Schankvorgärten dürfen vor Restaurants aufgebaut werden, vor Bäckereien, vor dem Metzger. Doch vor Spätis nicht – zumindest nicht in Mitte. Dort gelten Spätis als potenzielle Lärmquelle. Denn während der Pandemie waren die Tische vor Spätis noch weit mehr als sonst beliebte Treffpunkte für Nachtschwärmer, Anwohner fühlten sich gestört.

Der Bezirk Mitte hatte daher unter Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) vor drei Jahren die Schankvorgärten vor Spätis einfach abgeschafft. Wer einen hatte, musste ihn zurückbauen. Das verursachte Ärger und Umsatzeinbußen, auch vor Gericht wurde – vergeblich – gegen diese Regelung geklagt. Doch nun soll sie, auf einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hin, modifiziert werden.

Auf Antrag der FDP sollen Spätis unter bestimmten Bedingungen wieder Schankvorgärten einrichten dürfen. So müssen die Späti-Betreiber den Nachweis erbringen, dass sie mit einem Schankvorgarten, der bis zum Verbot vor ihrem Späti existierte, mehr Umsatz gemacht haben als sie heute ohne Schankvorgarten in der Kasse haben. Außerdem müssen sie zeigen, dass dieser Umsatzrückgang massiv ist. Und der Schankvorgarten darf in der Umgebung nicht als Störfaktor gesehen werden. Sämtliche Anwohner müssen dafür sein.

„Nicht jeder Späti zieht Partypublikum an und wird zum Störfaktor“

Das Schankvorgarten-Verbot stelle für die ohnehin von Krisen gebeutelten Mischbetriebe eine existenzielle Bedrohung dar und gefährde die Entwicklung einer lebendigen Innenstadt, begründete die FDP ihren Antrag. Außerdem hätten die Späti-Betreiber in Mitte einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, da das Verbot landesweit nur in diesem Bezirk gelte. Und dann könne man auch nicht pauschal sagen, dass Schankvorgärten vor Spätis „Partypublikum“ anziehen und dadurch einen „erheblichen Störfaktor“ für Anwohnerinnen und Anwohner darstellen.

Auslöser für diesen Antrag war für die FDP ein Späti am Hausvogteiplatz, auf den die im Antrag genannten Kriterien genau zutreffen sollen. Das missfiel in der Sitzung, vor allem den Grünen. Man könne gerne generell über Schankvorgärten vor Spätis reden, sagte Sven Drebes. Doch man könne keinen Antrag unterstützen, der gezielt einem Späti-Betreiber nützen solle. Auch habe er eher den Eindruck, der Späti sei eigentlich ein Bistro. Beantrage der Späti-Betreiber die Konzession für ein Bistro, dann könne er auch Tische aufstellen. Entsprechend knapp fiel dann die Abstimmung aus. Nur weil die CDU und die Mehrheit der SPD sich enthielten, wurde der Antrag angenommen.

Umsatzrückgang von fast 50 Prozent

Laut einem der beiden Späti-Betreiber vom Hausvogteiplatz, Jamie Adriano, machen sie mit ihrem Laden fast nur noch die Hälfte ihres Umsatzes: „Wir leiden darunter, dass sich niemand mehr vor unseren Späti setzen kann.“ Die Existenz sei in Gefahr, sagt er. Und alle Nachbarn hätten unterschrieben, dass sie es gut fänden, wenn der Schankvorgarten wieder öffne.

Früher habe er im benachbarten Restaurant kleine Menues zubereitet. Sogar vom Justizministerium seien die Mitarbeiter bei ihm eingekehrt, Bürogemeinschaften hätten bei einer kleinen Geburtstagsrunde miteinander angestoßen. Und auch Anwohner hätten sich vor seiner Tür gerne getroffen. Er hofft darauf, dass es bald wieder losgehen kann. „Wenn alles abgebaut ist, wie derzeit, sieht alles so tot aus“, sagt Adriano. „Tische locken Kunden an.“

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