Was tun, wenn Minka statt ins Katzenklo ständig in die Wohnzimmerecke pinkelt oder Findus sich stundenlang unterm Bett versteckt, wenn Besuch ins Haus kommt? Viele Katzenbesitzer fühlen sich in solchen Situationen überfordert. Sie geben ihre Lieblinge ins Tierheim oder arrangieren sich mit ihren „Problemtieren“. Dabei gibt es in vielen Fällen eine einfache Lösung: Katzentraining. Eine neue Generation von Katzenexperten und Katzenhaltern behandeln ihre Schützlinge einfach wie Hunde.

Mehr zu Tieren in Berlin:

Der kleine, fein begrünte Hinterhof in Berlin-Tiergarten ist ein Traum für jeden Katzenbesitzer. Eine hohe Mauer schützt selbst waghalsige Miezen vorm Spazierengehen im Straßenverkehr. Dichte Büsche bieten wunderbare Versteckmöglichkeiten zum Auflauern auf Fliegen und Insekten aller Art. Wolverine, ein zweijähriger Straßenkater aus dem Tierschutz, hat hier zusammen mit seinen menschlichen Kompagnons vor gut einem Jahr ein neues Zuhause gefunden. Das aufgeweckte Kerlchen macht seinem Namen alle Ehre – sein braun-graues, etwas zotteliges Fell erinnert tatsächlich etwas an einen Wolf. Die großen Ohren lassen einen wiederum eher an eine Fledermaus denken.

Trainiert wird der einst wilde Kater, der ursprünglich aus Griechenland stammt, von seiner Halterin Janin S. Übungen wie High Five, Pfötchen geben und einen kleinen, selbstgebauten Parcours in der Küche ablaufen gehören für die 39-jährige Katzenliebhaberin ganz selbstverständlich zum Repertoire. „Ich trainiere mit Wolverine, weil ich ihn intellektuell herausfordern und stimulieren möchte. Es tut ihm gut, neue Dinge zu lernen. Er ist dadurch ausgeglichener. Außerdem macht es unsere Bindung enger“, erklärt Janin S. Sie wuchs bereits als Kind am Stadtrand von Berlin mit Katzen auf. Doch von der Möglichkeit, ihren Schützling genauso zu trainieren, wie man es bei Hunden tut, hörte sie erst in jüngerer Vergangenheit.

Berlin: Mit Clicker-Training für Katzen zum Erfolg

Zunächst suchte Janin S. nach einer Lösung, um Wolverine das Kratzen am Sofa abzugewöhnen. Dabei stieß sie über Social Media auf Clicker-Training für Katzen. Beim Clicker-Training nutzt man ein kleines Gerät aus Plastik, das Klickgeräusche erzeugt, um die Katze genau in dem Moment zu bestätigen, in dem sie eine gewünschte Aktion ausführt. Im Anschluss gibt man dem Tier ein Leckerli oder belohnt es anderweitig mit Kuscheleinheiten oder Spielzeug. „Ich habe gelernt, dass es viel effektiver ist, Wolverine gutes Verhalten anzutrainieren, als ihm etwas abzugewöhnen. Ich fördere bewusst positive Verhaltensweisen und dadurch vermindern sich die negativen“, so die Katzenmama.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zudem bekommt Janin S. praktische Tipps und Anleitung von einer angehenden Trainerin, die eine Ausbildung an der Katzenakademie macht. Die Katzenakademie wurde 2019 in Köln von Tiertrainerin Kerstin Schwarz gegründet. Ihre Firma wuchs während der Pandemie rasch an und heute beschäftigt Schwarz mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz Deutschland, unter anderem in Berlin. Zusammen mit ihrem Team hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Katzenexperten auszubilden. „Katzen sind sehr intelligente, hoch leistungsfähige Tiere. Es ist traurig zu sehen, wie sie in vielen Haushalten verkümmern.“

Wie man mit Problemkatzen umgeht

Selbst viele Katzenpsychologen würden die Tiere unterschätzen und oftmals keine Lösungen für die Probleme der Halter finden, so die 34-jährige Firmeninhaberin. Die Idee zur Katzenakademie entstand aus der Not heraus. In ihrem Bekanntenkreis gab es immer wieder Leute, die Schwierigkeiten mit ihren Katzen hatten und denen auch Profis nicht helfen konnten. Sie traten an Kerstin Schwarz, die damals eine Hundeschule und gar keine eigenen Katzen besaß, heran: „Mensch, Kerstin, du müsstest mal was mit Katzen machen!“

Die häufigsten Problemfälle seien Disharmonie in der Gruppe (Tiere eines Haushalts, die sich untereinander nicht verstehen), Unsauberkeit, übermäßige Angst bei den Katzen sowie schreiende Miezen, die ihre Besitzer nachts wachhalten. „Bei Hunden greift man bei solchen Situationen viel schneller ein. Sie bekommen schon im Welpenalter Hilfe, wodurch man später mehr Kontrolle hat. Katzen werden einfach sich selbst überlassen“, erklärt Schwarz.

Heute hat die gelernte Hundetrainerin, Pferdewirtin und Zootierpflegerin sieben eigene Stubentiger. Zeitweise kommen immer wieder auch „schwierige“ Katzen aus dem Tierschutz hinzu, die Schwarz trainiert und die danach weitervermittelt werden. „Aus meiner Erfahrung sind Katzen im Training nicht anders als Hunde. Sie sind genauso menschenbezogen. Sie sind kein bisschen weniger vermögend oder anpassungsfähig“, gibt sie zu Bedenken.

Schlechte Studienlage zu Katzen

Den Leuten das beizubringen, würde allerdings noch mindestens zehn Jahre dauern. Mit Katzen stünde man gerade erst am Anfang. Die Katzenexpertin führt weiter aus: „Die Studienlage zu Katzen ist jämmerlich. Deshalb arbeiten wir an der Katzenakademie mit einem Hochschulprofessor zusammen. Wir wollen mehr Studien auf den Weg bringen. Katzen sind verhaltensbiologisch bisher einfach schlecht erforscht“.

Genau deshalb bildet Schwarz ihre eigene Konkurrenz aus. Der Markt und vor allem die Nöte der Tiere und Halter seien einfach zu groß, so Schwarz. Allein in Berlin gibt es Schätzungen zufolge rund 175.000 Katzen. Wolverine in Tiergarten ist nur eine davon. Seine Halterin Janin S. freut sich über den Input aus der Katzenakademie: „Es ist so schön zu sehen, wie Wolverines Selbstbewusstsein steigt, weil er Fortschritte macht und gelobt wird.“ Indes wendet sich Wolverine neugierig der Kamera zu. Ihm ist es egal, ob er studiert wird. Er will wahrscheinlich vor allem ein Zuhause zum Wohlfühlen, in dem es möglichst wenig Langeweile und ganz viel Spiel- und Trainingsmöglichkeiten gibt.

Weitere Tierthemen in Berlin: