Die Bayer AG bereitet offenbar den ersten Abriss eines Wohngebäudes im Mettmannkiez vor. Das hat die Interessengemeinschaft der Bewohnerinnen des Mettmannkiezes beobachtet. Betroffen ist der leergezogene Seitenflügel, der an das Vorderhaus Tegeler Straße 3 angebunden ist. Seit dem 30. Januar ist er vollständig eingerüstet worden.

Es geht um insgesamt 140 Wohnungen, mehrere Ateliers, Handwerksbetriebe und einen Kindergarten, die an der Tegeler Straße und der Fennstraße verschwinden sollen. Die Initiative aus Betroffenen und Anwohnern hat sich nach eigenen Aussagen gegründet, um die Vernichtung von bezahlbarem Wohnraum und die Verdrängung seiner Bewohner nicht einfach hinzunehmen. Sie wollen, dass die Häuser erhalten und die Mieter in ihrem Zuhause bleiben können.

Die Bewohner fühlen sich im Unklaren gelassen

Im Mettmannkiez werde bald ein wahrer Abriss-Marathon in Gang kommen, fürchtet die Interessengemeinschaft. In einem Schreiben der Eigentümerin an unterschiedliche Adressaten sei von abrissvorbereitenden Maßnahmen die Rede, in einem anderen lediglich von Prüfungen der Fassade. Für die Bewohner und Bewohnerinnen der Vorderhäuser 3 und 4 sowie für die Kinder auf dem an den Seitenflügel angrenzenden Spielplatz der Kita könnten bei einem Abriss Gefahren ausgehen. Auch könnten Versorgungsleitungen zu den beiden Vorderhäusern beschädigt werden.

Bereits der frühere Abriss eines anliegenden Wirtschaftsgebäudes, einer Remise, im April vergangenen Jahres hatte Schäden an Leitungen des angrenzenden bewohnten Wohnhauses verursacht und über mehrere Monate für Stromausfälle gesorgt. Zudem wurde die Haupt-Gasleitung unterbrochen, seitdem sei der verbliebene Bewohner von Heizung und Warmwasserversorgung abgeschnitten.

Die Initiative berichtet, dass die Eigentümerin, die Bayer AG, noch immer nicht dargelegt habe, aus welchen Gründen der gesamte Mettmannkiez abgerissen werden soll. Schließlich bestehe in Berlin eine dramatische Wohnungsnotlage, auch für das Klima sei Abriss schädlich.

Gegenüber der Bezirksverordnetenversammlung habe Bayer konkrete Angaben stets auf unbestimmte Zeit verschoben. Bislang sei lediglich davon die Rede gewesen, dass man die ersten Häuser abreißen wolle, um dort Baucontainer aufzustellen. Dabei seien in unmittelbarer Nähe „bestens geeignete umfangreiche Stellflächen“ vorhanden.

Die Bayer AG will ihre Produktion im Wedding ausbauen und braucht mehr Platz

Die Bayer AG will ihren Produktionsstandort im Wedding ausbauen. Investiert werden soll ein dreistelliger Millionenbetrag, um mehr als 1000 Arbeitsplätze in Berlin langfristig zu sichern, hieß es im vergangenen Jahr. Das Unternehmen hat für dieses Vorhaben das Planungsrecht auf seiner Seite. Bei dem Areal handelt es sich um ein sogenanntes beschränktes Arbeitsgebiet. Das ist mit einem Gewerbegebiet vergleichbar. Der Bezirk hat dort kein Vorkaufsrecht, das Bezirksamt Mitte hat bereits eine Abrissgenehmigung erteilt.

Die Mieter der Wohnhäuser Tegeler Straße 2 bis 5 mussten bereits im Oktober 2021 die Wohnungen räumen. Zum großen Teil hat es Menschen getroffen, die schon seit Jahren in dem Weddinger Kiez wohnten.

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