Humboldt Forum

Spender wehren sich gegen „öde Steinwüste“

Unterstützer des Fördervereins appellieren an den Regierenden Bürgermeister, das Umfeld „ästhetisch“ zu gestalten.

Der Siegerentwurf für die Gestaltung rund um den Neubau des Berliner Schlosses, das künftige Humboldt-Forum.

Der Siegerentwurf für die Gestaltung rund um den Neubau des Berliner Schlosses, das künftige Humboldt-Forum.

Foto: bbz landschaftsarchitekten / picture alliance / dpa

Berlin. Im Herbst 2020 soll das Humboldt Forum im Berliner Schloss in Mitte schrittweise eröffnet werden – doch das Schlossumfeld wird dann noch längst nicht fertig sein. Doch nicht nur die Tatsache, dass das Umfeld noch für lange Zeit Baustelle bleiben wird, sorgt für Verdruss bei den Schlossfreunden – auch außerhalb der Hauptstadt. In einem Brief, der der Berliner Morgenpost vorliegt, appellieren die Freundeskreise im Förderverein Berliner Schloss an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), für einen zügigen Baufortschritt – und vor allem eine „ästhetische Gestaltung“ des Schlossumfeldes zu sorgen.

In dem Schreiben erinnern die Sprecher der Freundeskreise Köln, Bonn und Düsseldorf den Regierenden Bürgermeister daran, dass das „nationale Kulturprojekt bekanntlich vom deutschen Steuerzahler und von zahlreichen Spendern in ganz Deutschland“ finanziert werde. Insgesamt 100 Millionen Euro hat der Förderverein an privaten Spenden eingesammelt. Die restlichen fünf der insgesamt zugesagten Spendensumme in Höhe von 105 Millionen Euro soll im Laufe dieses Jahres abgeliefert werden. Die rheinischen Freundeskreise hätten dazu im Laufe der vergangenen Jahre insgesamt rund vier Millionen Euro beigetragen, schreiben Arnd Böhme (Freundeskreis Köln und Bonn) sowie Ulf Doepner (Freundeskreis Düsseldorf).

"Besonderes Beispiel von Politversagen"

Berlin erhalte mit dem Schloss gleich in zweifacher Hinsicht ein großartiges Geschenk, erinnern die beiden Unterzeichner des Briefes den Regierenden Bürgermeister: Die Wiedergewinnung der stadtarchitektonischen Mitte durch das Schloss und das Humboldt Forum, das als ein modernes Museum der Weltkulturen die Museumsinsel ergänzt.

„Angesichts dessen fragt sich allerdings alle Welt, welchen Beitrag Berlin zur angemessenen Gestaltung des Schlossumfeldes leistet“, fahren Böhme und Doepner fort. Mit dem Baufortschritt am Schlossplatz gehe seitens des Senats keine projektadäquate, zeitlich parallele Gestaltung des Schlossumfeldes einher, so ihr Vorwurf. Und noch viel schlimmer: Nach wie vor halte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher – „offenbar mit Ihrer Billigung“ – an dem Konzept „öde Steinwüste“ fest und widersetze sich einer Rückführung des Neptunbrunnens und der Rossebändiger. Engagierten Bürgern werde so „bedauerlicherweise ein besonderes Beispiel von Politversagen präsentiert, gekennzeichnet durch Unvermögen und Undankbarkeit“.

Streit um den Neptunbrunnen in die Zukunft verlegt

Seit Jahren wird in Berlin um die Rückführung des Neptunbrunnens von seinem gegenwärtigen Standort zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus auf den Schlossplatz gestritten. Auslöser des Streits war 2015 die überraschende Zusage des Bundes, zehn Millionen Euro für die Sanierung und Umsetzung der von Reinhold Begas 1888–1891 im Stil des Neobarocks geschaffenen Brunnenanlage an ihren historischen Standort vor dem Berliner Schloss überweisen.

Dabei hatte sich der Berliner Senat zu dem Zeitpunkt noch gar nicht entschieden, ob er das überhaupt möchte. Im Siegerentwurf für die Gestaltung des Schlossumfeldes, den das Büro „bbz Landschaftsarchitekten“ gewonnen hatte, sind weder Neptunbrunnen noch die Rossebändiger, die seit 1945 im Kleistpark in Schöneberg stehen, berücksichtigt. Allerdings hat der Berliner Senat eine spätere Rückführung der Skulpturen und des Brunnens nicht ausgeschlossen – die baulichen Voraussetzungen dafür wurden berücksichtigt.

Arnd Böhme und Ulf Doepner schließen ihren Brief mit einem dringenden Appell an den Regierenden Bürgermeister: „Übernehmen Sie aktiv die politische Verantwortung für eine ästhetisch und historisch adäquate Schlossumfeldgestaltung, machen Sie das Thema zur Chefsache“. Andernfalls laufe Berlin erneut Gefahr, im Herbst anlässlich der Eröffnung des Humboldt Forums aller Welt „ein weiteres Beispiel der Inkompetenz Berlins im Umgang mit Großprojekten zu liefern“.

Verleger Burda spendet Sandsteinskulpturen

Trotz der Kritik vieler Schlossfreunde an der Außengestaltung ist die Spendenbereitschaft für die Schlossrekonstruktion weiter hoch. Am kommenden Donnerstag werden der Verleger Hubert Burda und sein Sohn Jacob die gespendeten Sandsteinskulpturen auf den Kapitellen des Triumphbogens enthüllen.

Für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses sind 615 Millionen Euro veranschlagt. Davon trägt der Bund 483 Millionen Euro, das Land Berlin 32 Millionen Euro. Weitere 105 Millionen Euro für die historische Ausgestaltung sollen durch private Spenden zusammenkommen.

Das 40.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassende Humboldt Forum soll von September an in drei Phasen eröffnet werden - ein Jahr später als ursprünglich geplant. Nutzer sind die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Zudem sollen Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft vermittelt werden.

Weite Teile des Forums werden in den ersten drei Jahren keinen Eintritt kosten. Für den Bund ist das ein Pilotprojekt. Berlin will für seinen Teil des Forums jedoch Eintritt verlangen.