Es gibt Musiker, von denen man den Blick einfach nicht abwenden kann, entweder weil sie mit ihren Outfits bewusst Grenzen sprengen oder weil sie die Fantasie triggern. Die umjubelte Deutschrapperin Ikkimel legte beim Deutschen Musikautorinnenpreis 2026 (DMAP) am Donnerstag im Hotel Ritz Carlton so einen Auftritt hin. Sie kam als Laudatorin zum Award, der 2009 von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) für Komponistinnen und Textdichterinnen ins Leben gerufen worden ist.

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Im transparenten, von schwarzen Strass-Steinen übersäten Corsagen-Kleid von Ritual Unions, das den Blick auf ihre ungewöhnlichen Tattoos freigab, betrat sie den roten Teppich und bezauberte dann mit ihrer Natürlichkeit. Wann ihr nächster Song herauskommt? „In zwei Wochen! Und er wird kinky!“, sagte die 28-Jährige. Angesprochen auf ihren Madonna 2.0-Vibe sagte sie: „Oh, danke!“ und strahlte.
Udo Lindenberg will 80. Geburtstag in der Südsee feiern
Udo Lindenberg, der im Mai 80 Jahre alt wird, kuschelte auf dem roten Teppich mit Rolf Zuckowski und The Boss Hoss. Letztere coverten bereits vor 10 Jahren Lindenbergs Song „Der Boss von der Gang“. Mit Zuckowski, ebenfalls ein Urgestein der deutschen Musikszene aus Hamburg, arbeitete Lindenberg in den 1980ern zusammen, zum Beispiel beim Song „Grüne Mauer“.

Der RTL-Redakteur Ben hatte sein Freunde-Buch mitgebracht und fragte sowohl Ikkimel, als auch Udo, ob sie hineinschreiben wollen. Beide ließen sich trotz des knappen Zeitplans nicht lumpen. Udo zeichnete sogar eine kleine Karikatur von sich ins Buch und verriet, dass er seinen 80. Geburtstag in der Südsee feiern will. Anlässlich dieses Jubiläums erscheinen ein von Fans mitbestimmtes Best-of-Album, sowie ein Tribute-Album mit dem Titel „We love Udo“, an dem 24 Künstler, darunter Peter Maffay, beteiligt sind. Ursprünglich sollte Céline die Neuinterpretation von „Plan B“ von Udos neuem Album singen, das am Freitag erscheinen wird. Doch sie hatte sich erkältet. Spontan sprang „Berliner Luft“-Sängerin Lara Hulo für sie ein und sang Udos Song „Was hat die Zeit mit uns gemacht“. Sie sagte: „Udo Lindenberg ist für mich die krasseste Inspiration.“

Udo Lindenberg nahm den Sonderpreis für Inspiration von Laudator Joachim Krol entgegen. „Ich hab bald Konzerttickets für das Jahr 2046,“ sagte Udo Lindenberg bei der Preisverleihung. „Ich hab das Zeit-Los gezogen, haha“. Ralf Weigand, Vorsitzender des GEMA Aufsichtsrats, hatte die Jury-Entscheidung für den fast 80-Jährigen so begründet: „Udo Lindenberg gab seiner Muttersprache den Witz, die Coolness und die Poesie der Straße zurück – und wurde damit zum Erfinder des Deutschrock.“
Ikkimel überreichte Preis an Indiepop-Trio Blond
In der Kategorie Chanson/Kabarett gewann Anna Mateur (Anna Maria Vogt) aus Dresden, die auch schon mehrfach in der Bar jeder Vernunft aufgetreten ist. Die in Berlin lebende deutsch-bulgarische Pianistin, Sängerin und Komponistin Lisa Morgenstern erhielt den Preis in der Kategorie Neoklassik Crossover.

Ikkimel sagte bei ihrer Laudatio, dass sie bei Musik sehr auf Texte achte. Sie überreichte den Preis in der Kategorie „Singer/Songwriter“ an die Indiepop-Band Blond aus Chemnitz. Die Band besteht aus den Schwestern Nina und Lotta Kummer sowie dem blinden Multiinstrumentalisten Johann Bonitz. „Ihr überdenkt eure Texte. Ich mag eure Live-Show und ich mag, dass ihr eure Werte auf euer Kreatives Schaffen übertragt.“
Erfolgreichster Song kam 2025 von Zartmann
Beim DMAP gibt es zehn Kategorien, nur der Nachwuchspreis ist mit einem Preisgeld dotiert. Er ging dieses Jahr an Dominik Hartz (Unterhaltungsmusik) und Laureen Siess (Ernste Musik), die jeweils 10.000 Euro erhielten. GEMA-Mitglieder und Berufsverbände dürfen Vorschläge einreichen, aus denen dann eine Fach-Jury die Nominierten auswählt. Mit einer Ausnahme: Der Preis für das erfolgreichste Werk basiert auf Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und ging dieses Jahr an „Tau mich auf“ des Berliner Singer-Songwriters Zartmann, der im vergangenen Jahr die Charts stürmte und zum „Erfolgreichsten Werk 2025“ avancierte.

Das Stück erreichte Platz 1 und rangierte 36 Wochen lang in den Top 10 der Offiziellen Deutschen Charts, so lange wie kein anderer deutscher Song. Die fünf Autoren des Hits werden am 26. Februar 2026 in Berlin mit dem Deutschen Musikautorinnenpreis ausgezeichnet. Zartmann wurde aus Nürnberg zugeschaltet.
Der Deutsche Musikautorinnenpreis der GEMA in der Kategorie „Lebenswerk“ ging in diesem Jahr an den Kölner Komponisten York Höller. Mit der Oper „Der Meister und Margarita“ begeisterte der 82-jährige Komponist, der mittlerweile erblindet ist, Opernfreunde. Als Grenzgänger versöhne er die Neue-Musik-Szene und den „konventionellen“ Musikbetrieb, so die Jury.





