BVV in Berlin-Mitte

Mohrenstraße in Mitte soll umbenannt werden

Die BVV in Mitte hat am Donnerstagabend beschlossen, die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umzubennen.

Nach Rassismus-Kritik: Berliner Mohrenstraße wird umbenannt

Nach Rassismuskritik soll die Mohrenstraße im Berliner Bezirk Mitte umbenannt werden. Sie soll künftig den Namen des ersten bekannten Philosophen afrikanischer Herkunft in Deutschland tragen.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Die Mohrenstraße in Mitte soll in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt werden. Das hat die Bezirkverordnetenversammlung (BVV) Mitte am Donnerstagabend beschlossen, wie die SPD Berlin Mitte beim Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Die Mehrheit der BVV aus SPD und Grünen habe das Bezirksamt in einem Antrag aufgefordert, den "Prozess zur Umbennennung unverzüglich einzuleiten", heißt es in dem Tweet.

Die CDU-Fraktion Berlin-Mitte kritisierte in einer Mitteilung am Freitag, dass eine Bürgerbeteiligung nicht vorgesehen sei und Anwohner lediglich informiert werden würden. "Offenbar scheut man das nahende Wahljahr und den Unmut der Anwohnerinnen und Anwohner in Mitte", heißt es darin.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion Mitte, Sebastian Pieper, erklärte: „Rot-Grün hat mit dieser Hauruck-Aktion erneut gezeigt, dass Bürgerbeteiligung für sie nur dann von Gewicht ist, wenn ihnen das Ergebnis passt."

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Mitte, Olaf Lemke, teilte mit, statt einer Umbenennung unterstütze die Fraktion das Vorhaben, einen Lern- und Gedenkort zu deutscher Kolonialgeschichte und seiner Rezeption zu schaffen. "Ohne die Aufgeregtheiten einer unsachlichen Diskussion könnte Geschichte so vermittelt, anstelle von getilgt werden“, so Lemke.

Mohrenstraße in Berlin - mehr zum Thema:

Mohrenstraße soll nach Anton Wilhelm Amo benannt werden

SPD und Linke hatten vor dem Beschluss für eine Umbenennung geworben. Regina Kittler von der Linke-Fraktion betonte, es gehe um das Beseitigen rassistischer Bezeichnungen. Deshalb unterstütze sie eine Umbenennung.

Die Bezeichnung Mohr sei diskriminierend, erklärte auch Sebastian Walter von den Grünen. Er begrüßte die Pläne der Bezirksverordnetenversammlung in Mitte, der Straße einen neuen Namen zu geben. Der Vorwurf, dadurch solle Geschichte getilgt werden, laufe ins Leere, sagte er. Seine Fraktion unterstütze deshalb den Vorschlag, die Straße nach Anton Wilhelm Amo, dem ersten schwarzen Gelehrten in Deutschland, zu benennen. Dafür hatte sich auch Kittler ausgesprochen. Das Plenum überwies den Antrag an die zuständigen Ausschüsse.

Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG hatten Anfang Juli zunächst angekündigt, den Stationsnamen Mohrenstraße in Glinkastraße umzubenennen. Nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) ist eine Straße benannt, die nahe der U-Bahn-Station auf die Mohrenstraße trifft. Nach Vorwürfen, Glinka sei Antisemit gewesen, pfiff der Senat die BVG jedoch zurück.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die auch Vorsitzende des BVG-Aufsichtsrates ist, forderte ein "offenes Verfahren" unter Beteiligung von Verbänden, Initiativen und Anrainern. Über die Umbenennung der Mohrenstraße selbst diskutiert aktuell der Bezirk Mitte.