Auf Facebook und anderen sozialen Medien herrscht Entsetzen: Das Hertha-Domizil an der Behm- Ecke Jülicher Straße in Berlin-Gesundbrunnen ist dem Erdboden gleich gemacht worden. Der Eigentümer hat es abreißen lassen. Die Arbeiten haben offenbar bereits in der vergangenen Woche begonnen. Denn am Dienstag waren nur noch Trümmer zu sehen.

„Wir trauern diesem Gebäude nach, das für den Traditionsverein von der Plumpe stand“, schreibt etwa das Kiezportal „Weddingweiser“. Eine Nutzerin kommentiert: „Da geht wieder ein Stück Wedding.“ Für viele kam der Abriss offenbar unerwartet. Ein anderer Nutzer schreibt: „Ein weiteres wichtiges Hertha-Denkmal verschwindet.“
Hertha-Domizil: Gebäude war fast 100 Jahre alt
Das fast 100 Jahre alte Gebäude war ehemaliges Vereinshaus des Berliner Fußballclubs Hertha BSC. 1971 übernahm der Verein das Gebäude, das zum zentralen Treffpunkt für Vereinsmitglieder und Fans wurde. Im Jahr 1974 dann folgte der Verkauf des Hertha-Sportplatzes und des Hauses. Anschließend stand es einige Jahr leer, bis ein türkischer Bauunternehmer das Haus erwarb und ein Hostel daraus machte. Das war im Jahr 2015. Doch offenbar gingen die Besucherzahlen mit der Corona-Pandemie zurück.

Im Bezirksamt Mitte hatte der Eigentümer den geplanten Abriss bereits am 1. November 2023 angekündigt, wie die Behörde auf Nachfrage mitteilt. „Die Prüfung des Anzeigeverfahrens durch das Stadtplanungsamt und die Untere Denkmalschutzbehörde hat keine Versagensgründe ergeben“, so ein Bezirksamtssprecher.
Bezirksamt Mitte: Abriss erfolgte rechtmäßig
Heißt: Der Abriss ist nicht etwa unrechtmäßig erfolgt. Der Eigentümer muss den Abriss zwar bei der Behörde melden. Diese nimmt diesen aber nur zur Kenntnis, eine Genehmigung ist nicht nötig. Das Haus stand nicht unter Denkmalschutz. Welche Pläne der Eigentümer mit dem Grundstück hat, sind dem Bezirksamt nicht bekannt.
In den sozialen Netzwerken fürchten Anwohner aus dem Kiez nahe des Gesundbrunnen-Centers, dass ein deutlich höheres Haus gebaut werden könnte. Die Rede ist von Büros sowie Apartments. Bestätigt ist dies jedoch bislang nicht. Neben der nun klaffenden Baulücke steht bereits das „Ocak Hotel“. Es gehört dem Immobilienentwickler Ercan Ocak. Er soll ebenfalls Eigentümer des nun abgerissenen Hertha-Domizils sein.



