Die Männer mit den orangefarbenen Westen wirken genervt. Seit 9 Uhr morgens versuchen die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR), die gelbe Farbe von der Fahrbahn am Großen Stern rund um die Siegessäule zu entfernen. Wie lange sie an diesem Arbeitstag noch schrubben müssen, kann niemand sagen: „So lange bis es eben sauber ist. Und das kann hier noch eine Weile dauern“, sagt einer von ihnen mit zornigem Unterton. Dann wendet er sich seinem Kollegen an der Kehrmaschine zu: „Weißt du, warum die hier mit der Farbe gespritzt haben?“ „Nee“, sagt der andere. „Irgendwas mit Umwelt, glaub ich.“

Was ist passiert?

Der eingefärbte Große Stern aus der Luft
Der eingefärbte Große Stern aus der Luft © REUTERS | HANDOUT

Am Dienstagmorgen sprühten Aktivisten von der Umweltschutzorganisation Greenpeace 3500 Liter gelbe Farbe auf die Fahrbahn rund um das Wahrzeichen in Tiergarten und verteilten sie dann. Nach Angaben der Organisation soll die Farbe umweltfreundlich und abwaschbar sein. Aus der Luft sollte der Große Stern wie eine Sonne aussehen. Ihre Aktion „Sonne statt Kohle“ adressierten die Umweltschützer an die Kohlekommission der Bundesregierung, die am Dienstag erstmals zusammentraf. Das Gremium soll bis Ende des Jahres unter anderem ein Datum für den Ausstieg aus der Stromgewinnung aus Kohle sowie Perspektiven für neue Jobs in den Kohleregionen wie der Lausitz vorschlagen.

Welche Konsequenzen hat die Aktion?

Die Polizei ermittelt nun wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. „Es muss geklärt werden, ob Rutschgefahr bestand, als die Farbe aufgetragen wurde. Außerdem muss ermittelt werden, ob die Verkehrsteilnehmer durch die teilweise übermalten Fahrbahnmarkierungen gefährdet waren“, sagte Polizeisprecher Carsten Müller. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete sich die Nachricht, eine Radfahrerin sei gestürzt. Die Lehrerin soll unverletzt geblieben sein, stehe aber unter Schock. Ebenfalls über Twitter rief die Polizei alle betroffenen Verkehrsteilnehmer auf, Anzeige zu erstatten, sofern sie einen Schaden erlitten haben. Es kam zu Straßensperrungen und zu Staus.

Was kommt auf Greenpeace zu?

Aktivisten verteilten die Farbe von Hand auf der Fahrbahn
Aktivisten verteilten die Farbe von Hand auf der Fahrbahn© dpa | Paul Zinken

Für die Umweltaktivisten kann es jetzt teuer werden. Die Stadtreinigung war ab Dienstagmorgen im Einsatz. Bis in die späten Nachmittagsstunden waren die Reinigungsfahrzeuge an der Siegessäule damit beschäftigt, die gelbe Farbe von der Straße zu entfernen: „Man braucht mehrere Reinigungsdurchgänge, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen“, sagte Sebastian Harnisch von der Berliner Stadtreinigung (BSR). Es genüge nicht, nur einmal mit den Spülwagen und der Kehrmaschine über die Straße zu fahren. Für jede Stelle brauche es mehrere Durchgänge. „Wir sind im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme tätig“, fügte Harnisch hinzu. Das bedeutet, dass die BSR die Reinigung übernimmt, für die eigentlich Greenpeace zuständig wäre. „Das ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Deswegen machen wir das – auf Anordnung der Polizei. Aber die Kosten werden dem ermittelten Verursacher in Rechnung gestellt“, so der BSR-Sprecher. Wie viel die Reinigungsaktion gekostet hat, wird erst in den nächsten Tagen geklärt sein.

Was sagt Greenpeace ?

Christoph von Lieven, Sprecher von Greenpeace, verteidigte sich. Während der gesamten Aktion seien Mitarbeiter mit Fahnen und Warnschildern unterwegs gewesen, die alle Verkehrsteilnehmer auf die rutschige Fahrbahn aufmerksam gemacht haben sollen. Auch von Lieven habe über Twitter mitbekommen, dass eine Radfahrerin gestürzt sein soll. Für ihn steht der Unfall jedoch in keinem Zusammenhang mit der Aktion: „Es kann aber sein, dass dort jemand gestürzt ist. Die Polizei hat sich deswegen aber nicht bei uns gemeldet.“ Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, verurteilte die Aktion scharf. Er forderte Greenpeace auf, sich zu entschuldigen und für den entstandenen Schaden aufzukommen. Der Greenpeace-Sprecher blieb hingeben gelassen: „Ich harre der Dinge, die da kommen.“

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