Verkehr in Mitte

Mühlendammbrücke soll langfristig einspurig werden

Für Autos soll auf der Mühlendammbrücke in Mitte nur noch wenig Platz sein. Mit Fertigstellung der Tram wird sie dann einspurig.

Für Autos soll auf dem Neubau der Mühlendammbrücke nur noch wenig Platz sein.

Für Autos soll auf dem Neubau der Mühlendammbrücke nur noch wenig Platz sein.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Von einem der meistbefahrenen Orte Berlins soll der Autoverkehr zu großen Teilen verschwinden: Die Mühlendammbrücke in Mitte soll künftig nur noch eine Fahrbahn pro Richtung haben. Darauf haben sich die Senatsverwaltungen für Verkehr sowie Stadtentwicklung und der Bezirk Mitte geeinigt. Entsprechend wurde Auslobung für den geplanten Architektenwettbewerb verändert. Das sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) der Berliner Morgenpost. „Wir machen nun eine verkehrswendetaugliche Brücke.“

Rund 73.000 Autos fahren täglich über die Mühlendammbrücke. Doch wegen ihres schlechten Zustands muss die Spreequerung dringend erneuert werden. Geplant ist ein Abriss und Neubau. In diesem Zusammenhang wird seit knapp zwei Jahren darüber gestritten, wie breit das Bauwerk künftig noch sein muss – und welcher Verkehr darauf Platz finden muss.

Mühlendammbrücke: Das ist die geplante Spurverteilung

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Mühlendammbrücke: Streit um Entwurf für Neubau

Zuletzt hatten sich im November die von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) geführte Senatsverwaltung mit dem Bezirk Mitte und insbesondere der SPD sowie verschiedenen Organisationen und Verbänden über die Frage gestritten, nachdem die Verkehrsverwaltung den Entwurf für den Brückenneubau präsentiert hatte. Dieser sah auch künftig neben der geplanten Tramstrecke zwei Fahrstreifen pro Richtung sowie Rad- und Fußwege vor – eine deutliche Reduzierung der Kfz-Spuren zum heutigen Zustand von vier Fahrbahnen.

Das bislang autobahnähnliche Spannbauwerk käme allerdings weiterhin auf eine Breite von 39 Metern. Anders ginge es jedoch nicht, so die Sicht in Günthers Haus, denn geplant ist die neue Brücke als Ersatzneubau. Damit kann eine langwierige Planfeststellung umgangen werden, zugleich darf der Bau bei den Leistungsstandards von jenen der bisherigen Brücke nicht zu stark abweichen.

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Statt Fahrspuren könnte ein Platz mit Sitzflächen und Kiosk entstehen

Senat und Bezirk haben sich daher nun auf einen Kompromiss verständigt. Die neue Brücke wird zunächst mit zwei Kfz-Fahrbahnen und einer Busspur ausgestattet, auf denen täglich bis zu 63.000 Fahrzeuge die Spree überqueren sollen. Sobald neben der Tramverbindung zum Kulturforum in Tiergarten auch die Strecke zum Halleschen Tor in Kreuzberg in Betrieb genommen wird, soll die Busspur aufgehoben und der Autoverkehr auf einen Fahrstreifen reduziert werden, so der Plan. 2029 soll alles fertig sein.

Die auf der Brücke frei werdenden Bereiche könnten dann anders genutzt werden, so Gothe. „Die Flächen kann man für Aufenthaltsbereiche und Kioske nutzen mit Blick auf das Nikolaiviertel. Entstehen könnte ein schwebender Platz über der Spree.“ Mit dem Kompromiss ist der Stadtrat zufrieden. „Die Auslobung bietet die Perspektive, dass wir bei der Verkehrswende endlich in die Umsetzung kommen“, sagte Gothe. „Wir müssen intensiv daran arbeiten, den Kfz-Verkehr nachhaltig zu reduzieren.“

Dafür haben sich die Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung sowie der Bezirk Mitte auch auf einen neuen Fünf-Punkte-Plan verständigt. Dieser sieht vor, neben der Mühlendammbrücke auch die anderen Bereiche der historischen Mitte rund um Molkenmarkt, Rathausforum, Unter den Linden und der Leipziger Straße besser anzubinden. Dafür soll die bestehende Stadtwerkstadt um eine Verkehrswerkstatt ergänzt werden. „Ich hoffe, dass das der Auftakt ist, mit großer Ernsthaftigkeit die Verkehrswende in der Berliner Mitte zu planen“, so Gothe.

Noch offen, wie Verkehr während des Neubaus verlaufen könnte

Noch offen ist, wie genau der Verkehr während der Neubauphase der beiden Brückenteilen verlaufen könnte. Ein Konzept dazu hat Stefan Lehmkühler, Mitglied bei Changing Cities und Kandidat der Grünen für die Abgeordnetenhauswahl in Alt-Mitte, erarbeitet. Demnach könnte zunächst die südöstlich gelegene Brücke abgerissen und neugebaut werden. Darauf finden in Lehmkühlers Plänen gleich schon die beiden Tramgleise Platz sowie außen gelegen zunächst zwei und mittig ein Kfz-Streifen.

Vier weitere Spuren für den Autoverkehr sollten in dieser Bauphase auf der bestehenden Nordbrücke verlaufen. Für Fuß- und Radverkehr schlägt Lehmkühler den Bau eines provisorischen Brückenbaus nördlich davon vor. Sie würde wieder abgebaut werden, wenn auch die neue Nordwestliche Brücke fertig ist. Auf diesem deutlich schmaleren Bau könnten dann Fußgänger, Radwege, sowie ein Kfz-Streifen Platz finden. Damit ständen dann je Richtung zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Werden diese auf einen reduziert, sobald der Tramverkehr vollständig liefe, könnte der Kfz- und Tramverkehr vollständig über die Südbrücke geführt werden, so Lehmkühler. Auf der Nordbrücke bliebe dann eine 15 Meter breite Fläche für Fußgänger und Radwege.