Fehlende Qualifikation?

Bauakademie: Suche nach Gründungsdirektor landet vor Gericht

Der Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie ist beschlossen. Um die Besetzung der Direktorenstelle gibt es aber juristischen Streit.

Für den Wiederaufbau der von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Bauakademie hat der Bundestag 2016 62 Millionen Euro bewilligt.

Für den Wiederaufbau der von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Bauakademie hat der Bundestag 2016 62 Millionen Euro bewilligt.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. In der kommenden Woche wird sich das Arbeitsgericht Berlin gleich an zwei Tagen mit einer Personalie befassen, die in der Hauptstadt bereits für heftige Kritik gesorgt hat: Die Besetzung der Stelle des Direktors der Bundesstiftung Bauakademie mit dem SPD-Politiker Florian Pronold. Der 47-Jährige ist derzeit Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

Das Arbeitsgericht Berlin wird sich am Dienstag und am Donnerstag jeweils im Rahmen einer sogenannten Konkurrentenschutzklage mit der Besetzung der Direktorenstelle beschäftigen. Die Kläger, bei denen es sich um einem Architektur-Professor und einen Architekten handelt, wie ein Gerichtssprecher auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mitteilte, fühlten sich im Auswahlverfahren übergangen und hatten deshalb Ende vergangenen Jahres auf Erlass einer einstweiligen Verfügung geklagt.

Diese Klagen verhindern bis zu einer Entscheidung des Gerichts, dass Pronold den prestigeträchtigen Posten antreten kann. Die wichtige Leitungsstelle bleibt bis zu einer Entscheidung des Gerichts deshalb unbesetzt.

Keine ausreichenden Qualifikationen

Begründet haben beide Kläger ihren Gang vor das Gericht mit den in der Stellenausschreibung genannten beruflichen Qualifikationen, die Pronold nach ihrer Auffassung nicht ausreichend mitbringt. Laut Ausschreibung, die das Personalberatungsunternehmen Kienbaum durchgeführt hatte, sollte der Kandidat „über ein abgeschlossenes, für die Themen der Bauakademie relevantes universitäres Hochschulstudium“ verfügen sowie „eine in der Welt des Bauens angesehene und themenübergreifend tätige Führungspersönlichkeit“ sein. Gefordert waren außerdem „Erfahrung mit Projekten und Formaten mehrdimensionaler Kommunikation (Museen, Ausstellungen, Messen, Festivals, Konferenzen)“.

Nicht nur die beiden Kläger sind der Meinung, dass der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium diese Qualifikationen nicht mitbringt. Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Gründungsdirektor, die das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat Mitte November verkündete, hatten rund 180 Architekten, Stadtplaner, Wissenschaftler und Kulturschaffende in einem Offenen Brief gegen die Entscheidung protestiert.

Adressiert ist er an Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU), die Mitglieder des Stiftungsrates der Bundesstiftung Bauakademie sowie Bundesarchitektenkammer-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann und Bundesingenieurkammer-Präsident Hans-Ullrich Kammeyer, die über die Besetzung der Stelle mit Pronold entschieden haben.

In der Welt des Bauens nahezu unbekannt

Pronold verfüge über keine der geforderten Qualifikationen, er habe lediglich Jura studiert und mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen, sei seit 2002 hauptberuflicher Politiker und in der Welt des Bauens nahezu unbekannt.

Zudem „kann er keine Fachpublikationen aufweisen, hat keine Ausstellungen kuratiert, kein Museum oder andere Ausstellungsorte geleitet“, schreiben die Unterzeichner, zu denen unter anderem der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, Bernd Scherer vom Haus der Kulturen der Welt, der Stadtplaner und Sozialwissenschaftler Harald Bodenschatz, der Präsident der TU Berlin, Christian Thomsen, außerdem zahlreiche prominente Architekten wie HG Merz, Jan Kleihues, Regine Leibinger, Hilde Léon und Volkwin Marg zählen.

Geld für den Wiederaufbau der Akademie liegt bereit

Seit Jahren wird um den Wiederaufbau der berühmten Bauakademie am Werderschen Markt gerungen. 2016 hatte der Bundestag 62 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Bauakademie, die gegenüber dem Berliner Schloss stand, bewilligt.

Das 1836 eröffnete Akademiegebäude wurde nach einem Entwurf des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel zwischen Kupfergraben und Friedrichswerderscher Kirche errichtet. Die Bau- und Konstruktionsweise galten damals als revolutionär und und wegweisend für modernes Bauen. Der Bau wurde neben seiner Funktion als Akademiegebäude auch für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Wettbewerb endete ohne klares Ergebnis

2018 fand schließlich ein Wettbewerb zur Wiedererrichtung der Berliner Bauakademie unter dem Motto „So viel Schinkel wie möglich“ statt. Insgesamt 78 Arbeitsgemeinschaften und Büros aus dem In- und Ausland beteiligten sich. Gesucht wurde allerdings kein architektonischer Entwurf, sondern lediglich Vorschläge für ein räumliches und institutionelles Programm. Doch der Wettbewerb endete ohne klares Ergebnis – die Jury kürte gleich fünf Beiträge zu Siegern.

Der entscheidende Architekturwettbewerb, der dann tatsächlich darüber Auskunft geben soll, ob die Bauakademie nach historischem Vorbild oder als moderne Interpretation des Gebäudes wiederentsteht, sollte eigentlich bereits Anfang 2019 ausgelobt werden. Ein genaues Datum, wann der Wettbewerb gestartet werden soll, ist allerdings auch ein Jahr später noch nicht bekanntgegeben worden.

Dabei gehen die Planungen zur Wiedererrichtung des Gebäudes als nationale Bauakademie bereits auf die Zeit kurz nach der Wiedervereinigung zurück. Damals wurde eine erste Machbarkeitsstudie angefertigt.

Gänzlich abgerissenen

2001 fertigten Maurerlehrlinge die sogenannte „Musterecke“ des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten und von der DDR-Regierung 1962 gänzlich abgerissenen Gebäudes an. Ab 2004 simulierte eine Fassadenrekonstruktion mit bedruckten Planen die Dimensionen des Gebäudes. Die Planen, nach 15 Jahren weitgehend zerschlissen, sind inzwischen abgehängt, das Gerüst wird derzeit zurückgebaut.