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„Cube Berlin“ – Europas schlauestes Gebäude geht in Betrieb

Der „Cube Berlin“ am Hauptbahnhof ist fertig. In Kürze ziehen die ersten Mieter ein – und können mit dem Handy alle Funktionen steuern.

Markante Glasfassade: Der „Cube Berlin“ am Hauptbahnhof. 

Markante Glasfassade: Der „Cube Berlin“ am Hauptbahnhof. 

Foto: jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Angeblich ist es das schlaueste Gebäude Europas, das da am Dienstag am Berliner Hauptbahnhof eröffnet wurde. So bezeichnet zumindest der Bauherr CA Immo das würfelförmige Gebäude mit der markanten Glasfassade auf dem Washingtonplatz vis-à-vis vom Kanzleramt. Ob dieses Versprechen tatsächlich eingelöst werden kann, wird sich allerdings erst in den nächsten Wochen zeigen – dann nämlich, wenn die ersten Mieter in den „Cube Berlin“ eingezogen sind.

3800 Sensoren, die im gesamten Gebäude verteilt sind, sollen dafür sorgen, dass sich das Gebäude selbstregelnd auf die Bedürfnisse seiner Nutzer einstellt. So bekommt jeder Nutzer des Hauses eine App für sein Handy. Künftig kann er dann vom Handy aus kontrollieren, ob in der Tiefgarage noch ein Platz frei ist, das Konferenzzimmer in der Nordostecke seiner Etage schon belegt und ob seine angekündigten Besucher möglicherweise schon vor ihm eingetroffen sind.

Cube Berlin - Solarbeschichtung sorgt auch im Sommer für angenehmes Raumklima

Lüftung und Raumtemperatur registrieren zudem die Benutzervorlieben und regeln sich automatisch auf die gewünschten Werte ein. „Die Personenerfassung erfolgt über Wärmesensoren“, sagt Matthias Schmidt, Leiter der Development Deutschland der CA Immo. Wird das Handy für die individuelle Erkennung freigeschaltet, kann der Nutzer zudem noch schauen, ob die Chefin schon da ist – und umgekehrt. „Das geschieht aber nur freiwillig“, versichert Diekow. Ob sich diese „Big Brother“-Anwendung tatsächlich durchsetzt, wird sich zeigen.

Wichtig ist die maximale Digitalisierung auch für die Energieeffizienz des Gebäudes. „Bei der Entwicklung der Glasfassade, die aus knapp 2000 individuellen Paneelen besteht, haben wir eine Weltpremiere zu vermelden“, sagt Torben Østergaard vom dänischen Architekturbüro 3XN, nach dessen Plänen das Gebäude errichtet wurde. Eine spezielle Solarbeschichtung des Glases sorge dafür, dass die Innenräume sich im Sommer nicht aufheizen. Dieser Effekt werde durch einen automatischen, im Fassadenzwischenraum liegenden Sonnenschutz noch unterstützt.

Durch den Einsatz weiterer technischer Innovationen sei es gelungen, nicht nur die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) um mehr als 25 Prozent zu unterschreiten. Gut 50 Prozent der gesamten vom Gebäude genutzten Primärenergie würden zudem durch Wärmerückgewinnung und unter dem Einsatz der Solaranlage auf dem Dach direkt im Gebäude erzeugt.

Baubeginn des Cube Berlin verzögerte sich um Jahre

Ob es sich bei Cube wirklich um das intelligenteste Haus des Kontinents handelt oder die Macher den Mund zu voll genommen haben, muss sich also erst noch erweisen. Eins jedoch ist schon heute sicher: Der „Cube Berlin“ mit seinen schroffen Vor- und Rücksprüngen in der Glasfassade ist ein echter Hingucker, den schon vor seiner feierlichen Eröffnung am Dienstagabend mehrere hundert Hobby-Fotografen in den sozialen Medien gepostet haben. Dabei ist die gefaltete Glasfassade keine reine optische Spielerei, sondern schafft neben den positiven Klimaeffekten in allen zehn Obergeschossen auch noch Platz für jeweils einen großen Balkon, die über eine ganze Gebäudeseite läuft.

>>> Hintergrund: Die Großbaustellen der Hauptstadt - So verändert sich Berlin <<<

Den spektakulären Würfel mit der Kantenlänge von 42,5 mal 42,5 mal 42,5 Metern haben die Dänen bereits 2009 entworfen – damals waren sie als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Dass es dann noch acht Jahre dauerte, bis 2017 endlich mit dem Bau begonnen wurde, hatte viele Ursachen. Die wichtigste: Weil sich der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn, der das Gebäude eigentlich als neue Konzernzentrale beziehen wollte, dann doch dafür entschied, im Bahn-Tower am Potsdamer Platz zu bleiben, fehlte auf einmal der Mieter – und obendrein waren Büroflächen in der Hauptstadt noch längst nicht so gefragt wie heute.

Beeindruckender Panoramablick über die Dächer Berlins

Als sich die CA Immo dann dafür entschied, das Gebäude spekulativ, das heißt ohne bereits vor dem Baubeginn feststehenden Mieter zu errichten, hatte sich die wirtschaftliche Lage vollständig gedreht, Berlin erlebte einen Boom. Statt eines Einzelmieters ziehen nun gleich fünf Nutzer in die zehn Büroetagen – darunter nicht nur Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen, sondern auch die Deutsche Bahn mit ihrer Personalabteilung. Im Erdgeschoss ist Coffee Fellows Generalmieter und wird dort verschiedene Gastronomiekonzepte anbieten, die auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können.

Die Dachterrasse, von der aus Besucher einen beeindruckenden Panoramablick über den Spreebogen und auf das Kanzleramt haben, bleibt dagegen den Mietern vorbehalten. Die Luxusbüros haben allerdings auch ihren Preis. Im Durchschnitt liege die Miete bei 35 Euro je Quadratmeter, sagt Schmidt. Das Investitionsvolumen des Gebäudes belaufe sich auf 100 Millionen Euro. CA Immo ist übrigens längst nicht mehr Eigentümer des Cube Berlin, Nuveen Real Estate, ein großer institutioneller Fondsmanager, hat das Gebäude erworben.

Unterdessen gab die Deutsche Bahn am Dienstag bekannt, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft des Cube das schon seit Längerem geplante Coworking-Angebot an den Start geht. In der zehnten Etage der Bügelbauten des Hauptbahnhofs stehen 1500 Quadratmeter Bürofläche mit 300 Arbeitsplätzen zur Verfügung. Kunden könnten diese für wenige Minuten, ganze Tage oder längerfristig buchen. Unter der Marke „Everyworks“ solle langfristig ein „breites Netzwerk“ aus Standorten auch in anderen Großstädten ausgebaut werden. „Wir wollen unsere Bahnhöfe noch attraktiver machen. Das Coworking-Angebot ist unsere Antwort auf den schnell wachsenden Bedarf an Mobilität und modernen Arbeitswelten. Unser Vorteil: Unsere Stationen liegen mitten in der Stadt. Unsere Gäste können ihren Aufenthalt am Bahnhof so angenehm und produktiv nutzen“, so Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB-Tochter Station&Service.