Berlin-Mitte

Ulap Quartier: Anwohner diskutieren über Pläne

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Charlotte Bauer
So könnte der neue Grundriss des neuen Ulap Quartiers aussehen.

So könnte der neue Grundriss des neuen Ulap Quartiers aussehen.

Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Am Montagabend fand die Abschlusspräsentation zu den drei finalen Entwürfen des Ulap-Quartiers statt. Anwohner stimmten ab.

Berlin. Die Pläne sind groß: Berlin plant in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof ein neues Stadtviertel. Doch viele Anwohnerinnen und Anwohner aus der Nachbarschaft haben Bedenken, dass dadurch ihre Wohngegend überschattet werden könnte oder viele Bäume dafür gefällt werden müssen. „Ein wichtiger Punkt ist auch, wie die Nachbarschaft bei den Entwürfen mit integriert wird“, sagte Peter Mackensen, Mitglied der Bürgervertretung.

Am Montagabend haben drei Planungsteams bei der Abschlusspräsentation des Bürgerdialogs ihre finalen städtebaulichen Entwürfe den Anwohnern präsentiert. Diese konnten ihre Fragen dazu stellen. Insgesamt 77 Menschen haben an der virtuellen Zoom-Veranstaltung teilgenommen. Wesentliche Themen waren Lärmschutz, Beschattung und der Erhalt des Baumbestandes. Ihre Meinungen und Anmerkungen wurden dann bei der Abschlusssitzung des Gutachtergremiums am Dienstagnachmittag durch die Bürgervertreter präsentiert und mitberücksichtigt werden. Die Entscheidung solle jedoch laut Mackensen wahrscheinlich erst im kommenden Jahr der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden. Hackensen äußerte sich zuversichtlich: „Ich bin sicher, dass sich für uns Anwohner etwas Tolles entwickeln wird.“

Am Hauptbahnhof soll ein neues Stadtviertel entstehen

Zur Einordnung: Auf dem Grundstück in Mitte zwischen der Invalidenstraße, Alt-Moabit und Emma-Herwegh-Straße soll ein neues Stadtviertel entwickelt werden. Es bildet von Westen den Auftakt zum Hauptbahnhof und hat eine Fläche von ca. 32.000 Quadratmeter. Das Ziel sei es, einen Ort für die Nachbarschaft und ein neues lebendiges Quartier zu entwickeln. Dafür soll hier eine belebte Erdgeschosszone entstehen und eine stärkere Vernetzung mit der Umgebung geschaffen werden. Entstehen soll auch bezahlbarer Wohnraum, eine neue Sekundar-Schule für den Kiez sowie neue Büros für die Berliner Verwaltung.

Darüber hinaus soll der bestehende Aldi neu gebaut und vergrößert werden, um die öffentliche Nahversorgung zu stärken. Die bestehenden Gebäude sollen überwiegend zugunsten einer dichteren innerstädtischen Neuordnung weichen. Der unter Denkmalschutz stehende Urania-Vortragssaal soll dabei erhalten bleiben und in das zukünftige ULAP-Quartier integriert werden. Auch der Polizeistandort soll erweitert werden.

Anwohner-Meinung soll bei Planungen einfließen

Mehrere Planungsteams haben in den vergangenen Monaten im Rahmen eines wettbewerblichen Dialoges dafür unterschiedliche Baupläne entwickelt. Drei davon sind in die engere Auswahl gekommen. Das Gutachtergremium soll nun den besten Entwurf bestimmen. Dazu sollten auch die Meinung der Anwohner von dem Infoabend am Montag berücksichtigt werden.

Der Entwurf des Teams ISSS Research erlangte am meisten Zuspruch für sein Nachhaltigkeitskonzept. Demnach sollen die Dächer und oberen Fassaden begrünt werden, so viele Bäume wie möglich erhalten bleiben und Wasserflächen als aktive Bereiche geschaffen werden. Das stoß bei den Anwohnern auf Begeisterung. „Tolle Ideen - besonders der Schwerpunkt auf Grünflächen und Gebäudebegrünung sind eine Freude! Für alle Anwohner sicherlich eine angenehme Anpassung“, kommentierte ein Anwohner. Auch eine Abstimmung am Ende der Veranstaltung zeigte: Mit insgesamt 39 Prozent ist die Mehrheit der Teilnehmer von diesem Nachhaltigkeitskonzept überzeugt.

Entwürfe: Von Nachbarschaftszentrum bis Aussichtsterrasse

Aber auch der Entwurf des Teams BJP | Bläser Jansen Partner konnten mit ihrem Konzept im Thema „Lebendiges Quartier“ überzeugen. Im Wesentlichen verfolgen sie die Vision, ein Nachbarschaftszentrum zu errichten und viele Flächen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „Verbindung Eltern-Kind-Café und Quartiersbüro beim Urania-Saal finde ich gut“, kommentierte ein Anwohner. Jedoch würden die Häuser in der Lehrter Straße überschattet, lautet die Kritik. Der Umfrage zu folge wollen mit 72 Prozent die meisten am liebsten in diesem Wohnquartier selber leben.

Auch der Entwurf des Teams von Kepler 32/Gruppe F/Uranophil.koeln wurde von den Anwohnern für die „lebendige Nutzungen“ gelobt. Dort soll etwa eine neue Aussichtsterrasse als neues Highlight am Hauptbahnhof entstehen. Zudem solle der Urania-Saal ins Quartier mit eingebunden und für die Gemeinschaft zugänglich sein. Jedoch gab es auch viel Kritik: „Die Planung zeigt eine sehr enge Bebauung und wenig Freiraum zwischen den Baukörpern“, waren sich die Teilnehmer einig. Die kleinen Grünflächen am westlichen Ende würden neben dem „abschreckenden“ Hochhaus verloren erscheinen.

Am Ende gaben 92 Prozent der Teilnehmer an, dass sie die Veranstaltung informativ fanden. Im nächsten Schritt sollen dann im Januar Angebote der Konzeptionsteams eingeholt werden. Im April solle es dann bis 2024 mit dem Bebauungsplan weiter gehen.

In der Vergangenheit fand bereits im Rahmen des Beteiligungsprozesses ein Digitaler Infoabend und eine Ideenwerkstatt vor Ort statt.