Berliner Verkehr

Strecke für neuen S-Bahn-Tunnel am Reichstag gefunden

Um den Verlauf der S21 unter dem Regierungsviertel wurde lange gerungen. Jetzt ist der Weg für den Bau frei.

Blick auf den Reichstag

Blick auf den Reichstag

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Bei einem Megaprojekt des Berliner Nahverkehrs ist ein großer Stein aus dem Weg geräumt worden. Die Deutsche Bahn und die Bundestagsverwaltung haben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost auf einen Streckenverlauf für den zweiten Bauabschnitt der S-Bahnlinie S21 unter dem Regierungsviertel geeinigt. „Es zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung ab, die sowohl die berechtigten Bedenken des Bundestages aufnimmt als auch der Deutschen Bahn die Möglichkeit gibt, dieses wichtige Projekt zu realisieren und dabei die Vorleistungen im S-Bahnhof Potsdamer Platz zu nutzen“, sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin.

Auch aus Kreisen der Bundestagsverwaltung stehen die Signale auf grün. Man sei „zuversichtlich“, nun eine Einigung gefunden zu haben. Derzeit laufe noch eine technische Prüfung der neuen Streckenvariante. Anschließend werde die Bau- und Raumkommission des Bundestags auf ihrer Sitzung am 29. Januar über den Lösungsvorschlag entscheiden. Berlins Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) begrüßte die Einigung. „Wir freuen uns, dass die Bedenken des Bundestags zur Trassenführung nun durch die Planungsänderungen ausgeräumt werden konnten.“

S-Bahn unter Regierungsviertel: Sorge um Einsturz des Reichstages

Die Gespräche über den Tunnelverlauf im Regierungsviertel zogen sich lange hin. Die Bundestagsverwaltung befürchtete Schäden am Reichstag durch den Bau. „Eine Trassenführung der S21 mit dem Risiko einer Setzung oder eines Einsturzes des Reichstagsgebäudes wird es nicht geben“, stellte Bundestagssprecherin Eva Haacke im Dezember nochmals unmissverständlich klar. Zu groß sei die Sorge, der massive Bau – allein die Reichstagskuppel wiegt 1200 Tonnen – könnte durch eine Unterhöhlung im märkischen Sand bedroht sein.

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Unklar schien deshalb zuletzt, ob die geplante Strecke an einen bereits in den 30er-Jahren unter der Ebertstraße errichteten Tunnel vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor andocken kann, den sogenannten Heuboden. Dafür will die Bahn den Tunnel um den Reichstag herum teilen und je eine Röhre östlich und westlich des Parlamentssitzes bohren. Für Diskussionen sorgte besonders der westliche Zweig unter der Reichstagswiese. Letzte Streckenvarianten hätten nur wenige Meter an der Südwestkante des Reichstags entlang führen sollen, hieß es aus Kreisen der Bundestagsverwaltung. Zu knapp, fanden die Parlamentarier.

Wegen neuer Kurve müssen Züge der S-Bahn langsamer fahren

Die neuen Pläne der Deutschen Bahn sehen offenbar daher nun für diesen Tunnelzweig mehr Abstand zum Reichstag vor. „Die Bahn kann damit wie geplant am Heuboden andocken“, hieß es. Dafür vollziehe die Röhre unter der Reichstagswiese eine stärkere Kurve parallel zur Strecke der U-Bahnlinie U55. Sie zwinge die Züge dazu, an dieser Stelle etwas langsamer zu fahren. Dafür habe die ursprüngliche Streckenführung jedoch erhalten werden können. Die zweite Untergrundverbindung solle offenbar wie geplant unter dem Friedrich-Ebert-Platz verlaufen.

Die S21 ist eines der größten Verkehrsinfrastrukturprojekte Berlins. In Zukunft soll die Strecke vom Gesundbrunnen über Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck zu den S-Bahnhöfen an der Yorckstraße führen. Damit soll die Kapazität auf der stark ausgelasteten Nord-Süd-Verbindung vergrößert werden. Doch der ursprüngliche Zeitplan des Projekts ist längst Makulatur: Der zweite Bauabschnitt vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz sollte ursprünglich 2030 in Betrieb gehen.

Die ersten S-Bahnen rollen wohl erst 2035 unter dem Regierungsviertel

Nach aktuellen Prognosen der Senatsverkehrsverwaltung rollen die Züge wohl erst 2035, wenn auch der dritte Bauabschnitt bis zur Yorckstraße eröffnen soll. Am ersten Bauabschnitt zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof baut die Bahn seit 2010. Dort sollten die ersten S-Bahnen bereits 2017 fahren. Zuletzt ging die Bahn von einem Start in diesem Jahr aus. Mittlerweile ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten. Betriebsbeginn ist nun wohl 2021.