Umbenennung

Afrikanisches Viertel: Deshalb werden Straßen umbenannt

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Birgit Lotze
Zwei Straßen im Afrikanischen Viertel werden umbenannt, weil sie deutsche Kolonialisten und Rassisten ehren. Neben der Lüderitzstraße ist am Freitag auch der Nachtigalplatz fällig.

Zwei Straßen im Afrikanischen Viertel werden umbenannt, weil sie deutsche Kolonialisten und Rassisten ehren. Neben der Lüderitzstraße ist am Freitag auch der Nachtigalplatz fällig.

Foto: David Heerde

Im Afrikanischen Viertel werden zwei Straßen umbenannt. Sie sollen Menschen des antikolonialen Widerstands gewidmet werden statt Kolonialisten.

Berlin.  Eigentlich vermutet man, dass im Afrikanischen Viertel vor allem Menschen afrikanischer Herkunft geehrt werden. Dabei gibt es sogar Straßennamen, die mit deutschem Kolonialismus in Afrika zu tun haben, die Täter ehren. Zwei Straßen im Afrikanischen Viertel sollen am Freitag, 2. Dezember, umbenannt werden. Um 11 Uhr wird der Nachtigalplatz umbenannt in „Manga-Bell-Platz“. Um 12 Uhr wird die Lüderitzstraße zur „Cornelius-Fredericks-Straße“. Zur feierlichen Enthüllung der Straßenschilder werden die Botschafter Kameruns und Namibias begrüßt. Ebenso freut man sich in Berlin-Mitte auf König Jean-Yves Eboumbou Douala Bell, ein Nachfahre des geehrten Königspaares.

Jahrelange Diskussionen, Expertenanhörungen, Gutachten

Die Umbenennung hat sich lange hingezogen, im Jahr 2018 hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte den Beschluss gefasst, dass im Afrikanischen Viertel Menschen geehrt werden sollen, die für den Widerstand gegen den Kolonialismus gekämpft haben und nicht mehr die Täter eines Kolonialregimes. Auch bis dahin hatte es bereits jahrelange Diskussionen, Expertenanhörungen und Gutachten gegeben. Hunderte Bürger haben sich allerdings gegen eine Umbenennung gewehrt, vielen davon war es zu mühsam, ihre Adresse zu ändern.

Mathias Schulz (SPD), Abgeordneter für den Wedding und damit auch für das Afrikanische Viertel, sagte, dass dank dem unermüdlichen Engagement afro-diasporischer Organisationen der Perspektivwechsel – weg von der Ehrung der Täter auf Straßenschildern hin zur Würdigung von Persönlichkeiten des antikolonialen Widerstands – mit der Ehrung von Emily und Rudolf Douala Manga Bell und Cornelius Fredericks am Freitag endlich vollzogen werde. „Damit stehen wir am Anfang eines bezirklichen und gesamtstädtischen Aufarbeitungsprozess der deutschen Kolonialvergangenheit.“

Eintragung ins Goldene Buch des Bezirks

Die neu installierten Straßenschilder werden mit Erläuterungsschildern versehen sein. Nach den Feierlichkeiten auf den beiden Straßen, verbunden mit einem zehnminütigen Fußmarsch, ist noch ein Termin zur Eintragung in das Goldene Buch des Bezirks vorgesehen. Anwohnerinnen und Anwohner wurden über die Umbenennung informiert und bekommen für die kostenlose Änderung von Dokumenten bevorzugt Termine beim Bürgeramt, gab das Bezirksamt bekannt.