Das Architekturbüro Baumschlager Eberle Architekten hat den städtebaulich-architektonischen Wettbewerb für den Umbau von Galeria Karstadt an der Müllerstraße gewonnen. Die Warenhausimmobilie soll zu einem „gemischt genutzten Stadtbaustein“ werden.

Nicht mehr nur reines Kaufhaus, sondern auch Wohn- und Bürogebäude soll die Warenhausimmobilie der Zukunft sein. Ebenso sollen hier auf 2000 Quadratmetern Räume geschaffen werden, die öffentlich und gemeinnützig sind, Treffpunkte, eine Kita, eine Bibliothek, ein Café oder auch eine Tanzschule.

Die Verkaufsfläche soll nur etwas kleiner werden

Die zwei Parkdecks in den Obergeschossen werden aufgelöst. Das Haus wird höher, das Dach soll teils öffentlich nutzbar, auch sollen Terrassen und drei grüne Innenhöfe geschaffen werden. Einkaufen findet nach dem Entwurf im Erdgeschoss, auf der ersten Etage und im Untergeschoss auf etwa 14.000 Quadratmetern statt – das sind etwa 15 Prozent Verkaufsfläche weniger als aktuell. In den oberen Etagen sollen Büros, überwiegend kleinere Wohnungen und Terrassen mit Ausblick auf Berlin entstehen.

Der Entwurf von Baumschlager Eberle überzeugte die Jury durch die „Vernetzung in den Stadtraum“ sowie durch das Auflösen der monolithischen Großstruktur der Warenhausimmobilie, hieß es nach der Jurysitzung seitens des Investors Sigma Real Estate, der mit der Bayerischen Versorgungskammer Eigentümer der Immobilie am Leopoldplatz ist. Hervorgehoben wurde der Nachhaltigkeitsaspekt bei diesem Entwurf. Die Tragstruktur könne weitestgehend erhalten bleiben, aufgestockt werde in Holz-Hybrid Bauweise.

Man will damit wieder erfolgreich Geschäfte betreiben

Der Entwurf soll „einem zukunftsgerichteten Warenhauskonzept den erforderlichen architektonischen Rahmen geben“. Das heißt, man will künftig wieder erfolgreich Geschäfte betreiben und hofft, dass es mit diesem Modell klappen könnte. Denn es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Das alte Konzept Warenhaus hat ausgedient, Galeria Karstadt Kaufhof ist der letzte Gigant unter den deutschen Kaufhausketten. Und auch er ist angezählt. Unter anderen muss auch die Filiale in Wedding bald schließen. Ende Januar 2024 ist Schluss, sämtliche Mitarbeiter haben bereits die Kündigung erhalten.

Timo Herzberg, Deutschland-Chef der Sigma Real Estate, sprach dann auch von „unentbehrlichen Impulsen für die Besucherfrequenz“, damit der Einzelhandel dort langfristig funktioniere. Er sieht das geplante Gebäude als „Anziehungspunkt“, sprach von „hochattraktiven Flächen“.

Herzberg geht von einer Wiedereröffnung Ende des Jahres 2027 aus. Der Siegerentwurf bilde die Grundlage für das Bebauungsplanverfahren. Mit dem Bau solle unmittelbar nach Erteilung des Baurechtes begonnen werden, voraussichtlich Mitte 2025.

„Eine Wiederbelebung für einen lebendigen Kiez“

Ephraim Gothe (SPD), Bezirksstadtrat Berlin-Mitte, der sich besonders für ein Warenhaus an dieser Stelle einsetzt, betonte nochmals die „Ankerfunktion“ und die Bedeutung des Hauses für die Nahversorgung. Der Leopoldplatz sei das Zentrum des Weddings, ein vitales Herz des Stadtteils.

Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin Berlin, freute sich über das einladende Entrée und attraktive, öffentliche Freiräume auf dem Dach. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass das alte, so beliebte, aber in die Jahre gekommene Warenhaus mit diesem Entwurf „eine Wiederbelebung für einen lebendigen Ort im Kiez zum Verweilen, Konsumieren und Arbeiten erfährt“. Das Konzept sei „zukunftsweisend“.

Die Planungs- und Wettbewerbsphase war durch eine Reihe von Abstimmungsterminen mit der Öffentlichkeit, mit den Gremien, zuletzt auch durch zwei sehr gut besuchte öffentliche Veranstaltungen im Galeria-Restaurant am Leopoldplatz begleitet worden.

Gemeinsam mit dem Bezirk Berlin Mitte hatte die Signa Real Estate den Architekturwettbewerb mit dem Ziel ausgelobt, innovative Konzepte für eine attraktive, gemischt genutzte Quartierentwicklung zu erarbeiten. Der Baubestand sollte dabei überwiegenden erhalten werden, die Fläche im Gebäude um etwa ein Siebtel der derzeitigen Fläche vergrößert werden.

Grüntuch Ernst Architekten sind auf Platz zwei

Den zweiten Platz in diesem Wettbewerb belegt Grüntuch Ernst Architekten, den dritten Platz Jasper Architects, White Arkitekter den vierten Platz. Die vier finalen Wettbewerbsbeiträge, alle von international arbeitenden Architekturbüros, werden ab Mittwoch, 24. Mai, im Erdgeschoss des Galeria-Karstadt-Warenhauses an der Müllerstraße 25 ausgestellt.

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