Regierungsviertel

Platz vor dem Kanzleramt ist fertig

Die Freifläche und die Straße vor dem Bundeskanzleramt sind fertiggestellt. Weshalb sich Annemarie Renger dort wohlgefühlt hätte.

Die Freifläche zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus soll Aufenthaltsort und Versammlungsort sein.  

Die Freifläche zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus soll Aufenthaltsort und Versammlungsort sein.  

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Umgestaltung eines der zentralen Plätze im Regierungsviertel ist abgeschlossen. Die Freifläche zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus wurde am Donnerstag vorgestellt. Untermalt von bunten LED-Lichtern steigen dort seit dem Vormittag sechs weitere Wasserfontänen auf. Berlins Bausenator zeigte sich zufrieden mit der Gestaltung: „Die Fläche soll anziehend sein und Menschen dazu bewegen, hierher zu kommen“, sagte Sebastian Scheel (Linke) bei der Eröffnung des Forums sowie der angrenzenden Annemarie-Renger-Straße, die nach der ersten Präsidentin des Deutschen Bundestags benannt wurde.

Scheel denkt vor allem an Sommertage, an denen sich Besucher auf den Natursteinen zwischen den Wasserwänden bewegen. Der Platz soll aber nicht nur ein Aufenthaltsort sein. Vor dem Kanzleramt soll Politik nahbar werden. „Das Forum kann auch ein Versammlungsort sein“, so Scheel und führte weiter aus, „wir wollten eine Vermeidung von monofunktionalen und verödeten Bereichen“. Die Brunnen werden vorerst bis zum 31. Oktober laufen, ehe sie für den Winter abgeschaltet werden.

Versammlungsort statt Cafés vor dem Bundeskanzleramt

„Es ist ein Platz, an dem sich Bürgerinnen und Bürger treffen sollen“, sagte Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Selten sei der öffentliche Raum so wichtig gewesen wie in diesen Zeiten, so Bohle weiter. „Es ist auch ein Raum, in dem man sich relativ frei in diesen schwierigen Zeiten bewegen kann.“

Brunnen vor dem Kanzleramt
Brunnen vor dem Kanzleramt

Ursprünglich war an der Stelle ein geschlossenes Bürgerforum vorgesehen. Die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank entwarfen das sogenannte Band des Bundes, eine 900 Meter lange Anordnung von Gebäuden im Regierungsviertel. Zwischen dem Paul-Löbe-Haus und dem Bundeskanzleramt sahen sie ein verbindendes Element vor. Ein Gebäude mit Galerien, Geschäften und Cafés sollte für Belebung im Regierungsviertel sorgen. Verwirklicht wurde der 27 Jahre alte Entwurf aber nie – wegen einer Straße.

Seit Jahren gibt es Versuche, eine Straße nach Renger zu benennen

Denn zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus ist die provisorische zu einer richtigen Straße ausgebaut worden – und nach Annemarie Renger benannt worden. „Ich bin begeistert“, sagte deren Enkelin Claudia Schick. Seit zwölf Jahren habe sie versucht, eine Straße in Berlin nach ihrer Großmutter benennen zu lassen.

Nun sei sie gerührt, dass ausgerechnet dieser 120 Meter lange Straßenabschnitt im Regierungsviertel den Namen von Annemarie Renger trage. Umgeben ist sie von der Paul-Löbe-Allee, der Otto-von-Bismarck-Allee, der Konrad-Adenauer-Straße und der Willy-Brandt-Straße. „Und genau in der Mitte ist Annemarie Renger“, sagte Staatssekretärin Bohle. „Sie hätte sich da durchaus wohlgefühlt.“

Bezirk will mehr Straßen nach Frauen benennen

Die Benennungen von Straßen ist in Berlin Aufgabe der Bezirke. Bereits im August hat das Bezirksamt Mitte beschlossen, die Straße nach Annemarie Renger zu benennen. „Es bestehen seitens des Polizeipräsidenten, der zuständigen Straßenverkehrsbehörde sowie der Fachabteilungen keine Bedenken oder Einwände gegen diese Benennung“, hieß es damals beim Bezirksamt. Mittes Bezirksstadträtin für Straßen und Grünflächen, Sabine Weißler (Grüne), ließ am Donnerstag nochmals tiefer in den Entscheidungsprozess blicken.

Es gebe im Bezirk Mitte die Regel, dass mehr neue Straßen nach Frauen benannt werden müssen. Vor allem im Regierungsviertel dominierten die Namen männlicher Politiker. „Wir haben diese Straße genutzt, um eine dringende Korrektur zu vollziehen“, so Weißler. Mit Annemarie Renger als Präsidentin des Deutschen Bundestags habe sich etwas grundlegend geändert. Sie sei eine „Möglichkeitenschafferin“ gewesen.

Umbaumaßnahmen kosteten rund 4,2 Millionen Euro

Die Bauarbeiten für die Straße und die Freiflächen dauerten ein Jahr. Dabei ist die Straße auf 17,50 Meter verbreitert worden. Außerdem erhielt sie zwei Meter breite Radfahrstreifen. Daneben entstanden nochmals 3,50 Meter breite Gehwege. Der Platz ist um die Wasserwände ergänzt worden. Zudem ist die Beleuchtung auf LED umgestellt worden.

Insgesamt kostete der Umbau der Freifläche inklusive des Straßenbaus rund 4,2 Millionen Euro. 64 Prozent davon übernahm der Bund, 36 Prozent das Land Berlin. „Das sind alles Mittel, die der deutsche Steuerzahler aufbringt“, so Bohle. „Deswegen ist es auch richtig, dass wir alles davon in einen demokratischen Raum umsetzen.“