Ludwig Eben hat Angst vor seinem zukünftigen Nachbarn. Denn der könnte das Aus für seinen geliebten Humboldthain Club bedeuten, fürchtet er. Deshalb hat Eben eine Petition gestartet: Rund 4000 Menschen haben dort bis Mittwochabend gegen einen geplanten Neubau in der Hochstraße 46, direkt neben dem Club, unterschrieben. „Der Humboldthain Club ist erneut akut bedroht“, ist auf der Webseite des Clubs in Berlin-Mitte zu lesen. Ein Mitarbeiter Ebens hat Flyer gestaltet, die vor dem Neubau warnen. Zeitweise hatte Eben auch einen Anwalt eingeschaltet, um an Informationen zu dem Bauvorhaben zu kommen. Kurz: Der Clubbetreiber ist in Alarmbereitschaft.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ausgelöst hat diese Reaktion die Ankündigung des Unternehmens „Periskop Development“. Das will unmittelbar neben dem Club in einem Gewerbegebiet auf einer Bruttogeschossfläche von rund 4950 Quadratmetern etwa 120 Mikroapartments errichten. Der ursprüngliche Plan, dort ein Bürogebäude zu bauen, sei verworfen worden, verkündete das Unternehmen bereits im Januar 2025.
Auch interessant
Unternehmen will 120 Mikroapartments bauen
Für Eben heißt das: „Wo Menschen wohnen und schlafen, entstehen zwangsläufig Lärmschutzansprüche – unabhängig von der Bezeichnung.“ Durch den Bau werde ein „Nutzungskonflikt mit Ansage geschaffen“. Am Ende, so fürchtet der Clubbetreiber, stehe die Schließung des Humboldthain Clubs und das Aus für die rund 50 Menschen, die dort meist in Teilzeit arbeiten, sagt Eben der Berliner Morgenpost.
Wie konkret sind die Pläne des Bau-Investors? Das Bezirksamt bestätigt auf Anfrage, dass Ende Dezember „ein Antrag auf Bauvorbescheid für den ‚Neubau eines Gebäudes mit Beherbergungsnutzung ab dem 1. OG und gewerblicher Nutzung im EG‘ gestellt“ wurde. Der Antrag sei bislang allerdings unvollständig und deshalb noch nicht bearbeitet. Der Antragsteller habe in seiner Bauvoranfrage eine „Beherbergungsnutzung“ vorgesehen.

Das Amt weist darauf hin, dass offen sei, ob das Vorhaben eine Baugenehmigung erhält und unter welchen Bedingungen. Auf der Webseite des Unternehmens klingt das optimistischer. Dort heißt es: „Gespräche mit dem Bezirk Mitte bestätigten bereits die Möglichkeit, ein Aparthotel oder Boarding House statt eines wie zuvor vorgesehenen Bürogebäudes an dem Standort zu realisieren.“ Ob es mündliche Zusagen seitens des Bezirks für einen solchen Bau gegeben hat, lässt das Bezirksamt unbeantwortet.
Bezirk Mitte beschwichtigt: Noch keine Genehmigung
Periskop hingegen lässt auf Anfrage wissen: „Für das Grundstück in der Hochstraße 46 in Berlin‑Wedding wird aktuell – in enger Abstimmung mit dem Bezirksamt Mitte – ein Beherbergungsbetrieb nach §34 BauGB geplant, der rund 120 Zimmer vorsieht.“ Der Entwurf werde derzeit gemeinsam mit den zuständigen Bezirksbehörden und potenziellen künftigen Nutzern konkretisiert. Man wolle einen positiven Beitrag für das Viertel leisten.
Auch interessant
Die Mikroapartments sollen laut Periskop außerdem „zur Entlastung des angespannten Berliner Wohnungsmarkts beitragen“. Der Berliner Mieterverein ist da eher skeptisch: „Mikroapartments werden meist vollmöbliert auf Kurzzeit vermietet. Damit ist vermeintlich die Mietpreisbremse nicht anwendbar, so dass in der Regel extrem hohe Mieten gefordert werden“, teilt Geschäftsführerin Wibke Werner auf Anfrage mit. Zwar sei Neubau als Teil der Lösung für die Entspannung des Wohnungsmarkts erforderlich, aber dafür müsse sich der Neubau am Bedarf der Berliner Bevölkerung orientieren. Die Mehrzahl der Menschen dürfte auf der Suche nach einer unbefristeten und bezahlbaren Wohnung sein, was diese Mikroapartments in der Regel nicht erfüllen.
Ein Clubbetrieb neben 120 solchen Wohneinheiten ist nicht möglich.
Ludwig Eben, Betreiber des Humboldthain Club
Mikroapartments neben Club: „Humbi“ bald umzingelt?
Für Eben und seinen Humboldthain Club ist damit schon jetzt ein Existenzkampf ausgebrochen. „Ein Clubbetrieb mit Musik, Veranstaltungen und Nachtbetrieb ist neben 120 solchen Wohneinheiten faktisch nicht möglich“, schreibt der Betreiber. Man habe bereits mit einem Nachbarn auf der gegenüberliegenden Seite der Hochstraße zu kämpfen. Von dort habe es Beschwerden gegeben, insbesondere über laute Besucher. „Ich habe da jetzt schon eine ganze Crew vor dem Club, die die Leute bittet, draußen leise zu sein“, sagt Eben. Die Anlage im Außenbereich des Clubs sei bereits gedrosselt, um das Wohngebiet nicht zu sehr zu belasten.
Auch interessant
Sollten die Mikroapartments gebaut werden, wären diese dem Club von der anderen Seite aus zugewandt. Dann wäre man umzingelt, befürchtet Eben. Dabei betont der Clubbetreiber, dass er selbst gar nichts gegen einen Neubau von Büros oder Werkstätten habe. Die bräuchte man durchaus im Viertel.







