Auffälliger kann man sein Auto in Berlin wohl höchstens vor dem Kanzleramt entsorgen. Vermutlich am späten Donnerstagabend wurde der silberne Ford Mondeo auf dem Bürgersteig direkt vor der Neuen Nationalgalerie geparkt. Das Ausstellungshaus hatte bis 20 Uhr geöffnet, die Besucher haben beim Verlassen des Gebäudes kein parkendes Auto wahrgenommen, gegen 22.30 Uhr stand der Ford dann auf einmal dort. Einer Polizeistreife ist der Wagen aufgefallen und sie brachte noch am Freitag einen Gelbpunkt an. Amtlich ist das klebrige Siegel als E309 bekannt und droht: „Diese Ordnungswidrigkeit kann mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden.“

Schrottautos sind ein häufiges Problem in Berlin. Ein roter Opel Astra sorgt am Kurt-Schumacher-Damm seit Wochen für Aufmerksamkeit bei Pendlern, jedes Jahr stehen tausende von verlassenen Autos auf Berlins Straßen herum. Meist in Industriegebieten oder wenig frequentierten Straßen. So prominent wurde bisher noch kaum ein Auto platziert.

Das Auto in großer Eile verlassen

Der Fahrer oder die Fahrerin scheint das Auto in großer Eile verlassen zu haben: Im Beifahrer-Fußraum liegen volle Zigarettenschachteln von John Player Special und Marlboro, aber auch Nahrungsergänzung für Schwangere, dazu Kaugummis, ein Feuerzeug, eine Rolle Abschminkpads und eine leere Dose Red Bull. Hinter dem Fahrersitz steckt eine Zehnerpackung Toilettenpapier, auf der Rückbank Pappkartons vom Einkauf und eine schwarze Jacke. Bei aller Eile wurden aber noch beide Kennzeichen abmontiert. Ein – möglicherweise früheres – Berliner Kennzeichen kann man allerdings noch auf dem Umweltzonen-Aufkleber ablesen.

Volle Zigarettenpackungen, Wasserflaschen, Medikamente und Nahrungsergänzung für Schwangere wurden zusammen mit dem Auto zurückgelassen. Mitgenommen wurden hingegen die Nummernschilder. Aber auf der Umweltplakette kann man noch ein Berliner Kennzeichen ablesen.
Volle Zigarettenpackungen, Wasserflaschen, Medikamente und Nahrungsergänzung für Schwangere wurden zusammen mit dem Auto zurückgelassen. Mitgenommen wurden hingegen die Nummernschilder. Aber auf der Umweltplakette kann man noch ein Berliner Kennzeichen ablesen. © Dirk Krampitz

Zur Vorsicht ein Anruf bei der Pressestelle der Staatlichen Museen zu Berlin, zu denen die Neue Nationalgalerie gehört. Ist das Auto Kunst oder kann das weg? Nach kurzer Beratschlagung: Nein, es ist keine Kunstaktion. Nachsatz: zumindest keine der Staatlichen Museen.

Einfach abschleppen ist gar nicht so einfach

Das Ordnungsamt Mitte, auf dessen Gebiet der Modeo steht, erklärt, warum Autos wie der Ford nicht abgeschleppt werden. „Aktuell stellt der Pkw keine akute Gefahr dar.“ Zudem dürfe bei der Umsetzung keine neue Verkehrsordnungswidrigkeit begangen werden – wegen der fehlenden Kennzeichen darf man ihn also nicht einfach auf die Straße stellen. Zuständig für ganz Berlin ist das Amt für Regionalisierte Ordnungsaufgaben in Lichtenberg (RegOrg), dorthin wurde der Vorgang übergeben.

Grundsätzlich darf ein Pkw zum Beispiel abgeschleppt werden, wenn er so geparkt ist, dass er andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder behindert, also einen Rettungsweg oder eine Feuerwehrzufahrt blockiert oder wenn er direkt in einer unübersichtlichen Kurve steht. Auch wenn er im Halteverbot steht, auf einem Zebrastreifen parkt oder einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung nutzt, ohne die entsprechende Nutzungsberechtigung zu besitzen. Der Ford-Fahrer oder die Fahrerin hat beim Parken genau darauf geachtet, dass der Fahrradweg nicht blockiert wird. Auslaufen tut auch nichts, denn dann, so ergänzt die Polizeipressestelle, würde vom Fahrzeug Gefahr ausgehen und man könnte sofort entfernen.

Der Fahrer oder die Fahrerin hat beim Abstellen penibel darauf geachtet, nicht den Radweg zu blockieren.
Der Fahrer oder die Fahrerin hat beim Abstellen penibel darauf geachtet, nicht den Radweg zu blockieren.© Dirk Krampitz

Eigentlich hat ein Besitzer nach dem Gelbpunkt einen Monat Zeit, dann wird ein roter Punkt angebracht und wieder einen Monat Wartezeit später kann das Fahrzeug durch RegOrg entfernt werden. „Diese Vorgehensweise hat sich nicht das RegOrg Lichtenberg ausgedacht“, sagt der zuständige Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU) und man kann sein Bedauern hören.

Aber der silberne Ford Mondeo wird vermutlich schneller abtransportiert: Wegen der fehlenden Nummernschilder gilt das Fahrzeug als nicht mehr zugelassen und das Abstellen auf öffentlichen Straßen ist eine Ordnungswidrigkeit. Bei der Berliner Polizei rechnet man allerdings damit, dass der Wagen zumindest übers Wochenende weiter höchst prominent vor der Neuen Nationalgalerie parkt.

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