Sie hatten schon an die Innensenatorin geschrieben. Sie hatten Kontakt mit dem Staatsschutz aufgenommen, auch mit anderen Berliner Politikern. Mehr als eine Woche nach den terroristischen Angriffen der Hamas auf Israel und der damit verbundenen erhöhten Gefährdungslage in Berlin hatte die Organisation „Berlin Zusammen“, die sich für Israelis in dieser Stadt einsetzt, keinen Polizeischutz für ihre Räumlichkeiten in Berlin-Mitte. Nun am Sonntag erhielten Sharon Jägermann und Shai Doith dann endlich die für diese Zeiten gute Nachricht: Die Polizei wird ihre Organisation schützen, wenn sie aktiv geöffnet ist.
Sichtlich erleichtert zeigten sich Jägermann und Doith bei einem Gespräch an diesem Sonntagvormittag. „Normalerweise brauchen wir keinen Schutz von der Polizei. Aber in diesen Zeiten ist das notwendig, um uns sicher zu fühlen“, sagte Doith. Es gebe ihnen ein gutes Gefühl. Denn seit dem Terrorangriff auf Israel schwappte der Konflikt zunehmend auf Berlins Straßen über. Am Tag des Angriffs verteilten Männer mit Palästina-Flaggen süße Backwaren auf der Sonnenallee in Neukölln. In den Tagen danach kam es zu verbotenen Ansammlungen auf dem Hermannplatz. Zudem registrierte die Polizei Davidstern-Schmierereien an verschiedenen Häusern. Für den vergangenen Freitag rief die islamistische Palästinenser-Organisation Hamas weltweit zu Gewalt auf. Für die Organisation Gründe genug, um die Polizei um Hilfe zu bitten.
- Gerichtsurteil: Paukenschlag in Israel – Ultraorthodoxe müssen zur Armee
- Verletzter Verdächtiger: Palästinenser auf Motorhaube gebunden – Empörung über Israels Militär
- Regierung unter Druck? Massenproteste in Israel – größte Demo seit Monaten
- Islamisten: Stärkste Angriffe seit Kriegsbeginn – Hisbollah beschießt Israel
- Nach Rettung: Geisel Noa Argamani befreit – Das war ihr erster Wunsch
„Fühle mich nicht mehr sicher“
„Ich bin seit sechs Jahren in Berlin. Und zum ersten Mal fühle ich mich nicht mehr sicher in dieser Stadt“, sagte Doith. Weder er noch Jägermann seien tiefgläubig oder jüdisch-orthodox. Das heißt, sie tragen in der Öffentlichkeit keine sichtbare Symbolik wie etwa einen Davidstern. Aufgrund der Entwicklungen hätten sie dennoch Angst rauszugehen, oder in der U-Bahn hebräisch zu sprechen.
Doch weshalb musste erst eine Woche vergehen, bis die Polizei die Organisation schützte? Am Tag des Angriffs der Hamas auf Israel sagte ein Sprecher der Innensenatorin, das die Schutzmaßnahmen vor jüdischen und israelischen Einrichtungen erhöht werden. Wie aus Spitzenpolitikerkreisen zu hören war, hatte die Polizei dabei aber nicht sämtliche israelische und jüdische Einrichtungen auf dem Radar - eben vermeintlich kleinere Organisationen wie etwa „Zusammen Berlin“ nicht. Doith und Jägermann sahen sich zudem mit längeren Abstimmungsprozessen konfrontiert. Auf Nachfrage bei der Polizei hieß es vonseiten der Behörden: Jüdische und israelische Einrichtungen würden nicht pauschal als Schutzobjekte gelten. Es gebe immer eine Prüfung der Individualgefährdung, so eine Sprecherin. Sie nannte Restaurants als Beispiele. Grundsätzlich gelte aber, dass sich sowohl Restaurantbesitzer wie auch Vereine an die Polizei wenden könnten, um dann zu überprüfen, wie das Objekt geschützt werde.
Bei der Organisation „Zusammen Berlin“ sei das nicht nur nötig, um das Gefühl der Sicherheit herzustellen, so Doith und Jägermann. Sie wollen in dieser Woche viele freiwillige Arbeitsstunden in ihren Räumlichkeiten verbringen. Dort haben sie einen sogenannten „War room“ aufgebaut. Dort bieten sie für Israelis in Berlin Gespräche mit Therapeuten und Psychologen. Außerdem helfen sie in Berlin gestrandeten Israelis, um Unterkünfte oder Flüge nach Israel zu organisieren. „Jeder von uns ist direkt oder indirekt davon betroffen.“


