Stadtmuseum

Debatte um den Wiederaufbau der Waisenbrücke

Paul Spies, Direktor des Berliner Stadtmuseums, setzt sich für die historische Verbindung über die Spree ein.

Die Fotopostkarte, um 1920, zeigt die Waisenbrücke und das „Märkische Provinzial-Museum" (Bildmitte, unten).

Die Fotopostkarte, um 1920, zeigt die Waisenbrücke und das „Märkische Provinzial-Museum" (Bildmitte, unten).

Foto: akg-images / picture alliance

Berlin. Der Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin stellt sein Jahresprogramm vor – und nutzt die Gelegenheit, für ein echtes Herzensanliegen zu werben. „Das Märkische Museum ist unter unseren Standorten das Juwel“, sagt der niederländische Kunsthistoriker, der seit 2016 Museumsdirektor der Stiftung in Berlin und Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum ist. Nur liege dieses Juwel trotz seiner zentralen Lage abgelegen – „und das ist nicht gut“, so Spies. Damit das Märkische Museum die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekomme, sei ein durchgängiger Uferweg an der Spree und vor allem der Wiederaufbau der Waisenbrücke erforderlich. „Ich hoffe, dass alle Politiker das verstehen“, so Spies weiter.

Tatsächlich war die mit rotem Sandstein verkleidete Waisenbrücke bis 1960 eine wichtige Spreequerung im Bezirk Mitte. Sie verband die nördlich der Spree gelegene Littenstraße mit dem südlich der Spree gelegenen Märkischen Platz, von dem Wallstraße und Am Köllnischen Park abgingen. Nach der Sprengung 1945 wurde die Brücke zunächst provisorisch wiederhergerichtet, 1960 jedoch wieder abgebaut. Wer genau hinschaut, kann heute noch die steinernen Auflager erkennen, die die Brücke einst an beiden Uferseiten trugen.

„Ich fordere ja gar nicht, dass ein Brückenneubau wieder für Autos befahrbar sein muss, aber als Fuß- und Radfahrerverbindung brauchen wir sie“, so der Museumsdirektor. Sein Wunsch: Wenn das Märkische Museum umbau- und sanierungsbedingt Ende 2022 schließt, sollte die Brücke bis zur Wiedereröffnung 2025/2026 ebenfalls fertig sein. Das Märkische Museum und das bislang ungenutzte Marinehaus sollen für 65 Millionen Euro in ein modernes Museums- und Kreativquartier umgewandelt werden. Bund, Land und Lotto-Stiftung teilen sich die Kosten.

Brückenneubau soll elf Millionen Euro kosten

Die Errichtung einer neuen Brücke am Standort der historischen Waisenbrücke wird auch vom Bezirk Mitte unterstützt. In Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sei der Brückenneubau Bestandteil des Sanierungsverfahrens „Nördliche Luisenstadt“, teilte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) bereits 2019 auf eine Anfrage der CDU mit. Die Maßnahme sei in der zugehörigen Kosten- und Finanzierungsübersicht mit einem Kostenrahmen von rund elf Millionen Euro enthalten. Für die Vorbereitung und Durchführung des Brückenneubaus ist die Senatsverwaltung für Umwelt,Verkehr und Klima zuständig.

Dort heißt es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass die Wiederherstellung der Brücke im Planwerk Innere Stadt enthalten und der Wiederaufbau für 2026–2030 angedacht sei. Auch bei der Stadtdebatte Berliner Mitte sei die Waisenbrücke als langfristiges Projekt „Grünzugs Stadtmauer/Waisenbrücke/Rolandufer“ aufgeführt. Aktuelle Planungen gebe es jedoch nicht. Aus verkehrlicher Sicht sei die zu erwartende Verkehrsbedeutung überschaubar.

Bis auf den bislang unerfüllten Wunsch einer definitiven Bauzusage für die Brücke ist Spies jedoch zufrieden.

Rekordjahr beiden Besucherzahlen

Das Stadtmuseum Berlin könne auf ein Rekordjahr bei den Besucherzahlen zurückblicken, sagte der Museumsdirektor. Das Museum zählte an seinen fünf Standorten Märkisches Museum, Nikolaikirche, Ephraim-Palais, Knoblauchhaus und Museumsdorf Düppel im Jahr 2019 zusammen gut 276.413 Besucher. Dies sei die höchste Zahl seit zwölf Jahren, als in der Nikolaikirche erstmals Eintritt erhoben wurde. Im Vorjahr hatten die Museumsstatistiken noch 233.835 Gäste verzeichnet. Wichtige Säule des Erfolgs sei die Sonderausstellung „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ gewesen, die allein mehr als 62.000 Menschen in das Ephraim-Palais lockte.

Ephraim Palais schließt für ein Jahr

Das Palais fällt als Ausstellungsort bereits im ersten Quartal dieses Jahres aus und wird für ein Jahr geschlossen. Der Grund: Die marode Elektrik im Haus muss erneuert werden. Gleichzeitig bekommen Spies und sein Team mit dem städtischen Teil des Humboldt-Forums etwa 5000 Ausstellungsquadratmeter hinzu. Bisher können sie nach Museumsangaben gut 8700 Quadratmeter gestalten.