Berliner Museen

Die spannende Welt von James Bond im Spionagemuseum

Das bei Touristen und Schulklassen beliebte Spionagemuseum hat seine Dauerausstellung mit neuen Exponaten und Infografiken erweitert.

Europas größtes Spionagemuseum betritt man durch eine Sicherheitsschleuse, wie es sie an jedem Flughafen auf der Welt gibt. Es geht vorbei an einer Wand aus Dutzenden Monitoren, die Überwachungsbilder aus Metropolen wie London, New York, Moskau oder Berlin simulieren. Auf rund 3000 Quadratmetern erfahren Besucher in insgesamt 14 Stationen alles vom „zweitältesten Gewerbe der Welt“, wie Museumsgründer Franz-Michael Günther die Spionage bezeichnet.

Die Ausstellungsstücke reichen von Darstellungen der ersten ägyptischen Chiffren bis zu aktuellen Fragen der Datensicherheit. Der 54-Jährige arbeitete mehr als zwölf Jahre an der Verwirklichung seiner Idee eines Spionagemuseums für Berlin. 2015 war es soweit. Das mit Spannung erwartete Haus eröffnete in Nachbarschaft zum Dalí-Museum seine Pforten. Nun präsentiert die Institution eine überarbeitete Dauerausstellung mit neuen Exponaten und frischen Infografiken.

Spionagemuseum: 650 Exponate mit spannenden Geschichten

Günther glänzt bei einem Rundgang durch die zwei Etagen mit seinem enzyklopädischen Fachwissen, seine Leidenschaft für das Thema ist deutlich spürbar. Zu beinahe jedem der mittlerweile rund 650 Exponate, die das Museum im Bestand hat, weiß er eine spannende Geschichte zu erzählen. Etwa zu der in einem Berliner Garten gefundenen, rostigen Verschlüsselungsmaschine „Enigma“. Daneben steht ein baugleiches, allerdings funktionsfähiges Gerät, mit dem Wehrmacht und SS ihre Befehle während des Zweiten Weltkriegs kodierten. Aus der weltweit einmaligen Sammlung von Detlev Vreisleben, einem Ingenieur und Spezialisten für Nachrichtendiensttechnik, stammen zahlreiche neue Ausstellungsstücke wie eine CIA-Schlüsselanhängerkamera oder eine Lippenstiftkamera des ehemaligen Geheimdienstes der DDR, der Staatssicherheit.

„Die Gelegenheit, eine umfangreiche Sammlung von Stasi-Exponaten zu kaufen, bietet sich nur ganz selten. Da mussten wir schnell handeln“, erklärt Franz-Michael Günther. Zusammen mit Robert Rückel, dem Direktor des Spionagemuseums, entschied er über die Investition von rund 800.000 Euro zur Runderneuerung von rund 80 Prozent des Museums. Das schrieb auch im vergangenen Jahr eine Erfolgsgeschichte: 2019 kamen rund 417.000 Besucherinnen und Besucher, ein neuer Rekord. „Damit zählen wir zu den Top-Ten der Berliner Museen“, freut sich Günther. Besonders freut ihn die Nominierung für den Preis „European Museum of the Year 2020“.

Sehr beliebt ist das Museum bei ausländischen Touristen. Alle Texte und Infografiken sind daher in Englisch beschrieben. Auch bei Schülern ist das Spionagemuseum angesagt. Schulklassen zahlen sechs Euro pro Teilnehmer. Der reguläre Eintrittspreis beträgt zwölf, ermäßigt acht Euro.

Auch "Big Data" wird thematisiert

„Um die Wissens- und Erfahrungswelt für den Besucher zu erweitern, wurden 25 neue, interaktive Stationen installiert“, so Günther. Darunter befindet sich ein Lügendetektor – mit teilweise sehr pikanten Fragen – und eine Station, in der mittels Filmclips und Kopfhörer die Kunst des Lippenlesens getestet werden kann. Auch ein kleines Labor für Geheimschriften gibt es. Kinder und Jugendliche zwischen vier und zwölf Jahren können sich darüber hinaus durch einen meterlangen Luftschacht in James-Bond-Manier schlängeln.

„Wir zeigen nicht nur originale Requisiten aus zahlreichen Bond-Filmen oder Interviews mit Top-Spionen wie Rainer Rupp, dem bekanntesten Spion der DDR im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Wir thematisieren auch ‚Big Data‘, die Datensammelwut von Google bis Facebook.“ So wird zum Beispiel anhand der verbotenen Kinderpuppe „Cayla“ gezeigt, auf welch abenteuerliche Weise heute persönliche Informationen gespeichert werden. „Ein wichtiges Thema für Eltern, Kinder und Jugendliche“, meint Franz-Michael Günther. Nach wie vor ein Besuchermagnet ist der auf den neuesten Stand gebrachte Laser-Parcours. Wie in einem „James-Bond“- oder „Mission-Impossible“-Film müssen Besucher einzeln in einem dunklen Raum durch Barrieren von Laserstrahlen kriechen, ohne einen Kontakt auszulösen. Die dritte und höchste Schwierigkeitsstufe hat bislang nur ein Kind erfolgreich gemeistert.

Das Angebot runden Veranstaltungen von Lesungen bis zu Diskussionen ab. Am 20. Februar stellen sich Experten unter dem Motto „Smart Homes“ den Gefahren der Datensicherheit im eigenen Zuhause. Eine Woche später geht es in einer Lesung um „Die Kinder der Agenten“. Das fortlaufend aktualisierte Programm ist über die Website des Museums abrufbar.

Infos für Besucher

Deutsches Spionagemuseum, Leipziger Platz 9, Mitte, Tel. 20 60 38 50, täglich 10–20 Uhr, www.deutsches-spionagemuseum.de

Veranstaltungen der kommenden Wochen:

Diskusion: „Smart Home – Spion im Haus oder digitaler Fortschritt?“ mit Prof. Dr. Thomas Petri, Datenschutzbeauftragter Freistaat Bayern, Steven Heckler, BDI – Digitalisierung und Innovation, Ben Schlabs, SRLabs Berlin, Hacker & Think Tank und Michael Boos, BSI Cybersicherheit Smart Home, 20.2., 19 Uhr, Eintritt frei

Vortrag: „Wilhelm Canaris – Hitlers Chefspion und Widerständler?“ mit Historiker Heiko Suhr, 25.2., 19 Uhr, Eintritt frei