Die Dichte an Influencerinnen und Influencern ist in Berlin-Mitte höher als die Dichte von Döner Kebabs auf der Sonnenallee oder die von Schwaben in Prenzlauer Berg noch vor zehn Jahren. Menschen wie Lea Naumann alias Lele Berlin (27), verdienen heute so gut wie früher ein Werbe-Star im TV und bevölkern Film-Premieren, Book-Launches und Produktvorstellungen. Sie wohnen in den besten Wohnlagen und haben Spaß im Job. Schöne Menschen zeigen gut gelauntes Product-Placement im durchgestylten Umfeld.

Krankenpflegerin wird zu Influencerin

Lele Berlin
Influencerin „Lele Berlin“ weiß sich in Szene zu setzen. Die 27-jährige heißt eigentlich Lea Naumann und lebt in Mitte. © BM | Iris May

Lea Naumann alias Lele Berlin hat vor fünf Jahren ihren Job als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin an den Nagel gehängt. Als Influencerin mit 249.000 Followern verdient die 27-Jährige seitdem ihr Geld, hat ihr eigenes Büro in Berlin-Mitte und hat Spaß, wie sie sagt. Sie promotet effektvoll Prada-Schuhe, Burberry-Parfums und eben Mobilfunk-Handys. Statt Bettpfannen trägt sie jetzt Designertaschen.

Gia Coppola in Berlin

Gia Coppola Launch
Produkt-Launch für eine junge, hippe Zielgruppe in Berlin-Mitte.© BM | Iris May

Am Mittwochabend war sie wie Hunderte andere handverlesene Influencer zum Produktlaunch eines Tech-Konzerns eingeladen. Der offizielle Star des Abends: Gia Coppola. Die Enkelin des legendären Filmemachers Francis Ford Coppola wurde für einen Tag nach Berlin eingeflogen. Die 38-Jährige hat gerade eben Ex-„Baywatch“-Star Pamela Anderson in „The Last Showgirl“ ein spektakuläres Comeback verpasst.

Gia Coppola hat einen Kurzfilm mit einem Smartphone gedreht, das ihr vermutlich nebst einer stattlichen Summe vom Hersteller geschenkt wurde. Wer sie denn am meisten inspiriert hat? „Meine Großmutter“, sagt sie. „Sie hat mir beigebracht, dass Kunst nicht im Museum stattfinden muss. Sie ist überall um uns herum.“ Das habe sie auch zu ihrem Kurzfilm „Edie“ inspiriert, einer Charakterstudie, bei der der Walk of Fame eine große Rolle spielt, in dessen Nähe sie aufgewachsen ist.

Es ist das erste Mal, dass Gia Coppola in Berlin ist. Was sie von der Stadt gesehen hat? „Ich bin ein bisschen am Fluss spazieren gegangen“, sagt sie, „Und habe mir von einem Guide den Checkpoint Charlie zeigen lassen.“ Sie wirkt unprätentiös, sympathisch und bescheiden.

Iced Drinks, Djane und viele Selfies

Influencer
Influencer bei der Arbeit in Berlin-Mitte. Spiegel-Selfies und „Duckfaces“- mit Produkten gehören zum Alltag.© BM | Iris May

Die Party zum Produkt-Launch des neuen Mobilfunkgerätes ist wirklich gelungen. Die Blumen-Gestecke sind bezaubernd. Eine DJane legt mehrheitsfähige Musik auf, während geeiste Cocktails mit und ohne Alkohol serviert werden. Und auch das Mobilfunkgerät ist überzeugend. Nur irgendwie wünsche ich mir manchmal die guten, alte Zeiten zurück. Als eine Party einfach nur eine Party und Werbung klar abzugrenzen war.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zeiten, in denen Kinder als Traumberufe noch Krankenschwester oder Feuerwehrmann sagten und nicht Influencer. Zeiten, in denen man mit solchen reellen Berufen noch eine bezahlbare Wohnung in Berlin finden konnte. Aber wahrscheinlich bin ich einfach nur altmodisch.