Er ist der Popstar unter den Dinosauriern. Und spätestens seit Steven Spielbergs Blockbuster „Jurassic Park“ auch so etwas wie der Erzschurke der Urzeit-Echsen, ob nun zu Recht oder zu Unrecht. Doch am Dienstag jagt der riesenhafte Schädel des Fleischfressers Tristan Otto, seines Zeichens natürlich ein waschechter Tyrannosaurus rex, trotz seiner messerscharfen Raubtierzähne nur Lächeln auf die Gesichter der Kinder, die mit ihren Familien ins Berliner Naturkundemuseum in Mitte gekommen sind, um sich die – zugegeben – ziemlich reglosen Dino-Knochen anzusehen.

„Guck mal, da vorne ist er!“, jauchzt ein kleiner Junge seinen Eltern begeistert zu und springt sogleich aus seinem Kinderwagen, um das Gesicht an die Scheibe zu drücken und in die leeren Augen von Tristan Otto zu blicken. Die Lichtinstallationen hinter ihm an der Wand, die einen wandelnden T-Rex zu seinen Glanzzeiten darstellen sollen, bemerkt er dabei gar nicht. So groß ist die Faszination, die von den versteinerten Fossilien ausgeht.

Tyrannosaurus Tristan Otto nach zwei Jahren wieder in Berlin

Zwei Jahre war die Leihgabe Tristan Otto nun schon aufgrund eines Gastaufenthalts in Kopenhagen nicht mehr in der deutschen Hauptstadt zu sehen. Millionen Berliner und ihre Gäste hatten sich zuvor in den Jahren 2015 bis 2020 von dem zwölf Meter langen und vier Meter hohen Skelett begeistern lassen, das sogar als Markenbotschafter der Tourismusförderung Visit Berlin fungierte. Die Rückkehr eines der am besten erhaltenen T-Rex-Exemplare weltweit wird daher zurzeit vom Museum für Naturkunde in einer eigenen Sonderausstellung namens „Dinosaurier! Zeitalter der Riesenechsen“ zelebriert, die am Dienstag Eröffnung feierte und noch bis zum 30. November 2023 zu sehen sein wird. Die umgangssprachlich als Echsen bezeichneten Tiere haben dabei auch nach Jahrzehnten des von „Jurassic Park“ ausgelösten Dino-Booms nichts an ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Immerhin dominierten sie mehr als 150 Millionen Jahre lang äußert erfolgreich die Erde, bis dem vor 66 Millionen Jahren plötzlich durch ein Massensterben ein Ende gesetzt wurde.

Tristan Ottos Schädel löst Faszination nicht nur unter den Kleinsten aus.
Tristan Ottos Schädel löst Faszination nicht nur unter den Kleinsten aus. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Dabei steht Rampensau Tristan Otto natürlich nicht gänzlich alleine im Mittelpunkt. Zusätzlich sind spektakuläre neue Dinosaurierfossilien im Original zu bewundern, darunter ein Allosaurus, ein Plateosaurus, ein Nest voller Eier sowie der äußert seltene Schädel von Caspar, einem circa sieben Jahre alten T-Rex-Jungtier. Einmalig in Europa zeigt die Sonderausstellung zudem Objekte aus allen Erdzeitaltern, in denen Dinosaurier gelebt haben: Trias, Jura und Kreidezeit. Und wer von den Sauriern nicht genug bekommen kann, für den gibt es ja immer noch den legendären Lichthof des Museums, in dem in der Dauerausstellung teils gigantische Exemplare von Giraffatitan, Diplodocus, Archaeopteryx und Co. präsentiert werden.

Viele kleine Dino-Fans im Naturkundemuseum Berlin

Anatol Kendziersky, Gina Holland und Aurelia Sorms besuchten (v.l.) am Dienstag das Naturkundemuseum.
Anatol Kendziersky, Gina Holland und Aurelia Sorms besuchten (v.l.) am Dienstag das Naturkundemuseum. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Allerdings war der Andrang am Dienstagnachmittag noch überschaubar, was auch an dem in Berlin soeben gestarteten Schuljahr liegen mag. Gefreut hat das wiederum andere, vornehmlich Touristen aus Süddeutschland, wo noch Sommerferien sind. So wie die 18-jährigen Gina Holland und Aurelia Solms aus dem Allgäu, die ihren Freund Anatol Kendziersky in der Hauptstadt besuchen. „Wir haben heute morgen spontan entschieden, nicht ins Technikmuseum zu gehen, sondern hierher“, sagt Holland. Dabei habe man gar nicht gewusst, dass es eine neue Sonderausstellung zu den berühmten Urzeitwesen gebe, das sei eher Zufall gewesen. „Ich bin jetzt nicht unbedingt ein großer Dino-Fan“, lacht Solms, „aber ich muss schon zugeben, dass die Knochen echt beeindruckend sind und die Ausstellung interessant konzipiert ist.“ Besonders vor Tristan Ottos Schädel habe sie sehr, sehr lange stehen müssen, ehe sie habe weiter gehen können.

Zwei kleine Dino-Fans hat hingegen Familie Kiefer aus Baden-Württemberg vorzuweisen. „Meine achtjährige Tochter und mein fünfjähriger Sohn haben überall Bücher und Filme über die Saurier zu Hause liegen“, verrät die Mutter. Während sie und ihr Mann schon einmal im Naturkundemuseum waren, sei es für ihre Kinder das erste Mal. Was denn ihre Lieblings-Saurier seien? „Triceratops!“, stößt das Mädchen sofort aus. Ihr Bruder nennt einige Namen mehr, ehe er schließlich doch noch zu dem Schluss kommt: „Nein, es ist der Tyrannosaurus rex!“. Auch ein Ehepaar aus Augsburg ist am Dienstag mit ihrem gemeinsamen Sohn auf Besuch in der Ausstellung. Eigentlich auf der Durchreise an die Ostsee. Aber: „Wir haben beide in Berlin studiert und kennen das Museum“, so der Mann, „die Dinosaurier wollten wir unserem Sohn daher unbedingt noch zeigen.“

Dinosaurier leben heute in Form der Vögel weiter

Abseits der Knochen gibt es in der Ausstellung noch einiges mehr zu lernen. So stellen die Tafeln an den Exemplaren in anschaulicher Sprache Jagdverhalten, Lebensweise und Kuriositäten aus dem Alltag der Dinos dar. Plateosaurus etwa wurde 1834 in der Nähe von Nürnberg entdeckt. Er gehört zu den ursprünglichsten Sauriern und lebte vor rund 220 Millionen Jahren. Sein Nachfolger Allosaurus wiederum fällt vor allem durch seine kleinen, scharfen Zähne auf. Er stand vor 150 Millionen Jahren – und damit lange vor T-Rex – an der Spitze der Nahrungskette.

In Form der Vögel haben die riesigen Saurier bis heute überlebt. Wie das den erst rund sechs Millionen Jahre alten Menschen angesichts von Klimawandel und Naturkatastrophen einmal gelingen soll, darauf hat die Ausstellung allerdings keine Antwort. „Im Gegensatz zu den Dinosauriern hat es der Mensch selbst in der Hand, sein Zeitalter zu gestalten“, steht auf einer der Tafeln.