Es ging Schlag auf Schlag. Die Polizei stoppte am Mittwochmittag ein Auto in der Fußgängerzone Friedrichstraße, da bog bereits der nächste Wagen von der Jägerstraße aus ein. Dann wieder einer, wieder einer, dann noch ein Taxi. Die Polizisten hatten noch nicht einmal das erste Knöllchen ausgestellt, da war der Straßenabschnitt am Russischen Haus bereits mit Verkehrssündern zugestellt. „Wir machen ja häufiger Kontrollen auf der Friedrichstraße“, sagte der Beamte. „Aber so viele auf einmal – fünf plus Taxi – hatte ich noch nie.“

Der Taxifahrer, der mit einem vollbesetzten Van ebenfalls von der Jägerstraße aus direkt in die Falle gefahren war, guckte sehr betreten. Er käme aus Rostock, sei fremd in der Stadt, und habe die Situation zu spät erkannt, auch zuerst nicht wahrgenommen, dass der Polizeiwagen auf seiner Fahrbahn die Spur komplett blockierte. „Eigentlich wollte ich nur wenden“, so der Taxifahrer.

Auch Taxifahrer muss bezahlen

Er musste voll bezahlen. „Es gibt keine Ausnahme, auch nicht für mich“, sagte der Rostocker. Für das Befahren der Fußgängerzone werden pro Fahrzeug 55 Euro fällig. Noch während die Beamten die Knöllchen verteilten, versuchte sich ein BMW-Fahrer an der Kontrolle vorbeidrängeln. Einer der Beamten hielt ihn jedoch sofort an. Der Fahrer des BMW war sich seines Fehlers anscheinend bewusst: Am Fahrbahnrand haltend, reichte er dem Polizisten sofort seinen Führerschein.

Wer abgefertigt worden war, musste im Schritttempo die nächste Ausfahrt nehmen – zuckelnd in die Taubenstraße. Doch lange wird man solche Beobachtungen nicht mehr auf der Friedrichstraße machen: Schon am 1. Juli 2023 soll der Teilabschnitt zwischen Französischer und Leipziger Straße wieder für Autos befahrbar sein.

In Kürze fahren wieder Autos

Die neue Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) hat angekündigt, ab 1. Juli den 500 Meter langen, gesperrten Abschnitt wieder für den Kfz-Verkehr freizugeben. Zuvor hatte der Bezirk das Teilstück zur Fußgängerzone gemacht. Schreiner erklärte, nachdem sie die Grüne Bettina Jarasch als Verkehrssenatorin abgelöst hatte, für die sofortige Teileinziehung der Straße keine Dringlichkeit zu sehen. Jarasch war die autofreie Friedrichstraße ein großes Anliegen.

In dem künftigen Verfahren darüber, was aus der Friedrichstraße werden soll, soll neben Schreiners Senatsverkehrsverwaltung auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Anwohner und Geschäftstreibende beteiligt werden. Der Start der Diskussion über die Zukunft der Friedrichstraße und der angrenzenden Bereiche der historischen Mitte ist für Herbst angesetzt.

Wie es mit der Friedrichstraße weitergeht, ist noch offen

Schreiner hatte angekündigt, eine Politik für alle Verkehrsteilnehmer machen zu wollen. Derzeit ist jedoch vollkommen offen, wie es mit der Friedrichstraße weitergeht. Der Raum in Berlin sei knapp, das werde „dazu führen, dass mal der eine Verkehrsteilnehmer von Entscheidungen und Gestaltung des Verkehrsraums profitiert, mal der andere“, hatte Schreiner erklärt.