U-Bahn

Was wird aus dem U-Bahnhof Französische Straße?

Der U-Bahnhof Französische Straße wird Ende des Jahres überflüssig. Von Club, Bar bis zur Galerie - was dort entstehen könnte.

Ein Blick in den U-Bahnhof Französische Straße. Er soll demnächst stillgelegt werden. Nun gibt verschiedene Vorschläge für eine zukünftige Nutzung.

Ein Blick in den U-Bahnhof Französische Straße. Er soll demnächst stillgelegt werden. Nun gibt verschiedene Vorschläge für eine zukünftige Nutzung.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Sobald Ende des Jahres der künftige Vorzeigebahnhof Unter den Linden eröffnet wird und die Linien der U6 und der U5 verbindet, hat die Haltestelle Französische Straße ein paar Hundert Meter weiter ausgedient. Nun gibt es Überlegungen, den U-Bahnhof aber weiterhin zu nutzen, etwa als Club, Café oder gar als Logistik-Hub mitten in der Stadt.

Vor einigen Jahren schien es, nachdem der Bau des U-Bahnhofs Unter den Linden nur noch eine Frage der Zeit war, beschlossen, dass die Haltestelle Französische Straße abgerissen wird. Der damalige Vorstand des Berliner Fahrgastverbandes nannte das einen „Kollateralschaden“. Doch der Denkmalschutz schritt ein. Ohne Weiteres darf der 1923 gebaute Bahnhof nicht beseitigt werden.

Bald könnten unterirdisch die Bässe wummern

Also Umdenken, alternative Lösungen suchen. Mehr als zehn Jahre später wurden sie noch nicht gefunden. Aber die Fraktionen von Grünen und Linken der Bezirksverordnetenversammlung Mitte (BVV) haben in der Sache wieder Redebedarf. Sie ersuchen das Bezirksamt, sich für eine „kulturelle Nachnutzung“ des U-Bahnhofs gegenüber dem Senat einzusetzen. Damit wollen sie einen runden Tisch mit Vertretern der BVG, der Politik und Kennern der Kulturszene anstoßen. In dem Antrag machen sich Grüne und Linke für einen unterirdischen Club stark. Mitinitiator Frank Bertermann (Grüne) spricht von einer „geilen Location“.

In seiner Vorstellung könnten unterirdisch die Bässe wummern, während in kurzen Abständen, die U-Bahnen vorbeirattern. Natürlich müssten sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Damit kein betrunkener Partygast auf die Gleise fallen kann. Wie Bertermann sagt, müsse es nicht unbedingt ein Techno-Club sein. Es könnte auch ein attraktiver Ort für Kunstausstellungen werden, vor allem in Anbetracht des Galerie-Sterbens in Berlin. Und dann ist da eben auch die Clubszene, die unter Druck steht. Nicht nur derzeit wegen des neuartigen Coronavirus.

Darüber macht sich Sven Diedrich (Linke) Gedanken. Ihm schwebt vor, Trennwände an den Gleissteigen hochzuziehen, um die vorbeirauschenden Züge abzutrennen, Sicherheit zu gewährleisten. „Eine kulturelle Nutzung des U-Bahnhofs wäre eine große Bereicherung für die Gegend“, sagt Diedrich. Außerdem: Es wäre eben ein Club unter der Erde – inmitten der Hauptstadt. Mehr Anziehungskraft gehe nicht. Einer, der sich in der Vergangenheit ebenfalls mit dem Thema befasst hat: Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne). Er hat vor einem Jahr einen Ideenwettbewerb für die Zukunft des U-Bahnhofs vorgeschlagen. „Ich sehe die Chance, hier an zentraler Stelle etwas aus meiner Sicht einmaliges zu schaffen“, sagt er der Berliner Morgenpost.

Es sei auch eine Chance, zu zeigen, dass die Stadt mehr als ein weiteres „langweiliges Einkaufscenter“ bauen könne. Von Dassel kann sich ein Café in der U-Bahn-Station vorstellen, aber auch eine Bar oder ein Gewerbe. „Ich finde die Idee so inspirierend, dass sich die Mühe eines Ideenwettbewerbs lohnt“, sagt er. Während die Politik noch sinniert, hat Stefan Lehmkühler den Bahnhof ausgemessen. „Man könnte eine Hälfte wegnehmen und durch ein weiteres Bahngleis ersetzen“, sagt der Mann vom Verein Changing Cities.

Lehmkühler denkt die Stadt der Zukunft - mit einem Logistik-Hub unter der Französischen Straße. Auf dem dritten Gleis könnten Güter angeliefert werden, die auf Lastenräder verladen werden. Geliefert wird so aus der Mitte der Stadt. Als kleines Extra für neugierige Blicke von Oberirdischen könnte ein transparentes Dach eingebaut werden. „Es gibt eine Infrastruktur der BVG, die muss aber nicht nur für die Personenbeförderung genutzt werden“, meint Lehmkühler.

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Club, Bar, Café, Logistik-Hub – bei den vielen Vorstellungen, sollte man auch den Gastgeber fragen: die BVG. Ihr gehört der U-Bahnhof. Und da die U6 auch weiterhin durchfahren wird, ist die Gesellschaft nicht im geringsten daran interessiert, die Räumlichkeit zu verkaufen.

Sobald der U-Bahnhof Unter den Linden eröffnet wird, soll die Station Französische Straße als Notausstieg dienen. Das sagt Pressesprecherin Petra Nelken. Sie wisse, dass es sich bei dem U-Bahnhof um einen tollen Standort für Veranstaltungen handeln könnte, aber ihre Passagiere seien der BVG wichtiger. „Wegen des Brandschutzes kann man nicht einmal eine Küche einbauen“, sagt die BVG-Sprecherin. Ist die letzte Station ein Geisterbahnhof? Mit einem klaren „Nein“ antwortet die Pressesprecherin nicht. Wenn es Möglichkeiten gebe, Brandschutz und Sicherheit mit einer alternativen Nutzung zu verbinden, könne man aber über eine andere Verwendung reden.

Beide Bezirksverordneten wissen, dass sie wenig Mitspracherecht haben. Sie können Ideen anbringen. Ob die umgesetzt werden, können sie nicht mehr steuern. Einer, der sich in der Vergangenheit mit dem Thema befasst hat, sitzt ebenfalls nicht am entscheidenden Hebel. Er hat aber mehr Befugnisse als die BVV: Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hat vor einem Jahr einen Ideenwettbewerb für die Zukunft des U-Bahnhofs vorgeschlagen. „Ich sehe die Chance, hier an zentraler Stelle etwas aus meiner Sicht einmaliges zu schaffen“, sagt er der Berliner Morgenpost. Es sei auch eine Chance, zu zeigen, dass die Stadt mehr als ein weiteres „langweiliges Einkaufscenter“ bauen könne. Von Dassel ist es, der sich auch – wie eingangs beschrieben – ein Café vorstellen kann, aber auch eine Bar oder ein Gewerbe. „Ich finde die Idee so inspirierend, dass sich die Mühe eines Ideenwettbewerbs lohnt.“

Doch während die Politik Ideen wild zusammenwürfelt, hat Stefan Lehmkühler den Steig im U-Bahnhof ausgemessen. „Man könnte eine Hälfte wegnehmen und durch ein weiteres Bahngleis ersetzen“, sagt der Mann vom Verein Changing Cities. Lehmkühler denkt die Stadt der Zukunft - mit einem Logistik-Hub unter der Französischen Straße. Auf dem dritten Gleis könnten Güter angeliefert werden, die auf Lastenräder verladen werden. Geliefert wird so aus der Mitte der Stadt. Als kleines Extra für neugierige Blicke von Oberirdischen könnte ein transparentes Dach eingebaut werden. „Es gibt eine Infrastruktur der BVG, die muss aber nicht nur für die Personenbeförderung genutzt werden“, sagt Lehmkühler.

Der U-Bahnhof Französische Straße wird zum Geisterbahnhof

Club, Bar, Café, Logistik-Hub – bei den ganzen Vorstellungen der Gäste, sollte man auch einmal auf den Gastgeber starren: die BVG. Ihr gehört der U-Bahnhof. Und da die U6 auch weiterhin durchfahren wird, ist die Gesellschaft nicht einmal im geringsten daran interessiert, die Räumlichkeit zu verkaufen. Das sagt Pressesprecherin Petra Nelken. Ihr Vorgänger sagte einst: „Wir planen keinen neuen Geisterbahnhof.“

Das war der U-Bahnhof schon von 1961 bis 1990. Nun aber sieht es danach aus, als würde die BVG in dieser Sache nicht Wort halten können. Sobald der U-Bahnhof Unter den Linden eröffnet wird, dient die Station Französische Straße als Notausstieg. Damit verbunden wird sie zum Geisterbahnhof. Nelken wisse, dass es sich um einen tollen Standort für Veranstaltungen handeln könnte, aber ihre Passagiere seien der BVG wichtiger. „Wegen des Brandschutzes kann man nicht einmal eine Küche einbauen“, sagt Nelken. Ist die letzte Station ein Geisterbahnhof? Mit einem klaren „Nein“ antwortet sie nicht. Wenn es Möglichkeiten gebe, Brandschutz und Sicherheit mit einer alternativen Nutzung zu verbinden, könne man theoretisch darüber reden.