Historisches Zentrum

Wie sich das Nikolaiviertel verändern könnte

Das Bezirksamt hat ein 20-seitiges Papier mit denkbaren Plänen für den historischen Kern Berlins veröffentlicht.

Eine Radfahrerin fährt  vor der Nikolaikirche vorbei.

Eine Radfahrerin fährt vor der Nikolaikirche vorbei.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Das Gerüst an der Turmfassade der Nikolaikirche, das am Freitag aufgebaut worden ist, deutet es an: Im Nikolaiviertel wird in den kommenden Monaten und Jahren viel passieren. Ähnlich wie deren Fassade, die bis zum Jahresende saniert werden soll, soll auch das Gebiet um die Kirche herum für die Zukunft gerüstet werden. Erste Pläne und mögliche Maßnahmen haben Mitarbeiter des Bezirksamts Mitte im 20-seitigen Papier „Quartiersvision Nikolaiviertel“ zusammengetragen.

Nun haben die Stadträte in einer Sitzung beschlossen, das Schriftstück der Öffentlichkeit vorzulegen. Erklärtes Ziel ist es, das Viertel bis 2027 städtebaulich aufzuwerten, dementsprechend den öffentlichen Raum zu entwickeln und in Grünflächen zu investieren. Bis dahin soll das älteste Siedlungsgebiet der Stadt, der Geburtsort Berlins, auch wieder an Bedeutung gewinnen.

Historisches Flair soll beibehalten werden

Das Museum Ephraim-Palais, das Lessinghaus oder die Statue des Heiligen Georg am Spreeufer - für viele Menschen ist das Nikolaiviertel ein touristischer Ort. Allerdings ist es auch von Wohnen und Gewerbe geprägt. Rund 1200 Menschen leben dort. Ein Journalist nannte die Wohnsituation einmal ein „Plattenbauviertel im Altstadtgewand“.

Dieses Image soll sich aber mit der Umsetzung der Quartiersvision ändern. Zwar soll die Mischung aus Tourismus, Kultur, Gewerbe und Wohnen den Plänen nach künftig erhalten werden - aber mit einigen Verbesserungen. Dafür gibt es verschiedene Überlegungen, die insgesamt acht Bereiche des Lebens im Nikolaiviertel betreffen.

Beispielsweise sollen wie die Nikolaikirche weitere Gebäude saniert werden, um das altertümliche Flair im Viertel beizubehalten, heißt es unter dem Abschnitt Atmosphäre. In dem steht auch: „Das Nikolaiviertel soll ein Ort sein des Wohlbefindens, der Kultur und Unterhaltung und des Entspannens.“ Um das zu garantieren, soll auch die Fußgängerzone erhalten bleiben.

Steigende Lebensqualität für die Bewohner ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, den das Papier berücksichtigt. In den kommenden Jahren könnte das Nikolaiviertel komplett barrierefrei werden. Außerdem soll der Quartiersvision zufolge die Vielfalt im Viertel gefördert werden. Das Wohngebiet soll für junge und alte Menschen interessant sein, ebenso für Familien, Alleinstehende oder Anwohner, die Wohngemeinschaften gründen wollen. Als möglicher Treffpunkt der Anwohner soll ein Wochenmarkt, der auch Touristen und Anwohner umliegender Viertel anziehen soll, etabliert werden. Ferner soll der graue Beton in Hinterhöfen und Müllstandplätze verschwinden und Grünflächen weichen, die dem Viertel ein schöneres Erscheinungsbild geben.

Das Viertel soll für Touristen lebendiger werden

Um dem Viertel den derzeitigen Museumscharakter zu nehmen, soll es vor allem für Touristen lebendiger gestaltet werden. Deshalb könnte schon bald ein öffentliches Wlan im Nikolaiviertel eingerichtet werden. Die Überlegungen reichen dahin, dass mithilfe digitaler Medien die Geschichte des Gebiets erfahrbar werden soll. Für Menschen, die weniger im Umgang mit Smartphones geübt sind, sollen mehr Schautafeln die Historie des Nikolaiviertels erzählen. Außerdem sollen zusätzliche Bänke, Fahrradständer und eine öffentliche Toilette aufgestellt werden, die das Viertel für die Menschen, die hier flanieren wollen, lebenswerter machen.

Um die Kultur besser in die Umgebung einzubinden, könnten auch Bezüge zur Umgebung, etwa dem Humboldt Forum oder dem DDR-Museum geschaffen werden. Wie die genau aussehen sollen, ist aber bislang noch unklar.

In den kommenden Monaten wollen Interessensgruppen und das Bezirksamt zudem ein Freiraum und Verkehrskonzept für den Bereich im und um das Nikolaiviertel erarbeiten. Den Wasserstraßen könnte neben dem öffentlichen Personennahverkehr eine zentrale Rolle zukommen. Auch Fahrräder und Elektroscooter sind der Quartiersvision zufolge berücksichtigt.

Diese Überlegungen beziehen sich auf eine Fragebogen-Aktion aus dem vergangenen Jahr. Anwohner, Gewerbetreibende und Interessierte an dem Nikolaiviertel konnten sich mit Wünschen und Anregungen zur Gestaltung ihrer Umgebung einbringen. Nach Angaben des Bezirksamts beteiligten sich rund 80 Personen an der Aktion. Auf deren Grundlage fanden dann zwischen Oktober und Dezember drei öffentliche Veranstaltungen mit jeweils 50 Besuchern statt, bei denen die ersten Ergebnisse vorgestellt und weiterdiskutiert wurden.

Die Mühlendammbrücke wird neu gebaut

Um Berlins historische Mitte herum ändert sich in den kommenden Jahren ohnehin viel. Die Mühlendammbrücke neben dem Nikolaiviertel soll ab dem Jahr 2022 neu gebaut werden. Auch das Stadtquartier am Molkenmarkt wird neu errichtet. Außerdem wären da noch die berühmten Baustellen des Humboldt Forums und der U-Bahnlinie U5. Weil all diese Bauarbeiten rund um das Nikolaiviertel teilweise noch bis zu zehn Jahre andauern können, sollen in dem Konzept für das Viertel rund um die Nikolaikirche auch Maßnahmen zum Schutz vor Baulärm getroffen werden.

Schließlich handelt es sich um ein historisches Viertel: Die heutige Mühlendammbrücke war ab 1220 Keimzelle der spätmittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln, die . Die Stadtgeschichte Berlins im Jahr 1237 mit der Erwähnung der Nikolaikirche in Berlin und der Petrikirche in Cölln. 1307 wurden die beiden Orte zu Berlin-Cölln vereint. Der Name Nikolaiviertel, abgeleitet von der Kirche wird seit 1727 verwendet. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Viertel fast vollends zerstört. Erst im Jahr 1987 wurde die Neubebauung des Viertel angesichts des 750-jährigen Jubiläums Berlins abgeschlossen. Im Jahr 2018 ist das Nikolaiviertel unter Denkmalschutz gestellt worden.