mit Zahlen, Plänen und Fakten zu versachlichen. Auch wenn einige dieser Ideen politisch noch nicht umgesetzt wurden, prägten sie weiter die Debatten über die Zukunft der Berliner Straßen.
Lehmkühler engagierte sich seit dem Volksentscheid Fahrrad in zahlreichen Berliner Initiativen. Bei Changing Cities setzte er sich besonders für eine menschenfreundlichere Gestaltung des öffentlichen Raums in Berlin-Mitte ein. Darüber hinaus war er Mitstreiter im Netzwerk Pro Straßenbahn, entwickelte Werkzeuge für zuverlässige, selbstorganisierte Verkehrszählungen und brachte sich politisch bei den Grünen ein.
Sein Engagement reichte jedoch über Verkehrs- und Stadtplanung hinaus. Im Historischen Hafen Berlin arbeitete Lehmkühler als Vorsitzender der Berlin-Brandenburgischen Schifffahrtsgesellschaft an Projekten zur Elektrifizierung der Hafeninfrastruktur und perspektivisch der Berliner Schifffahrt. Die Mannschaft erinnert sich an ihn im Blaumann auf den alten Schiffen genauso wie am Schreibtisch über Bauplänen.
Weggefährten beschreiben ihn als pragmatischen Optimisten: „Schnell im Denken, schnell im Reden, zügig im Überzeugen.“ Lehmkühler suchte das Gespräch über Parteigrenzen hinweg und versuchte, aus unterschiedlichen Positionen konkrete Lösungen zu entwickeln. „Ruhe bewahren – Denken hilft, meistens!“, lautete einer seiner Sätze, wenn Diskussionen festzufahren drohten.
Spuren hinterließ er nicht nur im Verkehr. In Sachen Bäume, Stadtnatur und Klimaanpassung half er beim BaumEntscheid etwa bei der Entwicklung datenbasierter Analysen zu Hitzevierteln und fehlenden Straßenbäumen in Berlin – ein Thema, das angesichts steigender Sommertemperaturen zunehmend Bedeutung gewinnt.
Für viele Weggefährten bleibt Lehmkühler vor allem als Mensch in Erinnerung: als jemand, der schnell sprach, viel lachte und unbeirrbar an eine bessere Stadt glaubte.
Berlin verliert mit Stefan Lehmkühler einen engagierten Stadtgestalter – und einen, der nie aufhörte, früher an später zu denken, damit unsere Stadt auch in Zukunft lebenswert bleibt..
Vorstand Changing Cities e.V.
Vorstand BaumEntscheid e.V.
Vorstand Interessengemeinschaft Leipziger Straße e.V.
Vorstand Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e.V. / Historischer Hafen Berlin
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Berlin-Mitte




