Das Berliner Gymnasium Tiergarten hat die diesjährige Abiturfeier abgesagt. Der Grund: Angst vor pro-palästinensischen Protesten. Darüber hatte zuerst der „Tagesspiegel“ berichtet. Die Polizei bestätigte den Vorgang am Mittwoch. Die Behörde sei über „die Absage und den Grund, den die Schulleitung dafür sieht“, informiert worden, sagte eine Sprecherin.

Laut des Berichts des „Tagesspiegel“ bekommen die Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse nicht feierlich überreicht. Die Veranstaltung hätte im Kino Delphi in Charlottenburg stattfinden sollen. Wie „B.Z.“ und „Bild“ berichten, sollen sich in einer Whatsapp-Gruppe 50 von insgesamt 120 Schülern dazu entschlossen haben, die Zeugnisvergabe für propalästinensische Proteste zu nutzen.

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Die Feier sollte am 5. Juli stattfinden. Dem „Tagesspiegel“ liegt ein Schreiben der Schulleitung und der Schulsozialarbeiter vor, das diese den Abiturienten und deren Eltern am Freitag geschickt hatten. Darin heißt es, dass bei der Veranstaltung „massive konfrontative politische Kundgebungen durch einen großen Teil des diesjährigen Abiturjahrgangs geplant sind“.

Gymnasium in Tiergarten: Schulleitung äußert sich nicht

Der Berliner und propalästinensische Influencer Serhat Sisik, der auf seinem Instagram-Account unter dem Namen „Aggressionsprobleme1“ mehr als 170.000 Follower hat, erklärte in einem Post: „Ein paar Jungs, die ich kenne, machen gerade ihr Abitur und sie wollten bei der Abiturverleihung ihre Kufiyas tragen.“ Dabei handelt es sich um das sogenannte Palästinensertuch.

Die Schulleitung des Gymnasiums wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, sondern verwies an die Senatsbildungsverwaltung. Von dort hieß es, man sei aus der Presse über den Vorgang informiert worden und habe die Schulaufsicht eingeschaltet.

„Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Schule eine Lösung zu finden und sicherzustellen, dass die Übergabe der Abiturzeugnisse in einem angemessenen Rahmen stattfindet“, erklärte ein Sprecher der Bildungsverwaltung. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird. In dem Schreiben der Schulverwaltung hieß es, die Schülerinnen und Schüler könnten sich ihr Zeugnis Anfang Juli in der Schule abholen.

Landeselternsprecher Norman Heise zeigte sich am Mittwoch jedoch zuversichtlich, dass es doch eine kleine Feier mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen für die Abiturienten geben könne. Entsprechende Gespräche solle es derzeit geben, sagte Heise nach Kontakten mit der Elternvertretung des Gymnasiums. Die Schulleitung habe zwischenzeitlich mehr Fakten genannt, die deren Entscheidung in Teilen nachvollziehbar machten.

Pro-palästinensische Proteste: Bisher vor allem Universitäten betroffen

Dass der pro-palästinensische Protest in dieser Form an den Berliner Schulen ankommt, ist neu. Im Mai waren die Freie Universität in Dahlem und die Humboldt-Universität davon betroffen. Anfang Mai musste die Polizei eine Versammlung mit etwa 150 Protestierenden im Ehrenhof und vor dem HU-Hauptgebäude räumen. Ein paar Tage später mussten die Beamten bei einem Protestcamp an der FU genauso vorgehen.

Am 22. und 23. Mai hatten pro-palästinensische Aktivisten das Institut für Sozialwissenschaften aus Protest gegen Israel besetzt. Die Universitätsleitung duldete dies zunächst und setzte auf einen Dialog mit Besetzern und Wissenschaftlern. Später wurde die Besetzung von der Polizei geräumt – auf Anweisung des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU). Das Gebäude wurde während der Besetzung stark beschädigt. (BMO/mit dpa)