Pläne in Mitte

Friedrichstraße wird im Sommer 2020 drei Monate autofrei

Die Friedrichstraße wird im Sommer autofrei. Stephan von Dassel nennt die Fête de la Musique im Juni als wahrscheinlichen Startschuss.

Fünf Fragen an Stephan von Dassel

Stephan von Dassel ist Bürgermeister von Mitte. Er stellt sich fünf Fragen von Morgenpost-Reporter Christian Latz.

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Die Pläne für die Umgestaltung der Friedrichstraße werden konkreter. Die Geschäftsstraße wird im Rahmen des angekündigten Verkehrsversuchs nun im Sommer 2020 für drei Monate von Juni bis September für den Autoverkehr gesperrt. Das sagte Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) der Berliner Morgenpost.

Ab 21. Juni 2020 soll die Friedrichstraße eine Fußgängerzone sein

Von Dassel nannte die Fête de la Musique am 21. Juni als wahrscheinlichen Startschuss für die autofreie Phase auf der Friedrichstraße. Da Mitte 2020 Schwerpunktbezirk beim Musikfest sein werde, plane der Bezirk ein Veranstaltungsprogramm entlang der Friedrichstraße. Der 21. Juni fällt zudem im kommenden Jahr auf einen verkaufsoffenen Sonntag. „Das wäre ein perfekter Auftakt“, so der Bezirksbürgermeister.

Fünf Fragen an Stephan von Dassel
Fünf Fragen an Stephan von Dassel

Von diesem Datum an solle die Straße bis Mitte September ausschließlich Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein. Umfassen wird die Sperrzone für den motorisierten Verkehr den Abschnitt zwischen der Französischen Straße und der Leipziger Straße.

Friedrichstraße: Immer weniger Kunden flanieren dort

Die Friedrichstraße befindet sich seit Jahren im Niedergang. Immer weniger Kunden flanieren entlang der Geschäftsstraße, viele Modeketten haben den Standort verlassen. Etliche Ladenlokale stehen leer und selbst bei Ankermieter wie den Galeries Lafayette scheint der Verbleib offen. Als Grund fällt immer wieder die geringe Aufenthaltsqualität.

Fußgänger müssen sich auf schmalen Gehsteigen drängen, während sich auf der engen Straße der Verkehr staut. Die Debatte, wie es mit der Friedrichstraße weitergehen soll, dauert seit einem Jahr an. Initialzündung war die eintägige Sperrung der Geschäftsstraße im Advent 2018 durch die Verkehrsinitiative Stadt für Menschen. Nach langen Diskussionen zwischen Bezirk, Senatsverkehrsverwaltung und den Anrainern wurde sie Anfang Oktober ein Wochenende lang für Autos gesperrt.

Im Sommer 2020 wird die Friedrichstraße zum Forschungsprojekt

Nun folgt im Sommer 2020 der mehrmonatige Verkehrsversuch begleitet durch ein Forschungsprojekt. „Entscheidend ist, dass man das wissenschaftlich fundiert begleiten kann“, sagte von Dassel. In der autofreien Zeit würden deshalb keine weiteren Veranstaltungen stattfinden. Nur so käme die Pilotphase der Situation bei einer Dauersperrung möglichst nahe.

Forscher sollen dann untersuchen, wie sich die Zone auf den Verkehr in den umliegenden Straßen sowie die wirtschaftliche Situation der Geschäfte auswirkt. Sollte die Sperrung nicht den gewünschten Effekt haben, müsse man auch das anerkennen, so von Dassel. Allerdings: „Viel schlechter kann die Situation gar nicht werden.“

Changing Cities unterstützt den Pilotversuch

Unterstützt wird der Versuch von der Verkehrsinitiative Changing Cities. „Wir begrüßen, dass es weiter voran geht“, sagte Stefan Lehmkühler. Die Maßnahme könne aber nur der erste Schritt sein. Der Verkehrsversuch müsse so strukturiert sein, dass er Erkenntnisse für ein Gesamtverkehrskonzept für die historische Mitte bringe. Lehmkühler plädierte für eine Verlängerung der Zone bis zum Checkpoint Charlie. „Sonst ist das nur eine halbherzige Geschichte.“

Guido Herrmann, Geschäftsführer der Anrainervertretung Die Mitte e.V., erklärte, dass eine Sperrung alleine nicht ausreiche. „So wie es nicht nur eine Ursache für die Probleme gibt, gibt es nicht nur eine Lösung.“ Er verwies auf Gespräche mit der Senatswirtschaftsverwaltung. Demnach arbeite das von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) geführte Haus an einer Potenzialanalyse für die Friedrichstraße. Zudem solle es ein touristisches Wegeleitsystem für die historische mitte geben. „Das muss Hand in Hand gehen“, sagte Herrmann, sonst mache der Verkehrsversuch keinen Sinn.