Das Klavier und die Notenständer sind ein bisschen zur Seite geschoben worden, dafür stehen Tische und Stühle in der Raummitte: Seit dieser Woche lernen im zweiten Obergeschoss der Musikschule Fanny Hensel in Mitte rund 40 aus der Ukraine geflüchtete Schülerinnen und Schüler in drei Willkommensklassen Deutsch.
„Ich bin sehr froh, dass wir die Räume der Musikschule nutzen dürfen“, sagt Bildungsstadträtin Stefanie Remlinger (Grüne). Denn - wie berichtet - sind die Kapazitäten an den Schulen bereits jetzt ausgereizt, dabei sind von den bislang 1500 in Mitte gemeldeten schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine gerade mal 500 in den Regel- und Willkommensklassen angekommen. „Nach den Sommerferien werden es noch deutlich mehr werden“, sagt Remlinger, „deshalb bin ich auch die ganze Zeit auf der Suche nach Räumen, die wir noch nutzen können“.
So konnten zum Beispiel in der Jugendfreizeiteinrichtung Schallasch auch bereits zwei Willkommensklassen eingerichtet werden, zwei weitere werden zum 8. Juni noch im Wolfgang-Scheunemann-Haus folgen. Dort unterrichten im Tandem Dozenten der Volkshochschule mit ukrainischen Lehrkräften. „Das ist eine Übergangslösung, damit die Kinder möglichst schnell einen Platz bekommen“, sagt Remlinger, „die Alternative wäre, sie auf eine Warteliste zu setzen, aber das wollen wir unbedingt vermeiden“.
Drei Willkommensklassen in der Musikschule Fanny Hensel
Die drei Willkommensklassen in der Musikschule Fanny Hensel werden von Lehrkräften der Willy-Brandt-Teamschule unterrichtet, eine Lehrkraft, Tatiana Manakova, ist erst im März selbst aus der Ukraine geflüchtet. Mit ihrer Willkommensklasse übt Manakova gerade Zahlen. „Wie alt bist du“, fragt sie eine Schülerin. Das Mädchen überlegt kurz und sagt dann leise auf Deutsch: „Ich bin 14 Jahre alt.“ Manakova lobt – und übt gleich weiter. 31 Stunden pro Woche haben die Schülerinnen und Schüler Unterricht, davon allein 18 Stunden Deutsch. „Das Ziel ist, dass sie schnell in Regelklassen integriert werden können“, sagt Remlinger.
Nach den Sommerferien könnten in der Musikschule noch weitere Willkommensklassen entstehen. „Wir wollen den Schulen in dieser schwierigen Situation gern helfen“, sagt Musikschulleiterin Katharina Kaschny. „Wir haben die Möglichkeit, weil wir mit einem großen Teil unseres Angebots nach den Ferien in unseren Neubau ziehen, nur ein Teil bleibt hier in diesen Räumen. Eine Mischnutzung von Willkommensklassen und Musikschülern wäre deshalb eine gute Möglichkeit.“


