Lucie Winzek

Noch sind die Türen des Drogeriemarkts in der Müllerstraße 30 A offen und auch das Publikum geht noch ein und aus. Jegliches Anzeichen dafür, dass der Drogeriemarkt bald diesen Standort in Wedding in wenigen Monaten verlässt, fehlt.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Doch Tatjana Meier, Leitung der Unternehmenskommunikation, bestätigte jetzt, dass „der Handelskonzern Müller die Schließung des Standorts zum Januar 2026 beschlossen hat“. Bald verlässt also ein weiteres Geschäft den ehemalig genannten „Kudamm des Nordens“. Neben dem Karstadt, der seit Anfang 2024 größtenteils leer steht, ist auch hier unklar, wie die Immobile künftig genutzt werden soll. Sie befindet sich im Besitz der Müller Holding GmbH, soll nun aber verkauft werden. Laut Meier liegt perspektivisch bereits ein Konzept für eine gewerbliche Nachnutzung vor, das zur Belebung des Quartiers beitragen soll. Wie das Konzept aussieht, soll aber erst nach Vertragsunterzeichnung mitgeteilt werden.

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, erklärt Meier. „Sie beruht auf einer sorgfältigen betriebswirtschaftlichen Bewertung, bei der insbesondere die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die veränderten Rahmenbedingungen im lokalen Einzelhandel eine Rolle gespielt haben.“

Müller-Aus an der Müllerstraße in Wedding: „Schade… Ich komme sehr oft hier hin“

Müller Leopoldplatz
Nach Karstadt weicht Müller: Wedding verliert den nächsten Handelsriesen.© Lucie Winzek | Lucie Winzek

Kurz gesagt: Der Standort lohnt sich für die Müller GmbH nicht mehr. Und das, obwohl Müller in den vergangenen Jahren in Deutschland immer weiter expandiert ist und ein Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2023/24 auf 5 Milliarden Euro (+8,3 %) verzeichnet hat. Ist die Kaufkraft in der Müllerstraße also zu gering? Besucht man nachmittags den Drogeriemarkt an der gleichnamigen Straße, scheint es nicht so, als würde es an Kunden fehlen. Die automatische Eingangstür öffnet sich immer wieder und ebnet den Kunden den Weg zu ihrem nächsten Einkauf.

Der Gesichtsausdruck der Kunden ist überrascht, berichtet man von dem baldigen Aus. Während eine junge Frau mit den Schultern zuckt und sagt: „Es gibt ja genug andere Drogeriemärkte in der Nähe“, zeigt eine andere Kundin deutlich Bedauern: „Schade… Ich komme sehr oft hier hin. Ich kaufe hier Kosmetik, Spülsachen und auch Spielzeug für meine Enkel.“ Eine weitere Besucherin berichtet sogar, dass sie nur für den Müller hierherkomme, da es hier einen speziellen Spülschwamm gebe. Auf die Frage hin, was sich die Kunden für die Nachnutzung wünschen würden, antwortet die nächste Kundin mit Nachdruck: „Na einen Müller natürlich! Und auch einen neuen Karstadt! Essen gibt es hier ja genug.“

Geschäftsstraße in Berlin-Wedding: Was sich Passanten an der Müllerstraße wünschen

Tatsächlich gibt es im Umkreis eine Palette verschiedener Lebensmittelgeschäfte. Neben dem neuen Lidl im Erdgeschoss des alten Karstadts, findet man einen Penny, Rewe, Denns, Biocompany, sowie viele Obst- und Gemüsemärkte. Der Bedarf liegt augenscheinlich bei einem Laden wie Müller, der neben Drogerieartikeln auch Spielwaren, Schreibwaren und Haushaltsprodukte anbietet. Und auch Spielwarengeschäfte und ein Buchläden würden Flaneuren gefallen. Und besonders hohen Bedarf sieht man bei sozialem Wohnraum.

Mehr Nachrichten aus Berlin-Mitte und Wedding

Wenn man mit Kunden und Passanten spricht, liegt nahe: Büroraum wäre nicht unbedingt das, was sich die Menschen auf der Müllerstraße wünschen. Aber vor allem Leerstand würde dem Ort in der Nähe des Leopoldplatzes, der trotz Berlins ältestem Ökomarkt auch immer wieder als „Berlins schlimmste Crack-Hölle“ bezeichnet wird, sicherlich nicht guttun.